Die Netzwerke verstehen

„Social Media in Bibliotheken“

Der Buchbranchen-Netzwerker Leander Wattig hat auf der Münchner Direttissima-Konferenz völlig zurecht hervorgehoben: So wichtig die digitale Vernetzung auch sein mag – sich real zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen, knüpft naturgemäß die engeren und tragfähigeren Verbindungen. Dennoch bin ich immer wieder dankbar, dass sich Konferenzen und Barcamps mittlerweile auch über diverse Onlinekanäle verfolgen oder nacharbeiten lassen, denn manches Mal fehlt schlicht und einfach die Zeit, für ein paar Tage nach Leipzig oder Berlin zu reisen. Bei mir war es dieses Jahr u.a. das Bibcamp, dem ich nur aus der digitalen Ferne beiwohnen konnte. Da mein besonderes Interesse dem Thema „Social Media in Bibliotheken“ galt, verfolgte ich diese Session live via Twitter und Etherpad. Erst hörte man wenig – und dann das:


Wie kommt´s? Auf meine Frage, ob das Bibcamp womöglich das falsche Forum für eine Diskussion über das Thema wäre, folgte eine für mich überraschende Deutung:


Soll heißen: Macher und Verantwortliche sind üblicherweise zwei verschiedene Personen? Dann wird es mit derart hochfrequenten Medien wie Facebook, Twitter und Instagram tatsächlich schwierig …

Über das notwendige Change Management ist bereits eine Menge geschrieben worden, und selbstredend sind die Tipps und Empfehlungen (etwa von Laura Solomon) durchaus hilfreich, um Chefinnen und Chefs, Kolleginnen und Kollegen von der Notwendigkeit einer Social-Media-Präsenz auch und gerade von öffentlichen Bibliotheken zu überzeugen. Man kann wiederholt die Nützlichkeit von Twitter bei Konferenzen (siehe oben) hervorheben, die Bibliothek als längst existentes „soziales Netzwerk“ vorstellen oder den Wissen demokratisierenden Effekt (immerhin auch im Leitbild öffentlicher Bibliotheken enthalten) des Internets anführen. Allein, jede Überredungskunst wird auf Gegenwehr stoßen, wenn sie nicht weiß, wovon sie spricht. Das wäre dann meine These zur offensichtlich wenig anregenden Bibcamp-Session, die mit „Welcher Kanal macht Sinn?“ nur beinahe die richtige Frage stellte: Eine Institution, die in sozialen Netzwerken aktiv werden will, muss wissen, welcher Kanal wie Sinn macht. Noch viel zu oft werden alle Netzwerke in einen Topf geworfen, obwohl sie sich eminent unterscheiden. Social Media ist eben nicht gleich Social Media. Vielmehr gilt auch hier die gute alte Devise von Marshall McLuhan: Das Medium ist die Botschaft.

Facebook zum Beispiel ermöglicht einer Institution keinen Dialog auf Augenhöhe, sondern nur das Dasein als Fanpage, die geliket werden kann; die Kommunikation bleibt bis zu einem gewissen Grad asymmetrisch. Hinzukommen die Algorithmen, die Inhalte nach höchstens halbwegs durchsichtigen Kriterien im Feed der Fans ordnen und Bilder, am besten noch bewegte, dabei deutlich bevorzugen. Bei Twitter dagegen sind ‚echte Menschen‘ und Institutionen gleichrangig; zudem handelt es sich um ein Echtzeitmedium, das diesen Namen auch verdient und sich – auch dank der Hashtags – hervorragend fürs Recherchieren und fürs Ordnen im Allgemeinen eignet. Instagram wiederum will zuallererst interessante Bilder und verbietet per Nutzungsbedingungen das programmierte Publizieren (was auf Facebook und Twitter erlaubt ist); auch ist es nur mobil vollumfänglich nutzbar. Hätten wir noch Snapchat, dessen Inhalte sich nach einer bestimmten Zeit bzw. Sichtungszahl quasi selbst vernichten – der Albtraum jeder Bibliothek … und just deshalb besonders reizvoll.

Im Grunde macht also jeder Kanal für jede öffentliche Bibliothek Sinn – wenn man ihn richtig zu verwenden weiß. Einzige Voraussetzung: Man muss das jeweilige Netzwerk in seiner Struktur verstehen und begreifen und die dementsprechenden Inhalte dort dementsprechend verpacken. Kurz und viel zu oberflächlich gesagt: (am besten bebilderte) Unterhaltung auf Facebook, Neuigkeiten auf Twitter, Mobiles und Schönes auf Instagram, Vergängliches auf Snapchat. Das überzeugt dann vielleicht sogar die Kolleginnen und Kollegen vom Sinn der digitalen Kommunikation.

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