„Wo sind denn hier die Bücher?“ Oder: Was soll eigentlich Pop-up?

Ein Monat Sommerbibliothek in der Messestadt

von Brigitte, Gründungsbibliothekarin Riem

Still steht er da, der Kopfbau. Eines der wenigen übriggebliebenen Gebäude des ehemaligen Flughafens Riem. Seit seiner Errichtung in den 1930er Jahren hat er verschiedene Nutzungserfahrungen gemacht, schöne und weniger schöne.

„Seit 2014 dümpelt der Kopfbau leer und ungenutzt vor sich hin. Dabei erlaubt er eine tiefere Auseinandersetzung mit der Geschichte des ehemaligen Flughafens und ist ein geeigneter Ort für den öffentlichen Diskurs“, so Michael Lapper von der Initiative „KopfbauT“. Sie setzt sich für eine dauerhafte Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes durch die Bewohnerschaft ein. Ende Juni wurde das Gebäude für eine temporäre Sommernutzung freigegeben.

Mit der Stille ist es nun also vorbei. Vorläufig von August bis Oktober wird der Kopfbau mit Ausstellungen, Installationen und Veranstaltungen belebt.

Mittwoch, 15 Uhr. Die Türen zur Pop-up Sommerbibliothek sind geöffnet. Die ersten Menschen wagen sich heran, tastend, vorsichtig nähern sie sich dem Gebäude, gucken durchs Fenster und stecken ihre Köpfe rein.

Darf ich reinkommen? Ist hier die Bibliothek? Aber wo sind denn hier die Bücher?

Selbstverständlich dürft ihr reinkommen! Die Sommerbibliothek im Kopfbau ist ein Pop-up. Kein nerviges Werbebanner auf einer Website, das ungefragt plötzlich auftaucht und uns ein supergünstiges Angebot verkaufen will. Sondern eine Möglichkeit, die Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, das man so vielleicht noch nicht kennt. Eine Bibliothek ohne Bücher? Selbstverständlich nicht. Bücher und andere Medien werden immer eine Rolle spielen.
Gleichzeitig verändert sich der Fokus. Neue, moderne, öffentliche Bibliotheken verstehen sich rund um die Welt nicht mehr nur als Wissensspeicher und Ausleihorte. Sie sind Orte der Begegnung, des Austauschs und vor allem des Teilens – von Wissen und Informationen, aber auch von Erfahrungen und Erlebnissen und dem individuellen Können. Jede*r kann „bibliotheken“. Auch hier.

Dieses Pop-up ist auch für uns ein Experiment. In der Messestadt entsteht gerade eine neue Stadtbibliothek. Sie ist aktuell im Bau und soll 2021 eröffnet werden. Die Sommerbibliothek im Kopfbau bietet uns die einmalige Möglichkeit, schon jetzt mit den Bewohner*innen des Quartiers ins Gespräch zu kommen. Zu erfahren, wie die neue Bibliothek werden wird, wie wir sie uns vorstellen, aber auch was sich die zukünftigen Nutzer*innen wünschen.

Viele Bücher, vor allem Reisegeschichten und Kochbücher.

Aber auch Spiele werden gewünscht, offenes WLAN, ein Platz zum Lernen, an dem man nicht von nervigen kleinen Geschwistern gestört wird. Eine Caféecke. Ein Raum, in dem man mit der Gruppe eine Präsentation üben kann.

Lesen Sie dann auch vor? Auch in anderen Sprachen? Kann ich den Lesegarten abends nutzen? Gibt es Kinovorstellungen?

Wir geben Antworten, soweit möglich, und sammeln alles an unserem Bauzaun. So bekommen wir auch ein Gefühl dafür, was die Messestädter*innen interessiert, was sie bewegt und was sie brauchen. Wir hoffen, möglichst viel davon in die neue Stadtbibliothek Riem mitnehmen zu können, um sie zu einem Ort zu machen, den man gerne besucht. Um zu lesen, zu lernen, zu spielen, zu inspirieren und sich inspirieren zu lassen. Etwas Neues zu schaffen, Erfahrung und Wissen zu teilen oder sich zu unterhalten. Und zu einem Ort, an dem man auch und natürlich Medien ausleihen kann.

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Bis dahin taucht doch mal plötzlich bei uns auf und bibliothekt mit!

Die Pop-up Sommerbibliothek ist jeden Mittwoch von 15-18 Uhr geöffnet, das letzte mal am 28.10.20. Wir bieten eine kleine Auswahl Bücher zum Stöbern, die nicht ausleihbar ist. Zusätzlich machen wir Programm nach Situation und aktuellen Möglichkeiten, am 2.9. zum Beispiel mit einer Lesung und am 16.9. mit einem Bilderbuch-Autokino. Weitere Informationen im Veranstaltungskalender auf der Webseite der Münchner Stadtbibliothek.

Kommentar zu “„Wo sind denn hier die Bücher?“ Oder: Was soll eigentlich Pop-up?

  1. Regina Schwarz on 08/09/2020 at 8:10 pm sagt:

    Tolle Idee! Ich komme gerne vorbei 🙂

    Wenn Ihr Lust habt das eine englische Muttersprachlerin ehrenamtlich Kinderbücher vorliest sage mir bitte Bescheid. Ich würde mich freuen!

    Regina Schwarz

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