Reading Challenge 2018: Ein Buch zum Thema Behinderung

Im Januar haben wir zur Reading Challenge “Lesen verbindet!” aufgerufen. Die achte Aufgabe, die wir euch und uns stellen, lautet: ein Buch zum Thema Behinderung zu lesen. Was uns dabei wichtig ist: Wir möchten die Aufmerksamkeit darauf richten, wie über Behinderung erzählt und berichtet wird. Nur von oben herab – oder kommen alle Menschen als selbstbestimmte Subjekte zu Wort? Und: Wer behindert hier eigentlich wen?

Zum Einstieg gibt es wie immer Tipps von unseren Bibliotheksblogger*innen, und ganz unten findet ihr noch Links zum Weiterklicken. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen! (Ein Klick auf das jeweilige Cover führt euch in unseren Onlinekatalog zum Ausleihen oder Vormerken.)


Sarah Elise Bischof: Panthertage. Mein Leben mit Epilepsie.

Kurz nach dem Abitur, den Kopf voller Flausen und aufregender Zukunftspläne erhält Sarah Elise Bischof die Diagnose Grand-Mal-Epilepsie. Von einen Tag auf den anderen ändert sich ihr Leben schlagartig. Plötzlich kann sie nicht mehr Auto fahren, schwimmen oder feiern gehen. Vor allen Zukunftsplänen steht plötzlich ein großes Fragezeichen. Immer wieder wirft die Epilepsie sie aus der Bahn wie ein wütendes Raubtier, das im Dunkeln lauert. Sarah strauchelte. Sie kämpft. Sie wechselt die Ärzte, die Medikamente und steht nach jedem Anfall wieder auf. In ihrem Roman „Panthertage“ schreibt sie über ihr Leben mit Epilepsie und darüber , wie sie sich jeden Tag aufs neue ihr Leben zurückerobert.

Ein großartig geschriebener, kluger autobiografischer Roman über das Leben mit Epilepsie. Lisa / Monacensia

Eden Books, 208 Seiten


Maximilian Dorner: Mein Dämon ist ein Stubenhocker

Ein Buch, das ich zehn Jahre nach seinem Erscheinen nochmals gelesen habe, und wieder hat es mich durch seine Intensität und seinen Humor sehr beeindruckt. Maximilian Dorner ist an multipler Sklerose erkrankt. Und da er Schriftsteller ist, führt er ein Tagebuch, um mit seinem neuen Leben zurechtzukommen. Mit der Hilflosigkeit von Freunden, Bekannten, Familienangehörigen, der eigenen Hilflosigkeit in sehr vielen Lebenssituationen, der Frage nach dem „ Warum gerade ich?“, den Banalitäten des Alltags. Humor hilft oft, und wir alle wissen ja: „Das wirkliche Leben findet auf Baustellen statt“. Waltraud / Stadtbibliothek Am Gasteig

Zabert Sandmann, 165 Seiten


José Saramago: Die Stadt der Blinden

Zuerst verliert nur einer sein Augenllicht, dann eine ganze Stadt. Saramago beschreibt sehr präzise und verstörend, was eine Behinderung mit dem Einzelnen, dann aber auch mit einer Gesellschaft macht. Und wie das Leben weitergeht, mit all den damit verbundenen Störungen, Sackgassen, Umwegen …

Selten habe ich ein Buch gelesen, das so lange nachwirkt und nachhallt. Maximilian Dorner / Autor, Aktionsprogramm „Kultur und Inklusion“

Hoffmann & Campe, 278 Seiten, übersetzt von Karin von Schweder-Schreiner


T.C. Boyle: Talk Talk

In diesem Jahr hatte ich mir vorgenommen, endlich etwas von T.C. Boyle zu lesen und ich entschied mich für „Talk Talk“ als Einstiegsroman. Darin geht es um Dana Halter, eine junge gehörlose Amerikanerin. Als sie eines Tages ein Stoppschild überfährt, wird sie von der Polizei für Delikte angeklagt, die sie nie begangen hat. Wie sich herausstellt, wurde ihre Identität gestohlen. Dana ist zwar taub, aber auch tough, sie meistert ihren Alltag und ist kaum unterzukriegen: Deshalb versucht versucht sie den Menschen zu finden, der sich als sie ausgibt und zur Rede zu stellen…

Ihre Suche gestaltet sich mehr und mehr zum spannenden Krimi. „Talk Talk“ ist toll zu lesen: Ich fieberte mit der Protagonistin und sah verstört, wie leicht die eigene Identität geklaut werden kann. Dieses Buch war sicher nicht das letzte, das ich von T.C. Boyle gelesen habe. Birgit / Stadtbibliothek Neuhausen

Hanser, 394 Seiten, übersetzt von Dirk van Gusteren


Francisco X. Stork: Marcelo in the Real World

Der 17jährige Marcelo ist ‚anders‘, er hat das Asperger-Syndrom, eine Autismusspektrumsstörung. Er kann nicht gut Menschen in die Augen sehen, hat ein Spezialinteresse, das er sehr ausgeprägt lebt, in seinem Fall ist es Religion, und er hört eine innere Musik. In diesem Sommer hat er auf seiner Spezialschule einen Ferienjob bekommen, auf den er sich sehr freut – aber statt dessen soll er plötzlich auf Wunsch seines Vaters in dessen Anwaltspraxis einen Job bei der Poststelle machen, um aus seiner behüteten Welt herauszukommen und Erfahrungen im Arbeitsleben in der „realen Welt“ zu machen.

Es wird schwer für Marcelo, viele Dinge betrachtet er mit naivem Erstaunen, aber als er begreift, dass in der Anwaltspraxis ein Vertuschungsversuch eines großen Wirtschaftsunternehmens unter Beteiligung seines Vaters läuft, muss er sich entscheiden, ob er ein großes Unrecht tolerieren kann oder einem durch einen Unfall entstellten Mädchen helfen will.

Marcelo entpuppt sich als sensibler, liebenswerter Mensch, der in diesem aufregenden Sommer gewaltige Fortschritte in seiner Entwicklung in Bezug auf das Leben in der „realen Welt“ macht.

Dem sehr einfühlsam geschriebenen, für mich sehr lesenswerten Jugendroman merkt man an, dass der Autor während seines Studiums in einer Wohngruppe mit Jugendlichen mit Autismusspektrumsstörung zusammengelebt hat. Helga / Musikbibliothek

Fischer Jugendbuch, 386 Seiten, übersetzt von Britta Waldhof


Walter Moers / Lydia Rode: Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr

Prinzessin Insomnia kann nicht schlafen. Nachts wandelt sie durch das zamonische Schloß und beschäftigt sich in Gedanken mit Sprache und Wörtern. Eines Nachts erscheint ihr der alptraumfarbene Nachtmahr Havarius Opal und sie begeben sich auf eine Reise in Dylias Gehirn.

Die Kombination aus Moers Sprachgewalt und Lydia Rodes Illustrationen machen auch diesen Zamonien-Roman zu etwa ganz Besonderem. Vergegenwärtigt man sich, dass Lydia Rode an der Krankheit „Chronisches Erschöpfungssyndrom“ leidet und das Buch somit ihre Geschichte erzählt, bekommt man einen ganz eigenen Blick auf die Abenteuer von Prinzessin Dylia und riesigen Respekt von der Illustratorin. Birgit / Stadtbibliothek Am Gasteig

Knaus, 337 Seiten


Lynda Mullaly Hunt: Wie ein Fisch im Baum (ab 14 Jahren)

„Jeder ist auf seien Weise klug. Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, er sei dumm.“

Ally ist elf Jahre alt und hat ein Geheimnis: Sie kann weder lesen noch schreiben. Um dieses Geheimnis zu wahren, weicht sie allen aus, wird von Lehrern nicht verstanden und von Mitschülern gemieden… kurz: Die Schule ist ein einziger Albtraum.

Doch ein neuer Lehrer, Mr Daniels, verändert alles. Er schafft es nach und nach, Allys Vertrauen zu gewinnen und den Grund für ihr Problem herauszufinden: Sie hat Legasthenie. Mr Daniels Unterstützung und neu gewonnene Freunde geben Ally endlich Hoffnung, und sie nimmt den Kampf gegen die Legasthenie und eine mobbende Klassenkönigin auf.

Ein wundervoller Jugendroman über Legasthenie und Toleranz, aber auch und vor allem über Freundschaft, Hoffnung und unerwartete Stärke. Sandra / Kinder- und Jugendbibliothek

cbj, 304 Seiten, übersetzt von Renate Weitbrecht


Tipps zum Weiterlesen

Leidmedien: Informatives und inspirierendes Portal über die Darstellung von Behinderung in den Medien

Noch mehr Buchtipps zum Thema gibt es im Feuilleton-Portal Perlentaucher

Tolle Liste mit Kinderbüchern zum Thema – empfohlen von Raul Krauthausen und Fans

Beitrag der Tagesschau über Behinderung in der Literatur

 

Featured Image:james williams / Unsplash

 

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