#wirbibliotheken: Arbeitsantritt am Küchentisch

In seinem Beitrag zur Vernetzungsaktion #wirbibliotheken von Münchner Stadtbibliothek und Deutschem Bibliotheksverband (dbv) schildert Martin Holtorf (Benutzung und Bestandsverwaltung, Deutsche Nationalbibliothek), wie er auf Distanz eingearbeitet wurde.

Nein, es ist kein ausgedehnter Aprilscherz, dass ich seit meinem Antritt am 1.April 2020 meinen Arbeitsplatz an der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Frankfurt am Main bisher nur virtuell kennenlernen konnte. Mein erster Arbeitstag in der DNB begann am Esstisch in der heimischen Küche. Eine freundliche Kollegin vom IT-Service half mir telefonisch, mein privates Notebook für die Arbeit an der DNB einzurichten. Damit kann ich auf den mir zugewiesenen PC in meinem neuen Büro von daheim aus zugreifen.

Anschließend unternahmen wir einen kurzen Rundgang zu bedeutenden digitalen Orten der DNB: Ich erhielt einen Einblick in die Struktur des Dateisystems, wir schauten kurz im DNB-Wiki vorbei und besuchten das Intranet. Was war die wichtigste Regel nach der Kurzeinführung? Niemals am Ende des Tages den Büro-PC herunterfahren, sondern sich nur abmelden, da ansonsten Mitarbeitende des IT-Service an meinen Arbeitsplatz gehen müssen, um meinen Computer neu zu starten. Statt den echten Schreibtisch herzurichten, richtete ich mir meinen virtuellen Desktop ein, indem ich z.B. den Nachtmodus im Office-Programm für ein entspanntes Arbeiten aktivierte.

Mein neues Team lernte ich per Videokonferenz kennen. Auf den berühmten ersten Handschlag mussten wir ebenso verzichten wie auf den obligatorischen Rundgang durch das Haus. Der ursprüngliche Plan sah in den ersten vier Wochen eine intensive, praktische Einarbeitung vor, um die beiden Standorte der DNB und die Beschäftigten des Fachbereichs „Benutzung und Bestandserhaltung“ kennenzulernen. Nun wurde jedoch nach meinen ersten drei Arbeitstagen coronabedingt der Dienstbetrieb für eine Woche eingestellt und da, wo sinnvoll, die Arbeit von zu Hause aus angeordnet. Wie soll da eine Einarbeitung stattfinden?

Zur Orientierung erhielt ich eine nach Relevanz bewertete Themen- und Linkliste rund um den Kosmos der DNB, die ich priorisiert im Selbststudium abarbeitete. Diese „stillen“ Phasen wechselten sich mit dem praktischen Kennenlernen mir unvertrauter Software und den „kommunikativen“ Phasen ab. In regelmäßigen Videokonferenzen gibt es Teambesprechungen, um sich miteinander auszutauschen.

Mein zukünftiger Arbeitsalltag ist stark durch die Betreuung von Projekten für den Benutzungsbereich geprägt. Ein virtuelles Scrum-Board verschafft mir einen Überblick über die aktuellen Themen innerhalb des Referates und deren Bearbeitungsstatus. Meine neuen Kolleg*innen beantworten mir alle Fragen zu ihren Projekten. Dafür nutzen wir Desktopsharingtools, um uns gemeinsam Dokumente anzuschauen, Videokonferenzsysteme oder ganz klassisch das Telefon. Da wir Kinder betreuen müssen, findet der gemeinsame Austausch auch am Abend statt. Über die Webseite und die Social-Media-Kanäle der DNB kam ich indirekt mit unserer Zielgruppe in Kontakt und erfuhr über die öffentlichen Reaktionen zu den DNB-Posts, was der Zielgruppe gefiel und was weniger Resonanz fand.

Fazit nach einem Monat Corona-Einarbeitung: Die Standorte kenne ich zwar immer noch nicht physisch und das Kollegium auch nicht persönlich, dafür bin ich mit den internen und externen digitalen Hot-Spots der DNB vertraut.

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