#WirZiehenUm: Eine neue Nachbarin in Sendling

Durch die Sanierung des Gasteig teilt sich die Stadtbibliothek Am Gasteig künftig auf mehrere Orte auf. Eine große Veränderung erwartet all unsere Kolleg*innen. In dieser Serie geben wir Einblicke, wo es die einzelnen Akteur*innen hinzieht und was der Umzug für sie bedeutet.

Die Stadtbibliothek Sendling ist ein wahres Urgestein im Stadtviertel. Bereits seit 1929 und als damals dritte große Volksbibliothek in München bietet sie Münchner*innen einen Aufenthaltsort zum Lesen, Lernen und Mitmachen. Seit 1981 sind Bibliothek und Münchner Volkshochschule gemeinsam im „grünen Haus am Harras“ untergebracht. Dieses Jahr wird also Jubiläum gefeiert. Mit etwa 65.000 Medien besitzt die Bibliothek nach der Stadtbibliothek Am Gasteig den größten Bestand. Kein Wunder also, dass zu normalen Zeiten täglich bis zu 1.000 Besucher*innen diesen Ort besuchen.

Bald wird sich eine zweite Bibliothek im Viertel niederlassen: Ab dem 8. Oktober zieht ein Teil der Stadtbibliothek Am Gasteig ins HP8, in die Hans-Preißinger-Straße. Nur zwei Kilometer wird die beiden Bibliotheken trennen. Was bedeutet der Umzug der größten Münchner Stadtbibliothek für die Stadtbibliothek Sendling? Welche Chancen ergeben sich mit der neuen Nachbarin? Wir haben bei Barbara Kreder, Leiterin der Stadtbibliothek Sendling, und ihrer Stellvertretung Katja Hahn nachgefragt.

Schon über 100 Jahre alt: Die Stadtbibliothek Sendling befindet sich direkt an der U-Bahnhaltestelle Harras.

Eine Bereicherung für den Stadtteil
Jetzt, wo die Zentrale, die Stadtbibliothek Am Gasteig, mitten in den Umzugsvorbereitungen ist, fragen sich auch die Kund*innen der Sendlinger Bibliothek, ob sich etwas ändern wird, wenn eine zweite Bibliothek nach Sendling kommt. Für Barbara Kreder ist klar: „Aktuell verändert sich für Nutzer*innen der Stadtbibliothek Sendling durch den Umzug wenig – außer, dass sie in unmittelbarer Nähe eine weitere Bibliothek haben werden. Wir freuen uns daher sehr, bald die Stadtbibliothek im HP8 als neue Nachbarin begrüßen zu dürfen.“

Eine zweite Bibliothek im Viertel ist in keinster Weise Konkurrentin – im Gegenteil: „Für uns wird die Stadtbibliothek im HP8 eine tolle Ergänzung sein“, freut sich Katja Hahn, „Wenn Besucher*innen auf der Suche nach einem bestimmten Medium sind und bei uns nicht fündig werden, können die Kolleg*innen im HP8 bald auch weiterhelfen. Vor allem bei den Schwerpunkten Musik und lebenslanges Lernen können wir von der Nähe zum HP8 profitieren.“ Denn wer in diesem Bereich spezielles Material benötigt, muss sich nur in den Bus setzen, zehn Minuten mit dem Fahrrad fahren oder einen zwanzigminütigen Spaziergang in die Hans-Preißinger-Straße machen. Darüber hinaus können sich Besucher*innen auf mehr Arbeitsplätze freuen: Ist es mal im HP8 zu voll, können sie sich auch an den Plätzen am Harras aufhalten. Der Umzug ins HP8 bedeutet also: Mehr Medien, mehr Räume, mehr Kultur.

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Nur acht Minuten mit dem Fahrrad entfernt: Die beiden Stadtbibliotheken im Stadtteil Sendling

Sendlinger Teamarbeit
Auch auf gemeinsame Veranstaltungen sind die Kolleg*innen am Harras gespannt. Es stehen bereits viele Überlegungen im Raum, wie die beiden Bibliotheken zukünftig zusammenarbeiten können. „Hier können wir uns gut vorstellen, auch gemeinsam Veranstaltungen zu organisieren, die mit dem Stadtviertel Sendling zu tun haben“, meint Barbara Kreder. Ein erstes Projekt startet bereits im Rahmen der Jubiläumswoche zu 40 Jahre Stadtbibliothek Sendling: Mit der Schreibwerkstatt „Quartier, Stadt, Fluss – Sendling“ am 17. September gilt es, das ehemalige Arbeiterviertel rund um den Gasteig HP8 an der Isar mittels literarischer Stilmittel zu erkunden. „So haben die Sendlinger*innen die Möglichkeit, das Gelände im HP8 schon vor Eröffnung kennenzulernen“, freut sich Katja Hahn. Die Jubiläumswoche findet vom 13. bis 18. September in der Stadtbibliothek Sendling statt.

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Ab Herbst 2021: Die Stadtbibliothek im HP8 findet sich in der Halle E, der ehemaligen Trafohalle aus rotem Backstein (Gebäude rechts oben im Bild) © gmp Architekten

Russisch lesen und lernen
Eine Sache hat sich aber sich doch verändert in der Stadtbibliothek Sendling: Denn durch den großen Umzug der Stadtbibliothek Am Gasteig haben einige Medien eine neue Heimat gefunden. In Sendling gibt es deshalb seit einigen Wochen schon bis zu 1.000 Medien in russischer Sprache auszuleihen: Von Kinderbüchern bis zu Sachbüchern, aber auch Romane für Erwachsene. Dieser neue Schwerpunkt hat natürlich auch Auswirkungen auf die Programmarbeit in der Bibliothek: „Uns ist in den letzten Wochen aufgefallen, dass wir mit dem neuen Bestand neue Kund*innen erreichen, die extra für russissche Bücher vorbeikommen. Aus diesem Grund möchten wir neue Kooperationspartner finden, wie zum Beispiel das MIR Zentrum russischer Kultur oder die russischen Samstagsschulen, um mit ihnen gemeinsame Aktionen für das Publikum zu gestalten“, erklärt Barbara Kreder.

Buntes, grünes Sendling
Da bleibt eigentlich nur noch die Frage: Wer sind die Sendlinger*innen? Können die Kolleg*innen vom Harras schon Hinweise geben, auf welches Publikum sich das HP8 freuen darf? „Dazu muss man wissen: Der Stadtteil Sendling ist sehr vielfältig“, erklärt Katja Hahn, „Ob Erwachsene, Schüler*innen, Studierende, Kinder oder Senior*innen: Durch die vielen Neubaugebiete, aber auch den alten Dorfkern leben nahezu alle Personen- und Altersgruppen hier.“ Und das macht das Viertel so interessant, bemerkt Barbara Kreder: „Mit den Sendlinger*innen können wir in der Stadtbibliothek Sendling – aber natürlich auch zukünftig in der Stadtbibliothek im HP8 – einen Ort für alle bilden: Als Treffpunkt zum Arbeiten, um Kultur zu erleben oder mitzugestalten.“ Besonders das Thema Nachhaltigkeit ist in Sendling in den letzten Monaten in den Fokus gerückt. Vor allem in der Programmarbeit und in der Medienauswahl wird dieser Bereich in der Stadtbibliothek Sendling sichtbar – und bietet sicherlich auch Potenzial für Kooperationen mit der Stadtbibliothek im HP8.

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