Revolution des filmischen Blicks

Ilya Naishuller: Hardcore (Film)

Der Sänger und Gitarrist der russischen Punkband Bitting Elbows, Ilya Naishuller, drehte bereits 2013 ein Musikvideo für seine Band komplett in der Egoperspektive. Nachdem dieses zu einem viralen Internethit wurde, bekam er das Angebot, einen ganzen Film ausschließlich in der Egoperspektive zu drehen: „Hardcore“. Aber ob ein ganzer Film so funktionieren würde, darüber war Naishuller sich selbst zu Anfang nicht so ganz sicher.

Ich habe zufällig den Trailer von „Hardcore“ gesehen – und wollte den Film sofort haben. Ich dachte zunächst, dass wir so einen Film eh nicht anschaffen werden – ja, ich weiß, unser hervorragender Titelwunschservice macht alles möglich (siehe faq #17). Wie auch immer: Die Abteilung update.jung&erwachsen hat „Hardcore“ jetzt bestellt – und ich kann fürs Blog darüber schreiben.

(c) capelight pictures

Die Story gleicht einer modernen Hero-and-Villain-Comicerzählung. Der Held Henry erwacht in einer Art Labor und kann sich an nichts erinnern. Durch verschiedenste Implantate wird er zu einer Art Supersoldaten. Nachdem der Bösewicht Akan auftaucht und mit seinen telekinetischen Kräften die ganze Einrichtung verwüstet, flüchtet Henry aus dem Labor, das sich als Flugzeug herausstellt. Mit dem Sprung daraus beginnt ein 90-minütiger Actiontrip, der einen kaum durchatmen lässt. Die Story kann darüber hinaus mit einigen unerwarteten Twists aufwarten.

Ein revolutionäres Filmerlebnis. (Indiewire)

Dazu gibt es einen genialen treibenden Punk- und Rocksoundtrack, der selbstverständlich auch einige Stücke von Naishullers Band enthält. Die Musik ist natürlich Geschmackssache, aber ich finde „Hardcore“ gehört damit zu den wenigen Filmen, die sich schon nur wegen des Soundtracks lohnen anzusehen.

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(c) capelight pictures

Absolut beeindruckt hat mich aber die Inszenierung der Actionstunts. Alles sieht extrem realistisch aus. CGI wird nur dezent unterstützend eingesetzt. Besonders das Konzept, alles aus der Egoperspektive zu filmen, ist eine wahre Herausforderung. Und ich finde es wirklich lobenswert, dass Naishuller konsequent auf echte Stunts gesetzt hat. Der spezielle, eigens angefertigte Kamera“helm“ war so schwer, dass sich mehrere Schauspieler und Stuntmen abwechseln mussten beim Tragen. Damit dann zum Beispiel einen Sprung von einem explodierenden Bus auf ein Motorad zu machen – nur an einem Drahtseil befestigt – ist eigentlich schon wahre Akrobatik. Die russische Filmcrew hat hier wirklich Herausragendes geleistet! Ich empfehle das Making-Of auf der Bluray auch noch anzuschauen.

Eine Explosion des Wahnsinns direkt auf die Netzhaut. (Hitfix)

In einigen Rezensionen wird geschrieben, dass die schnelle Action in Verbindung mit der speziellen Perspektive einen ganz schwindlig macht. Ich hatte befürchtet, dass mir das auch so gehen wird. Aber ich muss sagen, die Umsetzung ist wirklich gelungen und hat bei mir in keinster Weise Unwohlsein verursacht. Aus meiner Sicht wirklich ein kleine Filmrevolution und eine absolute Empfehlung für Fans von außergewöhnlichen Filmen – und von Punkrock.

Hardcore: Regie/Drehbuch: Ilya Naishuller. Darsteller: Sharlto Copley, Haley Bennett, Tim Roth. Capelight Pictures. FSK: 18. Blu-Ray.

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