Auf unerwarteten Wegen

Doris hoch 5: Neu eingetroffen im Dezember

Regelmäßig stellt euch unsere Belletristik-Referentin Doris eine Auswahl lesenswerter Neuerscheinungen vor: bemerkenswerte Romane, jenseits von Bestsellerlisten und Amazon-Fünf-Sterne-Bewertung, die das Lesen lohnen, weil sie neue Perspektiven eröffnen, unerhörte Geschichten erzählen, Ausnahmen auf dem Buchmarkt darstellen. Für mehr Bibliodiversität und Vielfalt im Regal!


aus dem kanadischen Französisch von Sonja Finck und Andreas Jandl, Hoffmann und Campe Verlag, 287 Seiten, auch als eAudio

Christian Guay-Poliquin: Das Gewicht von Schnee

Nach einem schweren Autounfall ist ein junger Mann gezwungen, auszuharren: in einem Dorf, das durch einen landesweiten Stromausfall und unaufhörlich fallenden Schnee immer mehr von der Außenwelt abgeschnitten wird, und bei einem älteren, hier ebenfalls nur gestrandeten Mann. Während das Dorf immer tiefer im Schnee versinkt, schwanken die beiden vom Zufall zusammengezwungenen Männer zwischen Mitleid und Misstrauen, Hilfsbereitschaft und Hass. „(…) ein schmerzhaft schönes Stück Literatur. Ein Roman, der zugleich poetisch und brutal ist. Guay-Poliquin malt mit wenigen Worten klare Bilder.“ (Roana Brogsitter, BR/B5 aktuell).


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aus dem Französischen von Stefanie Jacobs, Ullstein Verlag, 256 Seiten

Bérengère Cournut: Das Lied der Arktis

Der Mond leuchtet hell über der Arktis, als das Eis bricht und Uqsuralik von ihrer Familie trennt. Auf einen Schlag ist sie vollkommen allein in der ewigen Polarnacht. Ihr einziger Schutz ist ein Bärenfell, und sie weiß: Sie darf niemals stehen bleiben. Nach Tagen der Einsamkeit zwischen Fjorden und Eisbergen begegnet sie einer anderen Nomadenfamilie und schließt sich der Gemeinschaft an. Doch was zunächst als Rettung erscheint, birgt neue unvorhersehbare Gefahren. Bérengère Cournut, 1979 in Paris geboren, ist Lektorin, Übersetzerin und Schriftstellerin. „Eine kraftvolle Erzählung – poetisch und anthropologisch zugleich.“ (Annie Ernaux)


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aus dem Englischen von Irma Wehrli, Lenos Verlag, 340 Seiten

Leila Aboulela: Minarett

Nadschwa wächst in einer privilegierten und westlich orientierten Oberschichtfamilie in Khartum auf. Nach einem Putsch flieht die Studentin mit ihrer Mutter und ihrem Bruder ins politische Exil nach London. Sie verliert ihren Wohlstand und bald auch ihre Eltern. Sie arbeitet als Dienstmädchen und Putzfrau bei reichen Familien, erkämpft sich eine unabhängige Existenz. Und findet eine neue Heimat im Glauben. Leila Aboulela, geboren 1964 in Kairo, studierte Ökonomie, Statistik und Politikwissenschaft. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet und in rund fünfzehn Sprachen übersetzt. „Ein wunderbares Buch. Lesenswert, subtil und vieldeutig, mit einer schockierend klaren Stimme.“ (Ali Smith)


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aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig, Tropen Verlag, 569 Seiten

Hallgrímur Helgason: 60 Kilo Sonnenschein

Gestur, ein unehelicher Bauernsohn aus einer isländischen Siedlung am Fjord Segulfjörður wächst bei immer neuen Ziehvätern heran und wird schließlich selbst Vater. Eines Tages steuern große Fischfänger den Hafen an – mit den Waren kommen auch neue Werte, neue Moden und Gefühle ins kalte und tief verschneite Segulfjörður. Humorvoll, turbulent und mit unvergesslichen Figuren erzählt Hallgrímur Helgason vom Weg Islands in die Moderne. Der Autor, geboren 1959 in Reykjavík, ist einer der international erfolgreichsten Autoren Islands. „60 Kilo Sonnenschein“ wurde ausgezeichnet mit dem Isländischen Literaturpreis für den besten Roman des Jahres.


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aus dem Englischen von Henning Ahrens, Carl Hanser Verlag, 134 Seiten

David Szalay: Turbulenzen

Eine Frau, die ihren krebskranken Sohn in London besucht, ein Geschäftsmann aus dem Senegal, den in Dakar die Nachricht eines tragischen Unfalls erwartet, ein indische Golfer, der seinen senilen Vater bestiehlt, oder die Tochter einer ausgewanderten Deutschen, die einen syrischen Flüchtling heiraten will: Zwölf Menschen begegnen sich, während ihr Leben in Turbulenzen gerät. „In seinem Episodenroman bündelt David Szalay verschiedene Lebensgeschichten. Anspielungsreich und manchmal nur mit Andeutungen erzählt er von einem großen Thema: Ob und wie man das eigene Leben gestalten kann und wie man es erträgt.“ (Gabriele von Arnim, Deutschlandfunk Kultur)


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