Südamerika!

Reading Challenge im Mai

Allende, Borges, Bolano, Cortázar und Fuentes, Marquez, Neruda, Onetti, Paz und Vasquez: Wenn man an das literarische Mittel- und Südamerika denkt, fallen einem viele, vor allem männliche Namen von gestern ein (was nicht heißen soll, dass deren Literatur von gestern ist, das ganz sicher nicht!). Aktuell schaffen es politische Entwicklungen in Südamerika fast täglich in die deutsche Presse, literarische dagegen kaum. Was auch daran liegt, dass viele Bücher gar nicht erst nach Europa gelangen. Wer einmal ein bisschen zur südamerikanischen Gegenwartsliteratur recherchiert, merkt schnell: Es gibt sie. Aber leider viel zu selten auf Deutsch. Aber das soll uns nicht von der Mai-Aufgabe unserer Reading Challenge 2019 abhalten! Ich möchte euch zwei Autorinnen an Herz und Hirn legen:

Da die südamerikanische Literatur ganz offensichtlich von Männern geprägt wurde, werde ich zwei Schriftstellerinnen vorstellen, nämlich Samanta Schweblin und Clarice Lispector.

„Ich glaube, dass ich beim Schreiben immer daran arbeite, die Dunkelheit zu erkunden“, sagte Samanta Schweblin in einem Interview im Literarischen Colloquium Berlin (siehe unten). Schweblin wurde 1978 in Buenos Aires geboren und lebt seit ein paar Jahren in Berlin. Mich haben die Geschichten ihres Bandes „Sieben leere Häuser“ in jedem Sinne mitgenommen: Schweblin erzählt von Geschädigten, von Neurotikerinnen und Demenzkranken, von Menschen, die nicht anders können, als sie tun, weil sie eine Last mit sich herumtragen, die älter ist als sie selbst und also nicht einfach abgelegt werden kann. 

https://youtu.be/wYUNqCiYSLM

 

Gut zu Samanta Schweblins Erzählungen passt die Reportage „Silvina rennt“ von Josefina Licitra, die sich in dem Band „Verdammter Süden“ findet: das Porträt einer jungen „Intensivstraftäterin“ (wie man bei uns sagen würde), die hofft, mit einem eigenen Baby würde sich alles von selbst zum Guten wenden.

 

blankWeibliche Figuren standen auch bei Clarice Lispector meist im Mittelpunkt der Geschichte. Lispector wurde 1920 als Chaja in der heutigen Ukraine geboren, und nur wenige Monate später emigrierte die jüdische Familie nach Brasilien und nahm dort andere Vornamen an. Von Lispector gibt es viele Fotos, die sie als rätselhafte Schönheit darstellen, und auch die Neuauflage ihrer Werke im Schöffling-Verlag bedient sich dieser Ikonografie. Passt auch ganz gut: Lispectors Romane – gleich der erste „Nahe dem wilden Herzen“ – galt als Sensation, weil er ganz aus der Innenperspektive der Heldin geschildert war. Das sind dichte Texte, durch die man sich herrlich treiben lassen kann. Wer auf Action aus ist, ist bei Lispector falsch. Wer intellektuell und sprachlich erregende Literatur sucht, ist bei ihr genau richtig.

 

 


Weiterlesetipps

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Die Zeit des magischen Realismus ist vorbei (DIE ZEIT)

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Featured Image: Eduardo Sánchez / Unsplash

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