Lesezeichen: „Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg

Ellen Sandberg? Dieser unter einem Pseudonym geschriebene Roman hat es in sich; vereint er doch Spannung, packendes Erzähltalent und historische Aufklärung über ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte auf gut 500 Seiten. Ein fulminantes Lesevergnügen steht allen Interessierten bevor, wenn sie sich auf „Die Vergessenen“ einlassen.

Angesiedelt ist die Story auf zwei Zeitebenen: 2013 in München und 1944 in der Pflege-und Heilanstalt Winkelberg, in der Nähe von Anzing, die es tatsächlich gegeben hat als Heilanstalt Eglfing-Haar. Manolis Lefteris, Sohn einer deutschen Mutter und eines griechischen Vaters, leitet ein florierendes Autohaus in München, doch daneben übernimmt er auch „Spezialaufträge“. Sein aktueller Job scheint ein harmloser Routinefall zu sein: Akten für einen unbekannten Auftraggeber ausfindig machen, die eine hochbetagte Frau besitzt. Anfangs ahnt er nicht im mindesten, dass dieser Auftrag ein Verbrechen aufdecken wird, das seinen Ursprung in der Naziherrschaft hat. Und auch Vera, die Nichte der alten Dame, hat ein nicht nur berufliches Interesse an der eigenen Familiengeschichte. War ihre fürsorgliche Tante Kathrin wirklich in Gräueltaten verwickelt?

Von 1944 bis 2013

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In der Anstalt Winkelberg beginnt 1944 für die damals junge Kathrin Mändler ihr Dienst als angehende Krankenschwester. Sie trifft dort auf den Arzt Karl Landmann, dessen Vorbild im realen Leben Gustav Eidam ist, der Leiter des Kinderhauses der „Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar“. Kathrin wird die Geliebte Landmanns, ohne zunächst zu bemerken, was in dessen Verantwortung mit geistig behinderten Kindern und psychisch kranken Erwachsenen im letzten Kriegsjahr geschieht. Unter Einsatz ihres Lebens dokumentiert sie die Verbrechen an den wehrlosen Patienten, die durch falsche Medikation und Unterernährung sterben. Warum nur zögert sie nach dem Krieg mit der Veröffentlichung dieser Dokumente? Eine Frage, die Vera keine Ruhe lässt und sie von der Frauenseite-Redaktion zum politischen Journalismus bringt.

Große und wichtige Fragen

Die Frage nach dem „Warum“ können Sie am 25.10.2018 um 19.30 Uhr der Autorin stellen. Und nun soll auch dass Geheimnis gelüftet werden: Bei Ellen Sandberg handelt es sich um die berühmte Krimiautorin Inge Löhnig, die in der Stadtbibliothek Fürstenried ihren neuen Roman präsentieren wird. Sicher wird es ausreichend Diskussionsbedarf geben; werden in „Die Vergessenen“ doch wichtige Fragen nach Gerechtigkeit, Schuld und (Selbst-)Justiz gestellt. Schließlich leidet auch Manolis noch durch die Erinnerungen seines Vaters an das Massaker deutscher SS-Soldaten im Dorf Daflimissa (real heißt das Dorf Distomo) an der grausamen Vergangenheit.

Interessant, dass gerade eben der Roman von Oliver Guez „Das Verschwinden des Josef Mengele“ erschienen ist, der ebenfalls in der Stadtbibliothek Fürstenried auszuleihen ist. In diesem Buch wird der beüchtigte Euthanasie-Arzt allerdings kein so angenehmes Leben führen können wie Dr. Landmann im Roman „Die Vergessenen“. Am besten, Sie vergleichen selbst beide Romane miteinander.

Karten für die Lesung gibt es ab dem 3. September 2018 für 8 Euro in der Stadtbibliothek Fürstenried, Forstenrieder Allee 61, Telefon 089/75969890.

Ellen Sandberg: Die Vergessenen. Penguin Verlag, 512 Seiten


Featured Image: Maxim Lugina auf Unsplash

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Ute

Lieblingsbücher: amerikanische Gegenwartsliteratur / Freizeit: Laufen, Yoga Schwimmen und natürlich Lesen. Gelegentlich geht's auch mal ins Theater oder Kino / Lieblingsland: Spanien und seine Sprache sowie Kultur / Lieblingstiere: Pferde. Ich würde gerne wieder regelmäßig reiten / Berufswunsch: (früher) Lehrerin oder Bibliothekarin. Nach meinen Erfahrungen bin ich heute sehr froh, als Bibliothekarin arbeiten zu dürfen. Da ich auch die PraktikanInnen und Auszubildenden mitbetreue, kann ich mich trotzdem noch pädagogisch austoben.

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