Starke Töchter –
Doris hoch Drei: Drei besondere Bücher im November

Jeden Monat stellt euch unsere Belletristik-Referentin Doris drei Bücher vor: bemerkenswerte Romane, jenseits von Bestsellerlisten und Amazon-Fünf-Sterne-Bewertung, die das Lesen lohnen, weil sie neue Perspektiven eröffnen, unerhörte Geschichten erzählen, Ausnahmen auf dem Buchmarkt darstellen, von engagierten Verlagen übersetzt und publiziert wurden. Für mehr Bibliodiversität und Vielfalt im Regal! (Ein Klick aufs Cover führt euch in unseren Onlinekatalog zum Ausleihen oder Vormerken.)


Karoline Menge: Warten auf Schnee

Die Frankfurter Verlagsanstalt hat eine bewegte Geschichte: Nach der Gründung 1920 durch eine jüdische Familie und der Liquidierung 1938 auf Grund der Nürnberger Erlasse, wurde der Verlag 1951 und dann noch einmal 1987 neu gegründet; 1994 übernahm Joachim Unseld die damals stillliegende FVA. Ein erklärtes Ziel der Verlagsarbeit ist seitdem das Entdecken und Fördern neuer Autoren und Autorinnen.

Dazu gehört auch die 1986 in Berlin geborene Schriftstellerin Karoline Menge. Ihr mit dem Ulla-Hahn-Autorenpreis ausgezeichneter Debütroman „Warten auf Schnee“ erzählt die Geschichte einer zerbrochenen Familie aus der Sicht des sechzehnjährigen Mädchens Pauli. „Zugleich ist es aber auch die Geschichte des Verschwindens eines Ortes und seiner Bewohner. Mit Elementen des Horrorfilms treibt die Autorin die Handlung voran … Das Werk beeindruckt mit einer fließenden Metaphorik, nicht zuletzt aber durch seine existenzielle Thematik: die Bedeutung der Familie, die Einsamkeit des Einzelnen und die Bedrohung des großen Ganzen: der Zivilisation und der Natur, letztlich der gesamten Erde.“ (Fachjury des Ulla-Hahn-Autorenpreises)

Frankfurter Verlagsanstalt 2018, 200 Seiten


Chinelo Okparanta: Unter den Udala Bäumen

Der 1978 gegründete Verlag Das Wunderhorn bietet ein anspruchsvolles Programm mit den Schwerpunkten deutschsprachige und internationale Literatur, Sachbuch, Kunst und Fotografie. 2010 startete die Reihe AfrikAWunderhorn mit zeitgenössischer Lyrik und Literatur aus dem afrikanischen Kontinent, 2012 wurde der Verlag mit dem Kurt-Wolff-Preis 2012 ausgezeichnet.

Auch Chinelo Okparanta – 1981 in Nigeria geboren und mit 10 Jahren in die USA emigriert – legt mit „Unter den Udala Bäumen“ ihren ersten Roman vor. Die Coming-out-Geschichte des Mädchens Ijeoma während des Biafra-Kriegs in Nigeria schaffte es bis auf die Shortlist des International Dublin Literary Award. „Ohne Scheu schreibt sie von Krieg und Gewalt, inneren und äußeren Konflikten. Und – ganz unsentimental – von befreiter Liebe, dieser Utopie.“ (Jana Volkmann, derFreitag)

Verlag Das Wunderhorn 2018, 336 Seiten, aus dem Englischen von Sonja Finck und Maria Hummitzsch


Hagar Peeters: Malva

Seit seiner Gründung 1986 hat sich der Wallstein Verlag mit Veröffentlichungen aus einem breiten wissenschaftlichen Spektrum einen Namen gemacht; seit einigen Jahren wird das belletristische Programm auch durch zeitgenössische Autoren und deutliche Akzente auf die Gegenwartsliteratur erweitert. Im März 2013 wurde dem Wallstein Verlag der Kurt-Wolff-Preis verliehen.

Für ihren Roman „Malva“ erhielt die 1972 geborene Autorin Hagar Peeters den belgischen Fintro Literaturpreis 2016 sowie Nominierungen für zahlreiche weitere Preise. Ihre Protagonistin ist Malva Marina Trinidad del Carmen Reyes: Die Tochter Pablo Nerudas kam mit einem Wasserkopf zur Welt und wurde nur 8 Jahre alt. Aus einem surrealistischen Jenseits heraus erzählt sie nun von ihrem berühmten Vater und von ihrem eigenen Schicksal. „Peeters beschreibt Menschen und ihre Gefühle sehr genau und im Falle Malvas mit poetischer Sensibilität.“ (Eva Karnofsky, SWR 2 Lesenswert Kritik, 7.11.2018)

Wallstein 2018, 245 Seiten, aus dem Niederländischen übersetzt von Arne Braun


Foto: Eye for Ebony on Unsplash

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