Realität sehen: fünf Angebote

Doris Hoch 5: Neu eingetroffen im Mai

Regelmäßig stellt euch unsere Belletristik-Referentin Doris eine Auswahl lesenswerter Neuerscheinungen vor: bemerkenswerte Romane, jenseits von Bestsellerlisten und Amazon-Fünf-Sterne-Bewertung, die das Lesen lohnen, weil sie neue Perspektiven eröffnen, unerhörte Geschichten erzählen, Ausnahmen auf dem Buchmarkt darstellen. Für mehr Bibliodiversität und Vielfalt im Regal!

Ein Klick aufs jeweilige Cover führt in unseren Onlinekatalog zum Ausleihen oder Vormerken.

aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita, Unionsverlag, 250 Seiten

Patrícia Melo : Gestapelte Frauen

Sie verliebt sich schnell in Amir – charmant, intelligent, interessiert. Dann die Ohrfeige, die Beleidigung. Um so weit weg wie nur möglich von ihm zu sein, nimmt die junge Anwältin eine Stelle im entlegenen Cruzeiro do Sul an. Als Beobachterin nimmt sie an Gerichtsverhandlungen zu brutalen Frauenmorden teil. Um der Wirklichkeit zu entkommen, flüchtet sie sich in eine Traumwelt – in geheimnisumwirkte Wälder und Flüsse, an die Seite von Amazonen, die die Täter verfolgen. Patrícia Melo, geboren 1962 in São Paulo, zählt zu den wichtigsten Stimmen der brasilianischen Gegenwartsliteratur. „Ein grausam schönes, packendes, empathisches, fantasievolles Buch.“ (Cornelia Zetzsche, BR2)


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aus dem Englischen von Manfred Allié, Dörlemann Verlag, 461 Seiten, auch im englischen Original

George Orwell: Tage in Burma

In seinem Debütroman zeichnet George Orwell ein verheerendes Bild der britischen Kolonialherrschaft, ihrer Korruption und imperialen Bigotterie. 1903 als Sohn eines britischen Kolonialbeamten in Indien geboren, zog Orwell 1927 nach Europa und arbeitete in London und Paris als Journalist, Tellerwäscher und Lehrer. Auf seinen Debütroman folgten neben weiteren Büchern zwei Klassiker der Weltliteratur, „Farm der Tiere“ und „1984“. „So gelingt es dieser Übertragung, die Atmosphäre einer nahezu vergessenen Welt in all ihrer Unmenschlichkeit aufzuzeigen. Dabei entwickelt der deutsche Text einen Sog, wie man ihn von Orwells Klassikern kennt.“ (Thomas Hummitzsch, der Freitag)


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aus dem Französischen von Valerie Schneider, mare Verlag, 271 Seiten

Laure Limongi: Sieben Tage Windstille

Eine Villa mit Blick über das Meer auf den Klippen Korsikas. Hier wächst Huma auf, geboren 1976, im Gründungsjahr der Korsischen Nationalen Befreiungsfront. Zwischen den Generationen herrscht Schweigen, die Großmutter scheint sich durch übergriffiges Verhalten an ihrer Enkelin rächen zu wollen – nur wofür? In bildgewaltiger Sprache erzählt Laure Limongi von der Gratwanderung, sich von seinem familiären Erbe zu befreien, ohne seine Herkunft zu verleugnen. Die Autorin hat in Frankreich bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht und unterrichtet Kreatives Schreiben an der Universität von Le Havre. „Poetisch, scharfsinnig, abgründig: ein großartiger Familienroman!“ (Zora del Buono)


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aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, Blumenbar Verlag, 240 Seiten

Yukiko Motoya: Die einsame Bodybuilderin

Eine Hausfrau wird zur Bodybuilderin, eine Verkäuferin wartet stundenlang auf eine Kundin, die sich in der Umkleide verschanzt hat und eine junge Frau bemerkt, wie das Gesicht ihres Ehemanns sich ihrem eigenen anzugleichen beginnt. In 11 Storys gewähren die Figuren einen Blick hinter die Kulissen ihrer scheinbar langweiligen Leben. Zum Vorschein kommt das Bizarre, das Groteske, das Fantastische, das Fremde. Yukiko Motoya, geboren 1979, wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. „Ihre Wahrnehmung und ihre Weisheit lassen das alltägliche Leben magisch und aufregend erscheinen, und die merkwürdigsten Erfahrung fühlt sich plötzlich ganz vertraut an.“ (Etgar Keret)


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Galiani Verlag, 342 Seiten, auch als eAudio

Björn Stephan: Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau

Sommer 1994: Sascha Labude, ein verträumter 13-Jähriger, wächst mit seinem besten Freund Sonny in der Plattenbausiedlung Klein Krebslow auf. Alles verändert sich, als Juri nach Klein Krebslow zieht – ein geheimnisvolles Mädchen, das alles über die Sterne und die Entstehung des Universums zu wissen scheint. Der Autor, geboren 1987 und aufgewachsen in Schwerin, lebt in München. „Vor allem geht es aber auch darum, der Tristesse des desillusionierenden Alltags Bewegung, Schönheit und eine Perspektive entgegenzusetzen. Björn Stephan produziert in seinem Debüt Erkenntnisse, die Gültigkeit bis in die Gegenwart haben. (Christoph Schröder, Süddeutsche Zeitung, 11. März 2021)


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