Dagmar Leupold: Weltbürgerin, Romancière, Poétesse

Wir gratulieren Dagmar Leupold zu ihrem 65. Geburtstag und stellen sie Euch in unserer Reihe „Schätze der Monacensia“ vor. Wie war ihr Werdegang? Was zeichnet ihre Schriften aus? Warum irritierte ihr Roman „Lavinia“? Christine Hannig, unsere Bibliothekarin, gibt einen kleinen Einblick.

Buchdeckel vom ersten Lyrikband von Dagmar Leupold: Wie Treibholz. Gedichte (1988).
Der erste Lyrikband von Dagmar Leupold: Wie Treibholz. Gedichte (1988).

Dagmar Leupold: Von der Deutschlehrerin, Übersetzerin, Redakteurin und Dozentin zur Schriftstellerin

Dagmar Leupold wird am 23. Oktober 1955 in Niederlahnstein geboren, wächst in Oberlahnstein und Mainz auf und lebt heute als freie Schriftstellerin in München.

Sie besucht das Mainzer Frauenlobgymnasium und studiert anschließend Germanistik, Philosophie, Theaterwissenschaften und Klassische Philologie in Marburg und Tübingen. 1980 legt sie ihr Staatsexamen in Germanistik und Philosophie ab. Von 1980 bis 1985 unterrichtet Dagmar Leupold als Deutschlehrerin in Florenz. Dort arbeitet sie auch als Übersetzerin und Redakteurin und schreibt erste Gedichte, die in Zeitschriften und Anthologien erscheinen. 1985 nimmt sie als Stipendiatin ein fünfjähriges Studium der City University New York wahr und lehrt als Dozentin am Queens College. Ihre Promotion in Vergleichender Literaturwissenschaft erfolgt 1993 in New York.

Dagmar Leupolds literarischer Werdegang von der Lyrik zur Prosa

Der erste Lyrikband von Dagmar Leupold erscheint 1988 in der Pfaffenweiler Presse unter dem Titel „Wie Treibholz“. Er vereint Gedichte über Liebe und Tod, die durch ihre klare Melodie und überraschende Schönheit beeindrucken. Besonders erwähnenswert ist, dass Michael Krüger die Texte für diesen bibliophilen Schatz auswählt. Er verfasst das Nachwort und fertigt eigens für diesen Band Zeichnungen an.

Was für mich erotisch ist, ist der Umgang mit Sprache. Was ich in einer erotischen Beziehung so aufregend finde, ist der Widerstand. Genau das gleiche erlebe ich mit der Sprache.“

aus der Reihe: Dichtung und Wahrheit. Dagmar Leupold und Albert Ostermaier über Liebeslyrik im Zeitalter von Aids und RTL in der SZ vom 20./21.8.1994 S. 15.

Dagmar Leupold: „Edmond. Geschichte einer Sehnsucht“

Ein überragendes Echo erfährt Dagmar Leupolds 1992 veröffentlichtes, poetisch-assoziatives, selbstironisches Romandebüt „Edmond. Geschichte einer Sehnsucht“. Sie erhält dafür den Aspekte-Literaturpreis des ZDF. In diesem ungewöhnlichen Liebesroman vollzieht sich eine Doppelbewegung. Er handelt von der Beziehung zwischen einer deutschen Kunsthistorikerin und einem aus der Dominikanischen Republik stammenden Sportlehrer namens Edmond. Die Beziehung scheitert aber schließlich an der Unterschiedlichkeit des Paares. Die Protagonistin liegt im Wochenbett und befasst sich mit dem Romanprojekt über den besagten Sportlehrer, in den sie sich verliebt hat. Am Ende schlägt die Literatur ins Leben um und das Kind wird geboren.

Edmond ist das geistreich changierende Buch einer leidenschaftlichen Liebe. Dagmar Leupolds Stärke sind Sprachgefühl, Selbstbewußtsein und Selbstironie.“

Michael Bauer, 1992, Süddeutsche Zeitung.

Es folgen zahlreiche Romane, Lyrikbände und Essays, für die Dagmar Leupold mit Förder- und Literaturpreisen ausgezeichnet wird. Außerdem bekommt sie Lehraufträge in München, Bamberg, Mainz und Leipzig. Seit 2004 leitet sie das „Studio Literatur und Theater“ der Universität Tübingen. 2005/06 ist sie „poet in residence“ an der Universität Duisburg-Essen. 2013 kuratiert sie beim 4. Literaturfest München das „forum:autoren“. Als „literarische Reiseleiterin“ gestaltet sie hier zum Thema „Stadt Land Fluss. Geschichten von der Gegenwart“ ein abwechslungsreiches Programm mit besonderer internationaler Ausrichtung.

Dagmar Leupold: „Lavinia“ – ein autobiografischer Roman

2019 erscheint ihr viel diskutierter neuer autobiografischer Roman „Lavinia“, der Aufsehen und teils Befremden erregt. Eine Frau stürzt sich vom 25. Stockwerk eines Hochhauses in New York, und während ihres freien Falls überschlagen sich auch ihre Gedanken. „Wer ergründen will, muss herab. Der Wind ist mein Freier“ so lauten die ersten beiden Sätze in diesem Roman.

Dann folgen 24 Stockwerke Lebensgeschichte. Lavinia steigt erinnerungstechnisch tief hinab in die Schichten ihrer Biografie und fördert dabei überwiegend unangenehme Erinnerungen zutage. Man spürt viel Wut in diesem Werk, Wut über eine in Gleichgültigkeit erstarrte Gesellschaft. Dieser Roman kann auch als Beitrag zur „MeToo“-Debatte gelesen werden, denn am Ende listet Dagmar Leupold noch einmal all die übergriffigen Männer eines Frauenlebens auf: „Ihr Betatscher, ihr Zurauner, ihr Übergreifer. Ich suche euch heim.“ Und das Fazit der fallenden Lavinia ist tragisch eindeutig: „Haut und Papier werden nie wieder geduldig sein“.

Das gesamte gedruckte schriftstellerische Werk, sowie eine umfangreiche Autorenmappe mit Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln von und über Dagmar Leupold sind im Bestand der Monacensia Bibliothek vorhanden.


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Monacensia im Hildebrandhaus
Maria-Theresia-Str. 23
81675 München

Öffnungszeiten: Mo – Mi, Fr 9.30 – 17.30, Do 12.00 – 19.00 | Ausstellungen auch Sa, So 11.00 – 18.00 | Eintritt frei


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