How to: in Kontakt bleiben

Ihr vermisst Freund*innen, Kolleg*innen, das Unter-Leuten-Sein? Euch fällt ein bisschen die Decke auf den Kopf? Euch ist nach einer kleinen gemeinsamen Pause?

Wir von der Münchner Stadtbibliothek sind momentan über die ganze Stadt (und darüber hinaus) verteilt, die täglichen Routinen sind nicht mehr aufrechtzuerhalten, die Kontakte müssen sich größtenteils in den – recht unübersichtlichen – digitalen Raum verlagern. Ganz zu schweigen von all dem, was wir nach Feierabend und an den Wochenenden sonst so gerne mit Freund*innen und Familie so machen – Social Distancing stellt einiges auf den Kopf.

Damit Ihr dennoch Kontakt halten, gemeinsame Rituale erhalten und vielleicht sogar neu aufbauen könnt, findet Ihr im Folgenden ein paar Programme, die Euch dabei helfen können.

Noch ein paar Worte vornweg: Das Ganze ist nur eine Auswahl – und eine recht subjektive dazu. Wenn Ihr weitere Tipps und Ergänzungen habt, dann nutzt gerne die Kommentarfunktion. Jeder Hinweis ist willkommen und wertvoll!

Und auch noch wichtig zu wissen: Die meisten browserbasierten Programme funktionieren am besten mit einem nicht ganz so sicheren bzw. ‚datenabgreifenden‘ Browser wie zum Beispiel Chrome. Und all die schönen kostenlosen Angebote gibt es natürlich nicht wirklich umsonst: in der Regel sind sie dann werbefinanziert und wir bezahlen mit unseren Daten.

Dennoch habe ich mich entschlossen, euch vor allem kostenlose Anwendungen vorzustellen, denn das senkt die Hemmschwelle für die Kontaktaufnahme / -pflege doch deutlich. Also: auf geht‘s!

Für die kleine Pause zwischendurch

Mal schnell gemeinsam einen Kaffe trinken, sich in der Küche treffen, das Flurgespräch – fällt alles weg. Außer ihr habt laaange Flure, große Küchen und überhaupt viel Platz, um die zwei Meter Abstand halten zu können. Auch nach dem gemeinsamen Spaziergang am Sonntag noch ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee oder Tee im Lieblingscafé um die Ecke ist nicht mehr drin. Aber warum nicht mal eine Viertelstunde für einen gemeinsamen Kaffe im virtuellen Raum einplanen?

WhatsApp-Videochat.

WhatsApp haben sehr viele Menschen auf ihrem Smartphone oder Tablet, d.h. hier sollte sich immer jemand finden, mit dem man eine kleine Pause machen kann.

Die App kann im App Store oder bei Goolge Play heruntergeladen werden und ist kostenlos. Voraussetzung für die Nutzung ist natürlich eine Telefonnummer.

Der Videochat kann mit bis zu 4 Personen gleichzeitig geführt werden.

Und so geht´s …

Skype

Der Klassiker im Bereich der Videotelefonie und so bekannt, dass es sogar ein eigenes Verb für den Anruf gibt, ist Skype. Auf vielen Rechnern ist das Programm sogar standardmäßig vorinstalliert.

Skype besticht v.a. dadurch, dass es nahezu auf jedem Gerät genutzt werden kann: Egal ob das Betriebssystem Windows, Mac OS X oder Linux heißt – Skype läuft.

Darüber hinaus gibt es die Anwendung natürlich auch als App sowohl bei Googel wie auch bei Apple.

Skype-Gespräche zwischen zwei Teilnehmer*innen sind kostenlos. Auch Gruppengespräche bis zu 50 Leuten (!) können geführt werden, allerdings nur 7 Tage kostenlos. Danach wird es kostenpflichtig. Und Gespräche mit 50 Leuten? Oha – das ist schon im ‚echte‘ Leben eine große Herausforderung. Dann vielleicht lieber eine große Geburtstagsparty über Skype 🙂

Wer Familie, Freunde oder Bekannte im Ausland hat, kann nicht nur per Videotelefonie Kontakt halten sondern über Skype auch relativ kostengünstig ganz normal über das Internet telefonieren. Die Preise findet man auf der Website: www.skype.de

Für die Registrierung beim Skype benötigt man eine E-Mail-Adresse oder einen Telefonnummer.

Und so geht´s: Tutorials, Tipps und Tricks im Skype-Youtubekanal.

Google Hangout

Für alle Android-Nutzer*innen ist sicher auch noch Google Hangouts interessant. Der Vorteil hier: man muss gar nichts mehr runterladen, denn auf jedem mobilen Endgerät ist Hangouts schon als App vorinstalliert und wenn man einen Google-Account besitzt, dann kann die Anwendung z.B. direkt aus Gmail oder vom Browser Chrome aus aufgerufen werden.

Hangouts bietet wie jeder Messenger die Möglichkeit, Nachrichten zu schreiben, zu telefonieren oder einen Videochat zu starten – und zwar immer von Google-Account zu Google-Account. Der ist Voraussetzung, um den kostenlosen Dienst nutzen zu können. Telefonate ins Festnetz oder in ein Handynetz sind machbar, kosten dann aber was.

Und so geht´s:

Auch aus dem Hause Google: Google Duo

Google Duo gibt es als Desktop-Anwendung (auch unter Linux) und als App bei Google Play und im Apple Store.

Das Programm ist, wie es der Name schon vermuten lässt, für das Zweiergespräch gedacht. Und es ist besonders dann zu empfehlen, wenn die Netzverbindungen nicht besonders ideal, also sehr langsam sind. Die Nutzung ist mit einem Google-Account und der Telefonnummer möglich, die Nutzeroberfläche ist sehr schlank gehalten.

Und so geht´s:

Facetime

Für alle Mac-, iPhone- und iPad-Nutzer*innen heißt das Gegenstück zu Hangouts Facetime. Auch diese Anwendung ist auf den meiste Apple-Geräten vorinstalliert, kann aber z.B. für einen Mac auch ganz normal im App Store heruntergeladen werden.

Wenn ich die Kaffepause mit mehr als einem Menschen verbringen möchte, dann kann ich auch hier – wie bei Skype – eine Gruppe einladen. In diesem Fall bis zu 32 Menschen. Wenn alle diese Menschen Teil des Apple-Universums sind, kostet der Chat (außer vielleicht Datenvolumen …) nichts.

Und so geht´s:


Weiterarbeiten!

Videokonferenzen

Auch mit den Kolleg*innen möchte man ja in Kontakt bleiben bzw. muss das rein dienstlich natürlich auch. Der kleine Dienstweg, Teamgespräche, das gemeinsame Brainstorming – nicht unmöglich, aber digital für viele doch etwas schwieriger und / oder ungewohnt. Jenseits von Plattformen, die der jeweilige Arbeitgeber anbieten kann, gibt es natürlich auch massenweise kommerzielle Anwendungen. Und übrigens: Die kann man nicht nur dienstlich nutzen! Eine kleine Fotodiashow vom letzten Urlaub mit Freunden teilen? Zusammen ein Bild malen? Eine Runde Acitvity spielen? Könnte man alles mal auch auf den meisten der kommerziellen Plattformen probieren.

Zoom

Den Anfang macht Zoom. Das Videokonferenz-Programm, das in den vergangenen Wochen wohl den größten Zuwachs verzeichnen konnte, aber auch die meiste Kritik wegen seiner (sehr locker ausgelegten) Datenschutzpolitik einstecken musste. Trotzdem hat Zoom ein paar unbestreitbare Vorteile, die es auch den Anfänger*innen unter uns leicht macht, in die Welt der Videokonferenzen einzusteigen.

Zoom funktioniert sowohl auf dem Desktop wie auch als App.

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Die Basisversion ist kostenfrei, allerdings ist die Sitzungszeit nach dem ersten Gruppenmeeting auf 40 Minuten begrenzt. Manchmal hilft so ein Zeitlimit ja aber auch, sich zu fokussieren … Für das Vier-Augen-Gespräch ist das Zeitlimit in der Basisversion aufgehoben. Die Pro-Variante kostet monatlich 13,99 € – dann ohne zeitliche Begrenzung und noch ein paar Extra-Features (mehr Infos auf der Website von Zoom).

Für die Nutzung muss man sich mit einer E-Mail-Adresse anmelden und ein kleines Profil erstellen.

Die Installation ist einfach, die Oberfläche übersichtlich und im Großen und Ganzen intuitiv zu bedienen. Die Übertragung ist stabil und von guter Bild- und Tonqualität.

Und so geht´s:

Jitsi

Für alle, die sich schon etwas sicherer fühlen, keine bunten Icons brauchen, sowieso lieber mit Open-Source-Produkten arbeiten und mehr Kontrolle über ihre Daten möchten, empfiehlt sich eher eine Plattform wie Jitsi.

Eigentlich ist die Handhabung nicht besonders schwer, aber man wird etwas weniger durch die Nutzung geführt als z.B. bei Zoom.

Für mich persönlich ein kleiner Wermutstropfen: jitsi.org läuft tatsächlich am besten mit Chrome als Browser, ansonsten existiert das Programm auch als App.

Die Nutzung über den Browser ist denkbar einfach: Lediglich einen Raumnamen vergeben (und ggf. mit Passwort versehen, damit nicht plötzlich fremde Menschen in die Konferenz platzen) und dann die Kolleg*innen einladen. Bei vielen Teilnehmer*innen empfiehlt es sich, während des Meetings die ‚Hand heben‘-Funktion zu nutzen, die Übertragung ist – zumindest bei unseren Treffen – nicht immer ganz stabil, und wenn mehrere durcheinander reden, versteht man gar nichts mehr. Daher wie in der Schule: bitte melden!

Und so geht´s:

Whereby

Ähnlich wie Zoom (und viele andere Anbieter) funktioniert auch whereby aus Norwegen. Früher unter dem Namen appear.in

Whereby kann mit dem Desktop (whereby.com) oder per App genutzt werden. Die Anmeldung erfolgt durch Angabe der e-Mail-Adresse und Eintrag des Namens.

Die Basisversion ist für bis zu vier Personen kostenlos, anders als bei Zoom gibt es für diese Kleingruppe keine Zeitbegrenzung. Ein Haken: Das Ganze gibt es nur mit einer englischen Oberfläche. Zumindest habe ich es nicht mit einer deutschen Navigation gefunden.

Und so geht´s:

Feierabend!

Das Tagwerk ist vollbracht, die eine oder andere kleine Pause miteinander vollbracht und jetzt… ach nee, nicht schon wieder Filmstreaming und das Buch macht gerade auch nicht so recht Laune. Das Sofa ist schon total durchgesessen und Sport – pfff …

Wie wäre es dann mit ein wenig Zerstreuung mit und unter Freunden? Und außerdem schadet bei dem ganzen Social Distancing auch ein wenig ‚social closeness‘ nicht – wenn auch nur digital.

Instagram

Die Social Media-Plattform, die beides – Zerstreuung und eine gewisse Nähe – ganz gut kombiniert, ist Instagram: schöne, inspirierende Fotos (eben nicht nur Selfies, sondern wunderbar viel Fotokunst, Landschaftsaufnahmen, kleine Videos von der Lieblingsband oder der Lieblingsbibiothek usw.), die einen garantiert zerstreuen, und wenn man selbst Bilder postet und sie klug verschlagwortet (die sogenannten Hashtags mit dem #), dann regnet es lauter kleine Herzchens, die einfach nur ein gutes Gefühl hinterlassen. Virtuelle Umarmungen sozusagen. Davon mal abgesehen, kann man sich mit der ganzen Welt aber vor allem natürlich mit seinem Freundes- und Bekanntenkreis nochmal ganz neu vernetzen.

Instagram läuft als App vor allem auf mobilen Geräten. Auf dem Desktop kann man es zwar aufrufen, aber die Funktionalität ist arg eingeschränkt und eher frustrierend. Für die Nutzung muss man sich registrieren und sollte auch gleich ein Profil anlegen. Andere abonnieren geht leicht und füllt die eigene Timeline mit viel Zerstreuungscontent, selber posten muss man nicht, aber dann gehen einem halt die Herzchen flöten ♥

Und so geht´s:

https://youtu.be/T8cU4x5-grQ

Tipp 3 muss nicht sein, aber Tipp 4 (#hashtags) unbedingt befolgen! Müssen meines Erachtens aber auch nicht gleich 25 sein …

Brewdogs digitale Bars

Und last but not least: Deine Lieblingsbar online! Zugegeben: Du solltest eine Lieblingsbar in Berlin oder Hamburg haben, und sie sollte von der Brauerei BrewDog betrieben werden. Ok, sagen wir: entdecke deine neue Lieblingsbar!

Auf Facebook www.facebook.com/brewdogofficial hat die Brauerei letzte Woche 102 virtuelle Bars eröffnet. Einfach registrieren – am besten natürlich mit Freunden – und dann in Gemeinschaft ein Bierchen oder auch ein anderes Getränk zu sich nehmen. Der jeweilige Pub ist dem echten Pub nachempfunden. Und wie es sich für einen Pub gehört, gibt es Biertastings, Livemusik, Comedy und natürlich das obligatorische Pubquiz! Also, ich würde dann mal sagen: Auf geht‘s nach Hamburg oder Berlin oder wo auch sonst noch immer neue Lieblingsbars zu entdecken sind.

Und außerdem

Natürlich gibt es noch viel, viel mehr Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben oder neue Kontakte aufzubauen, Neues zu entdecken und massenweise Zerstreuungsmöglichkeiten (allein ein Blick in die Zeitung oder z.B. hier hin www.muenchen.de/veranstaltungen/events/virtuelle-veranstaltungen.html reicht schon für ein abendfüllendes Programm).

Aber diese kleine Auswahl hilft vielleicht schon einmal, überhaupt den Schritt in den virtuellen Raum zu wagen und sich mit allen, die einem nah sind, immer wieder zu ‚treffen‘ und wenn es gut läuft, auch ganz neue Verbindungen entstehen zu lassen. Das Netz hilft, dass Social Distancing nicht zu Einsamkeit führen muss. Nutzt die Gelegenheit und skyped mal mit den Eltern, ruft die beste Freundin per WhatsApp Videochat an oder verabrede dich mit einem Freund im Pub.

In diesem Sinne: Bleibt in Kontakt!

2 Kommentare zu “How to: in Kontakt bleiben

  1. Anna Meier-Ehlers on 03/04/2020 at 7:07 am sagt:

    Wow, liebe Andrea!
    Hut ab. Vielen Dank für die gut kommentierte Übersicht.
    Da sollte doch etwas dabei sein, was zu einem selbst und zum Anlass – sei es dienstlich oder privat – passt!

    Herzliche Grüße – auch in die große MSB-Runde
    sendet
    Anna Meier-Ehlers

  2. Margit Chodora on 04/04/2020 at 8:58 am sagt:

    Liebe Andrea
    Deine Sammlung von digitalen Möglichkeiten
    Ist sehr hilfreich. Danke!
    Für mich sehr wertvoll ist die kurze Bewertung

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