POP PUNK POLITIK reloaded: aktuelle Buchtipps zur Ausstellung der Monacensia – gerne mitmachen! | #PopPunkPolitik

Aktuelle Buchtipps von uns zum Mitmachen für euch! Von Rainald Goetz über Thomas Meinecke bis zu Rabe Perplexum und Cora Frost: Die Ausstellung POP PUNK POLITIK. Die 1980er Jahre in München der Monacensia dokumentiert, wie lebendig, engagiert und vielfältig damals in der Stadt geschrieben und veröffentlicht wurde. Ob Umweltbewusstsein, Frauenbewegung oder der Mut zum Anderssein – viele der Themen, die die Autor*innen damals umtrieben, sind bis heute relevant und viel diskutiert.

Unsere Mitarbeiter*innen und das Gestaltungsteam erzählen euch hier, welche (Neu-)Veröffentlichungen sie inspiriert durch die Ausstellung warum lasen. Gerne möchten wir das zu einer Leseliste #PopPunkPolitik reloaded erweitern und fragen euch: Welche aktuellen Lesetipps zu den Themen von POP PUNK POLITIK habt ihr?

Miniregal mit Werken von Thomas Meinecke in der Ausstellung Pop Punk Politik. Die 1980er Jahre in München. Aktuelle Suchtipps #PopPunkPolitik. Foto: Silke Klöckner.
Miniregal mit Werken von Thomas Meinecke in der Ausstellung Pop Punk Politik. Die 1980er Jahre in München. Foto: Silke Klöckner.

POP PUNK POLITIK reloaded – unsere aktuellen Buchtipps

Warum POP PUNK POLITIK reloaded? Ganz einfach: Die Themen unserer Ausstellung berühren bis heute. Tatsächlich animierten sie uns dazu, heutige Diskussionen mit jenen aus den 1980er Jahren in Beziehung zu setzen. Im Herbst erfahrt ihr mehr, wir haben dazu einiges im Digitalen vor. Zugleich motivierte die Ausstellung uns zu aktueller Lektüre, die thematisch eng mit der Ausstellung verbunden ist. Hier nun unsere persönlichen Buchtipps für euch!

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Jens Balzer, High Energy, Rowohlt Berlin, 2021, 398 Seiten. Sylvia Schütz‘ Buchtipp zu #PopPunkPolitik reloaded.

Jens Balzer: High Energy

,Ernstfall – es ist schon längst soweit‘, zitiert der Popkultur-Experte Jens Balzer in seinem Buch über die 1980er Jahre die Düsseldorfer Punkband Fehlfarben.

Und ja, es gab viele Gründe, Angst zu haben in dieser Zeit der Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen, des Baus von Kernkraftwerken und prophezeiter Umweltkatastrophen. In einer Zeit, in der konservative Politiker*innen wie Margaret Thatcher, Ronald Reagan und dann auch Helmut Kohl den systematischen Abbau der Sozialpolitik und die Entfesselung der Märkte betrieben.

Dem setzt Balzer gleich im Eingangskapitel die erstarkende Protest- und Friedensbewegung entgegen. In sechs Kapiteln zeichnet er ein dichtes Panorama der 1980er Jahre, in denen Ökos in Schlabberpullis, stachelige Punks und Autonome, aber auch geföhnte Popper und gierige Yuppies die Szene betraten. Emanzipation und Selbstermächtigung, Pazifismus und Umweltschutz, Freiräume und soziale Gerechtigkeit forderten die Aktivist*innen – und begegneten dem drohenden Untergang mit Spaß an der Revolte und einer geballten Ladung Energie.

,High Energy‘ ist nicht nur eine popkulturelle Reise in die Vergangenheit: Es liefert auch jede Menge Relevanz für die heutige Debatte.


Sylvia Schütz, Kuratorin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Şeyda Kurt, Radikale Zärtlichkeit, HarperCollins, 2021, 224 Seiten. Tina Rauschs Buchtipp zu #PopPunkPolitik reloaded.

Şeyda Kurt: Radikale Zärtlichkeit

,Rettet die Zärtlichkeit!‘ steht 1982 anonym an eine Münchner Hauswand gesprüht. Die Aktionsgruppe Freizeit 81 überschrieb ihr Manifest mit: ,Wir müssen härter werden ohne unsere Zärtlichkeit zu verlieren!‘ und erklärte, dass sie ,irgendwas mit Politik zu tun‘ habe.

Das führt mich zu Şeyda Kurt, die 40 Jahre später in ihrer Streitschrift ,Radikale Zärtlichkeit‘ erläutert, warum Liebe politisch ist. Die 1992 geborene studierte Philosophin rechnet mit der romantischen heteronormativen Zweierbeziehung ab – und bezieht Vordenker*innen wie Simone de Beauvoir, Judith Butler, Roland Barthes und ihre eigene Biografie mit ein.

Dass dieses unbequeme Buch nicht nur Zuspruch findet, verwundert kaum. Zugegeben: Kurt gelingt es nicht ganz, alle von ihr angerissenen Aspekte erschöpfend zu verhandeln. Dafür liefert sie inspirierende Denkanstöße und schreibt: voller Leidenschaft.

Tina Rausch, freie Redakteurin
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Amanda Gorman, The Hill We Climb – Den Hügel hinauf, Hoffmann und Campe, 2021, 50 Seiten, zweispr. Ausgabe, aus dem Engl. von Uda Strätling, Kübra Gümüsay, Hadija Haruna-Oelker. Silke Klöckners Buchtipp zu #PopPunkPolitik reloaded.

Amanda Gorman: The Hill We Climb – Den Hügel hinauf

Wie habe ich erleichtert aufgeatmet, als Joe Biden im November 2020 die Wahl zum 46. amerikanischen Präsidenten gewann! Vier Jahre Donald Trump waren vorbei.

In den USA protestierte die #BlackLivesMatter-Bewegung nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd. #metoo war gerade erst etwas abgeflacht. Da stürmten Anhänger Trumps das Kapitol in Washington, D.C.

In all diesem Schrecken und Chaos ließ Joe Biden bei seiner Inauguration im Januar 2021 die schwarze Lyrikerin und Aktivistin Amanda Gorman als bisher jüngste Stimme ihr verstörend wahres und doch versöhnliches, hoffnungsvolles Gedicht vortragen. Es traf in die Wunde dieser Zeit.

Durch Pop Punk Politik wurde mir erst richtig bewusst, dass die 1980er, die ich behütet als Kind erlebte, eine ähnlich aufbruchsreiche Zeit war. Lesben, Schwule kämpften weltweit um Anerkennung, Punks um gesellschaftliche Alternativen … 30 Jahre später sind wir noch lange nicht am Ziel einer freien Gesellschaft für alle angekommen.

Silke Klöckner, Bibliothekarin
Bernardine Evaristo, Mädchen, Frau etc., Tropen, 2021, 456 Seiten, aus dem Engl. von Tanja Handels. Sylvi Schlichters Buchtipp zu #PopPunkPolitik reloaded.
Bernardine Evaristo, Mädchen, Frau etc., Tropen, 2021, 456 Seiten, aus dem Engl. von Tanja Handels. Sylvi Schlichters Buchtipp zu #PopPunkPolitik reloaded.

Bernardine Evaristo: Mädchen, Frau etc.

Was haben lose verwobene Geschichten um zwölf Schwarze Frauen, von der Ururgroßmutter bis zur woken Studentin, mit Pop Punk Politik zu tun? Mehr, als man zunächst meinen könnte: Bereits auf den ersten fünfzig Seiten wimmelt es geradezu von Bezügen zu unserer aktuellen Ausstellung.

Zwar leben die Dramatikerin Amma und ihre Freundin Dominique in den 1980ern nicht in München, sondern in London, aber die Settings ähneln sich sehr. Die beiden stöbern in Frauenbuchläden, gründen eine feministische Theatergruppe und produzieren eine Art Fanzine. Amma lebt in einem besetzten Haus, in dem die Punks laute Musik hören und die radikal-feministischen Lesben männerfreie Zonen schaffen wollen.

Zwar spielen nicht alle Kapitel von ,Mädchen Frau etc.‘ in den 1980ern, aber durch das ganze Buch ziehen sich Themen wie Feminismus, Gender, Identität – Themen, die auch in unserer Ausstellung präsent und aktuell wie eh und je sind.


Sylvi Schlichter, Verwaltung
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Tove Ditlevsen, Jugend, Aufbau, 2021, 154 Seiten, aus dem Dän. von Ursel Allenstein. Tina Strobel-Rothers Buchtipp zu #PopPunkPolitik reloaded.

Tove Ditlevsen: Jugend

Zuerst habe ich dieses Buch nur aufgrund seines Titels in die Hand genommen. In der Ausstellung Pop Punk Politik haben wir dieses Zitat der Band DAF ,Verschwende deine Jugend‘ groß in Orange an die Wand geplottet. Deshalb hat es mir gefallen, auf ein Buch unter den Neuerscheinungen zu stoßen, das ,Jugend‘ heißt, Orange auf dem Cover hat und kein Ratgeber zu sein schien.

,Jugend‘ ist der zweite Band der autobiografischen Kopenhagen-Trilogie von Tove Ditlevsen (1917–1976), in dem sie ihr Leben als junge Frau in den 1930ern beschreibt. Wie sie unbedingt als Dichterin arbeiten und selbstständig leben möchte. Dabei erzählt sie von Männerbekanntschaften, Wohngemeinschaften und ihren wechselnden Jobs als Dienstmädchen und Bürogehilfin. Beeindruckend, wie mutig und zielstrebig sie lebt und ihre Entscheidungen trifft.

Ein zeitlos aktuelles Plädoyer, an die eigenen Talente zu glauben.


Tina Strobel-Rother, Kreativ-Direktorin, Büro Alba
Ulli Lust, Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens, Avant, 2009, 464 Seiten. Laura Moosburners Buchtipp zu #PopPunkPolitik reloaded.
Ulli Lust, Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens, Avant, 2009, 464 Seiten. Laura Moosburners Buchtipp zu #PopPunkPolitik reloaded.

Ulli Lust: Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens

Ein Comic über zwei Mädchen aus der Wiener Punk-Szene, die 1984 ohne Geld und Papiere nach Italien reisen, um dort den Winter zu verbringen: Schon die Beschreibung fand ich spannend und wurde beim Lesen nicht enttäuscht!

Ulli Lust erinnert sich in wunderbaren Illustrationen – und auch mit Scans von originalen Fotos, Notizen und Zeichnungen, die mich an unsere Gestaltung von Pop Punk Politik erinnern –, wie sie sich als 17-Jährige mit ihrer Freundin bis nach Sizilien durchschlug. Unterwegs kamen sie mit Heroin, der Mafia und einigen extrem übergriffigen Italiener in Kontakt.

Trotz so mancher schockierender Szene macht dieser Comic wahnsinnig Spaß: Die Geschichte ist so detailliert und gefühlvoll erzählt, dass man nicht anders kann, als die unglaublichen Höhen und Tiefen, durch die die Autorin und ihre Freundin auf dieser Reise gehen, mitzufühlen.

Laura Moosburner, Designerin, Büro Alba
Reinhild Kreis, Selbermachen, Campus, 2021, 586 Seiten. Elena Zendlers Buchtipp zu #PopPunkPolitik reloaded.
Reinhild Kreis, Selbermachen, Campus, 2021, 586 Seiten. Elena Zendlers Buchtipp zu #PopPunkPolitik reloaded.

Reinhild Kreis: Selbermachen

Für mein Uni-Seminar ,Die Mitmach-Revolution. Kulturanalyse meets DIY‘ las ich ,Selbermachen: Eine andere Geschichte des Konsumzeitalters‘ von Reinhild Kreis. Ihre Studie bietet einen interessanten Einblick ins Thema ,Do it yourself‘ und zeigt auf, welche politischen und gesellschaftlichen Aspekte hinter ,dem Selbermachen‘ stecken können.

Während meines Praktikums in der Monacensia stieß ich wieder auf dieses Thema – und zwar in der Ausstellung Pop Punk Politik: Die Punks der 1980er Jahre praktizierten vielfach DIY. Sie stellten Fanzines her, gestalteten ihre Kleidung individuell oder nahmen Musikkassetten auf. Diese Praktiken können unter anderem auch als politisches Statement verstanden werden, da sich die Punks gegen viele Normen auflehnten.

Dank Reinhild Kreis‘ Buch habe ich mich tiefer mit DIY beschäftigt und die Hintergründe des Selbermachens besser verstanden. Und dank Pop Punk Politik habe ich es ausprobiert – und etliche Buttons selbst gepresst!

Elena Zendler, Praktikantin

POP PUNK POLITIK reloaded – eure aktuellen Buchtipps: Macht mit!

In unserem Blick hinter die Kulissen von POP PUNK POLITIK. Die 1980er Jahre in München stellten wir euch die Plateaus und Themen der Ausstellung vor. Letztere sind mitunter:

  • Kampf für selbstbestimmte Räume, für eine eigene Öffentlichkeit und gegen die Kriminalisierung gesellschaftlicher Alternativen
  • Schwulen- und Lesbenbewegung
  • Frauenbewegung
  • Umweltthemen und Proteste
  • DIY
  • alternative Medien
  • Datenschutz
  • Herstellung einer Gegenöffentlichkeit
  • Subkulturen

Weiterhin organisierten wir unsere Ausstellung in folgenden vier Plateaus:

  1. Die 1980er Jahre
  2. Gegen die Mächtigen
  3. Protest und Identität
  4. Do it Yourself

Die Themen der Plateaus berühren sich und werden teils anders erneut aufgegriffen. Hier findet ihr Ansätze, aktuelle Bücher, die ihr gerade lest, mit diesen Themen zu verbinden. Vielleicht habt ihr die Ausstellung schon besucht und sie motiviert(e) euch zu bestimmter Lektüre. Verratet uns diese und warum ihr sie treffend zur Ausstellung findet unter dem Artikel im Kommentar. Wir erstellen aus den Eingängen eine Leseliste, die wir unter Leseliste „POP PUNK POLITIK reloaded“ und im Social Web mit #PopPunkPolitik gekennzeichnet für alle veröffentlichen.

Kennt ihr schon das Curator’s Shelf zur Ausstellung in der Bibliothek? Sylvia Schütz, eine der beiden Kurator*innen, berichtet euch im Herbst in einem Blogartikel darüber. POP PUNK POLITIK bietet viel Diskussions- und Lesestoff macht dabei gerne mit, kommentiert hier und/oder im Netz unter dem Hashtag #PopPunkPolitik!

Wir sind gespannt auf eure aktuellen Buchtipps!

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Leseliste „POP PUNK POLITIK reloaded

Hier stehen eure Buchtipps aus den Kommentaren zum Artikel bitte sehr gerne mitwirken, wir freuen uns auf euch!

  • Bell Hooks, „All About Love“ – Tipp via Instagram von @canabilmei. Wir schauten dazu mal Bewertung an: „All About Love is a revelation about what causes a polarized society and how to heal the divisions that cause suffering.“
  • Jackie Thomae, Brüder – Tipp via Twitter von @kulturtussi: „Zwei Männer. Zwei Möglichkeiten. Zwei Brüder. Jackie Thomae stellt die Frage, wie wir zu den Menschen werden, die wir sind.“
  • Lidia Yuknavitch, The Chronology of Water – Tipp via Instagram von @ichlesepodcast: „Ein ziemlich abgefahrenes Memoiren, mit Themen wie Exzess, Feminismus, Körperlichkeit und Schwimmen (u.a.) und dadurch ziemlich Punk. Sie sieht sich in der Tradtion von Kathy Acker.“

Monacensia im Hildebrandhaus
Maria-Theresia-Str. 23
81675 München

Öffnungszeiten: Mo – Mi, Fr 9.30 – 17.30, Do 12.00 – 19.00 | Ausstellungen auch Sa, So 11.00 – 18.00 | Eintritt frei


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