Neu im Bestand: Neun sehenswerte Filme fürs sommerliche Heimkino

Keine Zeit gehabt, gar nicht erst wahrgenommen oder nicht für interessant genug befunden: Die Gründe, warum man viel zu viele Filme im Kino verpasst, sind zahlreich. Zum Glück gibt es DVDs, und zu noch größerem Glück gibt es unsere Filmbloggerinnen, die alle DVD- und Blu-Ray-Neuerscheinungen im Auge haben und euch die sehenswertesten davon empfehlen können. Hier sind sie: die neun Tipps von Claudia, Diana und Stefanie. (Ein Klick auf das jeweilige Cover führt euch in unseren Onlinekatalog zum Ausleihen oder Vormerken.)


Stefanie aus der Stadtbibliothek Laim empfiehlt:

A Ghost Story

Ein glückliches junges Paar wird durch den Unfalltod des Mannes brutal auseinander gerissen. Unfähig loszulassen, verharrt der als Geist in einer Art Zwischenreich: Er nimmt die Welt um ihn herum wahr, kann aber mit niemandem in Kontakt treten. In dem Haus, in dem beide glücklich waren, muss er hilflos mitansehen, wie seine Freundin verzweifelt um ihn trauert. Jahre gehen ins Land, allmählich findet die junge Frau ins Leben zurück, verlässt das gemeinsame Haus. Und während das Leben weitergeht, bleibt er zurück, einsam und gefangen an dem Ort, der nun nicht mehr der gemeinsame ist …

Unprätentiös, aber zutiefst atmosphärisch erzählt Oliver Lowerys Film von Liebe, Tod und Vergänglichkeit, von der Ungeheuerlichkeit von Zeit und Ewigkeit. Und obwohl von Casey Affleck („Manchester by the Sea“) unter seinem Leichentuch kaum etwas zu sehen ist, geht von ihm in jeder Einstellung eine ungeheure Präsenz aus, ein tiefes Gefühl von Trauer und Einsamkeit.

Oliver Keaver sprach in der ZEIT von „einer der emotionalsten Erfahrungen, die man in diesem Jahr im Kino machen konnte“. Dem kann ich mich nur anschließen.

Regie: David Lowery, Universal 2018, 89 Min.

Three Billboards outside Ebbing, Missouri

Billboards, das sind die riesigen Plakatwände entlang amerikanischer Ausfallstraßen – und Ebbing ist ein Kaff in the Middle of Nowhere in – ja, eben – Missouri. Dort gab es vor Monaten ein furchtbares Verbrechen: Eine junge Frau wurde vergewaltigt und grausam ermordet. In ihrer Wut und Verbitterung greift Mildred Hayes, die Mutter des Mädchens, zum Äußersten: Auf „three billboards outside Ebbing“ prangert sie die Unfähigkeit des Polizeichefs und der lokalen Behörden an, die „lieber schwarze Verdächtige foltern und gemütlich Donuts mampfen als wirkliche Verbrechen aufzuklären“. Unnötig zu sagen, dass sie sich mit diesem Rachefeldzug in der Stadt nicht gerade Freunde macht …

Eine gute, spannende Story also – Regisseur Martin McDonaghs ganz besondere Kunst aber liegt in der Zeichnung seiner Figuren. Im Zentrum Mildred Hayes: Herrlich spröde und voll galligem Humor zeigt Frances McDormand sie in ihrer zweiten Oscar-Rolle als eine Frau, die sich in ihrer nur zu verständlichen Suche nach Gerechtigkeit immer übler verrennt. Und wenn wir glauben, sie und den ganzen Kleinstadt-Kosmos um sie herum nach zehn Minuten durchschaut zu haben, dann werden wir schon bald eines Besseren belehrt. Eine zentrale Botschaft des Filmes ist die Warnung vor (vor-)schnellen Urteilen und allzu unerschütterlichen Überzeugungen …

Und: Hört in das amerikanische Original zumindest mal hinein! Die Sprache der ‚einfachen Leute‘ mit ihren vielen „fuckin’“s schafft eine Atmosphäre, die sich in der deutschen Synchro einfach nicht rüberbringen lässt!

Regie: Martin MacDonagh, Twentieth Century Fox Home Entertainment 2018, 115 Min.


Claudia aus der Stadtbibliothek Bogenhausen rät zu:

Maudie

Trotz verkrüppelter Hände gibt Maud niemals den Traum auf, Künstlerin zu werden. So malt sie erst ihre ärmliche Behausung, in der sie mit ihrem Mann lebt, farbenfroh an; später werden ihre Bilder sogar in Galerien hängen.

Die unglaubliche Kraft des anrührenden Filmes „Maudie“ liegt – so empfinde ich es – in der überzeugenden Schilderung des zwar zutiefst entbehrungsreichen Lebens der Künstlerin Maud Lewis. demihre positiven, erfrischenden Bilder mit an Üppigkeit sich übertreffenden Farben entgegen gesetzt werden. Grandios gespielt wird Maudie von Sally Hawkins; Everett, ihren Mann spielt Ethan Hawke.

Eine Gelegenheit, diesen Film zu sehen gibt es auch am 14.9.2018 um 20.00 Uhr in der Stadtbibliothek Bogenhausen, Rosenkavalierpl. 16 (Eintritt 4€)

Regie: Aisling Walsh, Eurovideo 2018. 112 Min.


Diana aus der Stadtbibliothek Bogenhausen empfiehlt:

Greatest Showman

Das Musical, das mich gleich zu Beginn mit seiner mitreißenden Musik gepackt hat, erzählt die Geschichte von P. T. Barnum, dem „Erfinder“ des Zirkus. Die Geschichte ist sehr hollywoodmäßig bearbeitet und romantisiert, das sollte man bedenken. Die Lieder und die dazugehörigen Choreographien sind das, was den Film zu einem meiner Favoriten in diesem Jahr machen.

Hugh Jackman beweist einmal mehr, dass er ein sehr guter Sänger ist. Andere Stars wie Zac Efron oder Michelle Williams überzeugen genauso wie Newcomerin Keala Settle, deren Lied „This is me“ mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde und für den Oscar nominiert war.

Regie: Michael Gracey, Twentieth Century Fox Home Entertainment, 2018, 101 Min.

Victoria & Abdul

Königin Victoria ist 68 Jahre alt, als sie 1887 im Rahmen ihres goldenen Thronjubiläums den indischen Diener Abdul kennen lernt. Dieser sollte eigentlich nur zur Übergabe einer Münze anwesend sein, da Victoria aber Gefallen an ihm findet, wird er rasch zu einem Freund und engen Vertrauten der Queen …

Dass die Freundschaft der beiden auf Unverständnis bei den z.T. adligen Hofangestellten stößt, wäre eine Untertreibung. Aber das macht für mich den Charme des Films aus – die Reaktionen dieser typisch britischen Höflinge sind sehr amüsant. Auch die Darstellung Victorias durch Judi Dench überzeugt auf der ganzen Linie. Das die Story auf wahren Begebenheiten basiert, macht sie für mich zusätzlich interessant.

Regie: Stephen Frears, Universal 2018, 107 Min.

Das Leuchten der Erinnerung

Helen Mirren und Donald Sutherland spielen ein altes Ehepaar, das eines Tages mit ihrem Wohnmobil zu einem Roadtrip verschwindet. Schnell wird klar, dass der Mann unter Demenz leidet und wenige lichte Momente hat, in denen er „der Alte“ ist. Die Frau schwelgt in Erinnerungen an vergangene Reisen mit der ganzen Familie und zeigt ihrem Mann abends auf dem Campingplatz alte Bilder, um seine Erinnerung zu trainieren.

Donald Sutherland spielt dem dementen Mann sehr überzeugend, man kann an seinen Gesichtszügen klar erkennen, in welchem Stadium er sich gerade befindet. Auch Helen Mirren fasziniert als typische alte Frau, die mit Fremden gerne lange Schwätzchen anfängt, sich rührend um ihren Mann kümmert und aber auch schwer damit zu kämpfen hat, dass er sich an vieles nicht mehr erinnern kann. Dass auch sie selbst sehr krank ist, wird erst mit der Zeit deutlich. Was das für die beiden bedeutet, ist drastisch, aber teilweise nachvollziehbar…

Regie: Paolo Virzi, Concorde Home Entertainment, 2018, 108 Min.

Die dunkelste Stunde

In diesem Film wird die Geschichte erzählt, wie Winston Churchill 1940 zum Premierminister ernannt wird und damit zu kämpfen hat, die Invasion durch die Deutschen unter Hitler aufzuhalten.

Mir persönlich war bisher nicht bekannt, wie unbeliebt Churchill lange Zeit bei den Menschen, Politikern, dem König und auch dem Volk, war. Das wird in diesem Film eindrucksvoll dargestellt, wenn Churchill z.B. seinen Antrittsbesuch beim König hat. Gary Oldman hat für seine Darstellung Churchills den Oscar bekommen – völlig zu recht, wie ich finde. Man erkennt ihn äußerlich nur wenig, und auch stimmlich hat er sich das Nuscheln und das griesgrämige Verhalten Churchills optimal angeeignet.

Wieder ein Film, der auf realen Ereignissen basiert, interessant und unterhaltsam erzählt. Dass ich bei einem Besuch Londons auch die Bunkeranlagen Churchills besichtigt habe, machte den Film für mich umso interessanter, da viele Szenen dort spielen.

Regie: Joe Wright, Universal 2018, 120 Min.

Simpel

Simpel heißt eigentlich Barnabas und ist 22 Jahre alt. Weil sein Gehirn bei der Geburt mit zu wenig Sauerstoff versorgt wurde, ist er geistig auf dem Niveau eines Kindes. Sein Bruder Ben kümmert sich liebevoll um ihn und will nach dem plötzlichen Tod der Mutter weiter für ihn sorgen. Dies wird durch den seit 15 Jahren abwesenden Vater aber verhindert, und so reißen die beiden Brüder aus, damit Simpel nicht im Heim leben muss…

Die Brüder werden von Frederick Lau in der Rolle des Ben und David Kross als Simpel beeindruckend dargestellt. Man könnte meinen, die beiden wären wirklich Brüder … Wie Ben sein eigenes Leben hinten anstellt, um für Simpel da zu sein und wie ein Löwe für ihn kämpft, ist sehr berührend. David Kross spielt den kindlichen und unschuldigen Simpel so, dass man ihn sofort ins Herz schließt.

Der Film basiert auf dem Jugendroman von Marie-Aude Murail aus dem Jahr 2004.

Regie: Markus Goller, Universum-Film, 2018, 109 Min.

Ferdinand – geht stierisch ab!

Die Macher der „Ice Age“-Filme haben aus dem Kinderbuch „Ferdinand der Stier“ von Munro Leaf aus dem Jahr 1936 einen Animationsfilm gemacht: Ferdinand lebt als Jungtier auf einer Farm in Spanien und soll für den Stierkampf ausgebildet werden. Doch dafür ist er viel zu friedfertig, und als sein Vater nicht aus der Arena zurückkehrt, reißt er aus. Ferdinand findet ein neues Zuhause und genießt das Leben bei seiner neuen Familie.

Mit der Zeit wächst Ferdinand zu einem stattlichen Stier heran und wirkt daher auf Fremde doch etwas furchteinflößend. Bei einem Blumenfest wird er von einer Biene gestochen und erschrickt darüber so sehr, dass er das komplette Fest zerstört. Also wird Ferdinand zurück zur Farm gebracht und soll in der Arena kämpfen…

Die Geschichte des friedliebenden und Blumen liebenden Stiers ist sehr liebevoll und amüsant erzählt – mit vielen lustigen Nebenfiguren wie den drei österreichischen Lippizanern (köstlich!!!) oder der Ziege Elvira. Für Kinder ab 6 geeignet, aber auch für Erwachsene zu empfehlen.

Regie: Carlos Saldanha, Twentieth Century Fox Home Entertainment, 2018, 104 Min.


Featured Image: Pablo García Saldaña / Unsplash

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