Wo hat man’s schon leicht?

Doris hoch 5: Lieblingsbücher im Juli

Regelmäßig stellt euch unsere Belletristik-Referentin Doris eine Auswahl ihrer Lieblingsbücher vor: bemerkenswerte Romane, jenseits von Bestsellerlisten und Amazon-Fünf-Sterne-Bewertung, die das Lesen lohnen, weil sie neue Perspektiven eröffnen, unerhörte Geschichten erzählen, Ausnahmen auf dem Buchmarkt darstellen. Für mehr Bibliodiversität und Vielfalt im Regal!


Ullstein, 96 S., aus dem Chinesischen von Susanne Hornfeck und Wang Jue

Eileen Chang: Die Klassenkameradinnen

Zhao Jue lebt in New York und arbeitet als Dolmetscherin für die UN. In einer Zeitschrift entdeckt sie das Foto einer ehemaligen Mitschülerin. Nun erinnert sich Zhao Jue an die Schulzeit im Schanghai der Dreißigerjahre. Eileen Chang (1920 – 1995) wurde in Shanghai geboren. Durch ihre Erzählungen und Übersetzungen wurde sie in den 40er Jahren zu einem Star der Literaturszene; 1955 emigrierte sie in die USA. Ende der Siebzigerjahre schrieb sie „Die Klassenkameradinnen“, verbot jedoch eine Veröffentlichung zu Lebzeiten, da der Text eigene Erlebnisse verarbeitet. „Ihre Erzählungen präsentieren ein Stück literarischen Existenzialismus.“ (Tilman Spengler)


Frankfurter Verlagsanstalt, 176 S., aus dem Georgischen von Sybilla Heinze

Anna Kordsaia-Samadaschwili: Sinka Mensch

Verschrobene, warmherzige, eigentümliche und vom Leben gezeichnete Charaktere – es ist ihre bittersüße Geschichte, die Anna Kordsaia-Samadaschwili in ihrem neuen Roman erzählt. Sie alle nehmen ihr zumeist sehr hartes Schicksal an, und viele von ihnen werden an ihm scheitern, aber nicht, ohne ihm zuvor ihren Anteil am Glück abzutrotzen. Die Autorin, geboren 1968, lebt und arbeitet in Tbilissi und erhielt zahlreiche georgische Literaturpreise. „Anna Kordsaia schüttelt Anekdoten aus den Ärmeln ihrer weit geschnittenen Kleidung wie nichts. Tbilissi ist der Stoff, aus dem ihre Bücher gemacht sind. Dabei schreibt sie nicht nostalgisch, sondern schnell und pointiert, nah dran an den Menschen. Das flirrende Milieu ihrer Texte ist die Bohème, deren Liebling Tbilissi seit über hundert Jahren ist.“ (Judith Leister, NZZ)


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Unionsverlag, 160 S.

Mazen Maarouf: Ein Witz für ein Leben

Geschichten von fantastischen Matadoren, von reumütigen Voyeuren, von verlorenen Leben, von allmächtigen Milizen an jeder Ecke – und von der Notwendigkeit, trotz allem zu lachen. Überraschend und kühn, voller Humor und Fantasie erzählt Mazen Maarouf vom Überleben in einer Welt, die täglich zerstört wird. Der Autor wurde 1978 in Beirut geboren und lebt in Reykjavík und Beirut. „Ein Buch voller skurriler Ideen, voller fantastischer Seltsamkeiten. Maaroufs Erzählungen sind eine düster komische Antwort auf eine Welt, in der die Gewalt allgegenwärtig ist. Seine Geschichten (…) sind sonderbar und besonders, bewegend und heiter zugleich. (Alex Preston, The Guardian)


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Verbrecher Verlag, 124 S.

Alexandra Riedel: Sonne, Mond, Zinn

Es geht um die Liebe der Eltern und die Liebe, die Kinder ihren Eltern entgegenbringen. Und um den großen Schmerz, wenn sie fehlt. Die Geschichte um Esther Zinn bewegt sich zwischen Wirklichkeiten und Möglichkeiten, Erinnerungen und Sehnsüchten und führt die Leser*innen in weite Ferne bis an den äußersten Rand unseres Sonnensystems. Alexandra Riedel, geboren 1980, wurde für ihren Debütroman „Sonne Mond Zinn“ mit dem „Bayern2-Wortspiele-Preis 2020“ ausgezeichnet. „Ein stilsicherer, nachdenklicher, auch komischer Text, der elegant Fragmente aus Vergangenheit und Gegenwart verwebt und in einer vertrackten Perspektive erzählt, im Du an die Mutter.“ (Jurybegründung zum Bayern2-Wortspiele-Preis)


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DuMont, 432 S., aus dem Englischen von Monika Köpfer

Richard Russo: Jenseits der Erwartungen

Richard Russo erzählt von drei Menschen, die sich fremd geworden sind, und vom Umgang mit der Unsicherheit, ob die eigenen Lebensentscheidungen die richtigen waren. Wie nebenbei ergibt sich daraus das Porträt eines Landes, das sich selbst nicht mehr ganz versteht. Der Autor, geboren 1949 in Johnstown, New York, studierte Philosophie und Creative Writing und lehrte an verschiedenen amerikanischen Universitäten. „Richard Russos Roman ‚Jenseits der Erwartungen‘ erzählt eine so spannende wie symptomatische Geschichte aus den USA.“ (Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau)


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