Sechs Wege durch den Informationsdschungel

Eine Zeitung ist eine schöne Sache: Sie ist in übersichtliche Rubriken geordnet, die Nachrichten sind vorab sortiert, und vor allem hat eine Zeitung ein Anfang und ein Ende. Im Internet ist das anders: Auf Facebook, Twitter und Onlineportalen werden Nachrichten im Sekundentakt veröffentlicht, und jede hält sich für brisanter als die andere. Und niemals kommt ein Ende in Sicht, denn von jedem Text führen Links nach hier- und dorthin …

Ich finde ja: Diese Offenheit ist das Großartige daran! Niemals zuvor konnte man sich vielfältiger und internationaler informieren als heute. Deswegen möchte ich euch heute ein paar Plattformen, Apps und Blogs vorstellen, die gute Wegweiser im Informationsdschungel darstellen – oder wenigstens dafür sorgen, dass das Navigieren Spaß macht.


Kuratieren

Wissen Journalistinnen und Journalisten wirklich, welche Informationen für mich die wichtigsten sind? Ich ergänze meine tägliche Zeitung jedenfalls immer mit Artikeln aus dem Netz – und das sind meine drei liebsten Quellen dafür:

Piqd

Die deutsche Plattform piqd hat den Slogan „handverlesenswert“, und das trifft sehr genau, was dort passiert: Hier sind zahlreiche interessante Artikel aus dem Netz versammelt, die allerdings nicht von Algorithmen, sondern von echten Menschen – darunter Schriftsteller_innen, Autor_innen, Politiker_innen – empfohlen und in Themenkanälen geordnet werden. Das ist natürlich doppelt spannend, nicht nur wegen der Artikel, die dort zu entdecken sind, sondern auch durch die persönliche Kommentierung der „piqer“. Die Plattform ist in weiten Teilen kostenlos, aktuell werbefrei und finanziert sich durch Mitgliedschaften.

Medium

Medium hat seinen Ursprung in den USA und versammelt vorwiegend englischsprachige Artikel. Es handelt sich allerdings nicht um Links zu anderen Medien, sondern um Originalbeiträge, und was es da – vor allem in den Bereichen Tech, urbane Kultur, Spezialthemen – zu entdecken gibt, freut mich wirklich jeden Tag wieder. Medium ist selbstverständlich auch auf Abonnements angewiesen, aber eine gewisse Anzahl an Artikeln ist kostenfrei.

Feedly

Mein wichtigstes Informationsmedium ist zweifellos Feedly (hatte ich schon mal gesagt, ich weiß). Die Plattform ermöglicht mir, Blogs, Zeitungen und Portale zu abonnieren. So bekomme ich einen hervorragenden Überblick über alle Neuigkeiten zu den Themen, die mich interessieren. Feedly macht natürlich erst einmal Arbeit: Man muss sich selbst zusammensuchen, welche Netzangebote man lesen möchte. Aber dank der Themensuche geht das ganz gut und schnell. Feedly ist in der Basisversion kostenlos.


International

Bei Feedly habe ich bereits eine Reihe internationaler Zeitungen abonniert – aber manchmal will man ja auch einfach ein wenig herumstreunen, mal hier, mal da klicken, sich treiben lassen, einen oberflächlichen Überblick über das Weltgeschehen gewinnen. Dafür eignen sich die beiden folgenden Apps hervorragend.

Radio Garden

Radio Garden

Die App Radio Garden (auch in der Desktopversion nutzbar) zeige ich immer gerne her, wenn es darum geht, wie das Internet uns bereichert und inspiriert. Wer die App öffnet, sieht einen Globus – an vielen Stellen leuchtet es, mal vereinzelt, mal verdichtet. Man kann hineinzoomen in diese unsere Welt: Jedes Licht markiert eine Radiostation auf dieser Welt, und wer es anklickt, hört sofort mit. Ich finde diese akustische Gegenwart von weit entfernten Orten faszinierend – und als Hommage an das großartige Medium Radio einfach wunderschön.

Pressreader

Die Zeitungsvariante davon stellt Pressreader dar – zwar ohne die schicke Weltkugel-Navigation, aber kaum weniger reichhaltig. Der Pressreader versammelt über 7.000 internationale Zeitungen und Zeitschriften in 60 Sprachen aus knapp 100 Ländern – und auch da komme ich aus dem Staunen über diese Vielfalt gar nicht mehr `raus: Journal de Angola, Bangkok Post, Manila Times … Mit einem Konto bei der Münchner Stadtbibliothek ist die Nutzung des Pressreaders kostenlos.


Medienkritik

Übermedien

Es sind komplexe Zeiten für die Presse, und nicht zuletzt deshalb gehört die Medienkritik – also: die Kritik an Kolleginnen und Kollegen – nicht gerade zum beliebtesten Ressort. Zum Glück gibt es auch weiterhin Überzeugungstäter_innen, und die Journalistinnen und Journalisten von Übermedien sind deutschlandweit womöglich die wichtigsten von ihnen. Zu den ‚Lieblingsthemen‘ von Übermedien gehören die Boulevardpresse, die Medienpolitik, die blinden Flecke der großen Medienhäuser und aller anderen.

 

Und nun würde ich natürlich gerne von euch wissen: Mithilfe welcher Plattformen, Apps und Blogs informiert ihr euch?

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Katrin

Als Kind wollte ich Bibliothekarin oder Journalistin werden - nach dem Literatur-Studium entschied ich mich zunächst für Letzteres. Um dann doch wieder in einer Bibliothek zu landen: Seit 2015 bin ich in der Münchner Stadtbibliothek verantwortlich für die digitale Kommunikation (und damit auch für dieses Blog hier). Mein großes literarisches Interesse gilt (zumindest aktuell) der postkolonialen Literatur, vor allem vom afrikanischen Kontinent.

Kommentar zu “Sechs Wege durch den Informationsdschungel

  1. Klasse Zusamenstellung. Danke dafür!

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