Naher Osten

Reading Challenge im Dezember

Nicht einmal die Wikipedia weiß ganz genau, was mit der Bezeichnung „Naher Osten“ genau gemeint ist (wir sind da großzügig…). Was uns an dem Thema interessiert hat und warum wir es in unsere Reading Challenge 2019 aufgenommen haben: Hier wurde vor rund 2000 Jahren der Begründer der christlichen Religion geboren – und nicht zuletzt diese Tatsache sorgt noch heute dafür, dass die Region nicht zur Ruhe kommt. Darüber wollen wir also lesen – in der weiterhin ungetrübten Hoffnung, dass Lesen verbindet.

(Die Links führen in unseren Katalog zum Ausleihen oder Vormerken.)

Azadi Tower, Teheran, Iran

Während israelische Autorinnen und Autoren in Deutschland angekommen scheinen, tun sich manche Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus den islamischen Ländern damit eher schwer – was auch an der hochentwickelten Komplexität der arabischen Sprache liegen mag.

Ohne weitere Erklärungen wollen wir an dieser Stelle Amos Oz, David Grossman und Zeruya Shalev sowie Khaled Hosseini, Dima Wannous und Azar Nafisi empfehlen. Interessant klingen auch diese Tipps des Magazins Vice: „Sechs verbotene Bücher aus dem Nahen Osten, die du unbedingt lesen solltest“.

Welches Buch habt ihr euch zum Thema vorgenommen? Teilt eure Ideen und Erfahrungen hier in den Kommentaren!


Und hier nun ein paar persönliche Tipps aus der Münchner Stadtbibliothek:

Waguih Ghali: Snooker in Kairo

C.H.Beck, 179 Seiten, dt. Maria Hummitzsch

Ghalis erster und einziger Roman, 1964 erstmals erschienen, ist ein faszinierender Einblick in das Leben der ägyptischen Oberschicht der 1950er Jahre. Die Helden den Buches, Ram und seine Freunde, leben orientierungslos vor sich hin, pendeln zwischen dem westlichen Ausland und Ägypten und fühlen sich nirgends zuhause. Politische und ethnische Spannungen gibt es zwischen Ägyptern und Israelis, zwischen Muslimen, Christen und Juden sind Alltag.

Das Buch gilt als Kultbuch des Arabischen Frühlings, mich hat an diesem Buch besonders die persönliche Perspektive in diesen politischen unruhigen Zeiten im Nahen Osten angesprochen.

Waltraud / Stadtbibliothek Am Gasteig

Elif Shafak!

Kein & Aber, 427 Seiten, aus dem Türkischen von Michaela Grabinger

Ich möchte einfach alles von Elif Shafak empfehlen. Mein erstes Buch von ihr war „Der Bastard von Istanbul“ – großartig!!! Weiter ging es mit „Ehre“ und „Vierzig Geheimnisse des Liebe“. Zuletzt habe ich natürlich „Unerhörte Stimmen“ gelesen. Diese Frau schafft die Brücke zwischen Ost und West – man taucht in die von ihr geschaffenen Welten ein und will mehr wissen über die Türkei und ihre Geschichte…

Nach „Vierzig Geheimnisse der Liebe“ wollte ich unbedingt mehr über den Sufismus und Rumi wissen, nach „Der Bastard von Istanbul“ hat mich die Armenien-Frage beschäftigt, und durch „Unerhörte Stimmen“ habe ich viel über die jüngere Geschichte der Türkei gelernt.

Kürzlich hatte ich eine nette Begegnung an der Info: Eine Kundin hat sich nach Rumi erkundigt, und schon wusste ich, was sie gerade gelesen hatte – wir kamen dann beide aus dem Schwärmen für Elif Shafak gar nicht mehr raus. Wer also mit uns schwärmen will, sollte am besten sofort loslegen … ein Ende von Frau Shafaks Schaffenskraft ist nämlich nicht absehbar.

Birgit / Stadtbibliothek Am Gasteig

Sarah Glidden: Israel verstehen. In 60 Tagen oder weniger

Panini Verlag, 208 Seiten

Ich hatte diese Graphic Novel auf einem Roadtrip dabei, und sie zog nicht nur mich, sondern auch meine Mitreisenden so in den Bann, dass ich sie einfach weiterempfehlen muss.

Sarah Glidden, eine Amerikanerin mit jüdischen Wurzeln, erzählt, wie sie 2007 trotz großer Skepsis ihre New Yorker Bubble verlässt, um bei einer Birthright-Tour teilzunehmen. Diese geführten Touren erlauben es jungen Jüdinnen und Juden ohne israelische Staatsbürgerschaft, Israel kostenlos zu entdecken.

Auf ihrer Reise durch das Land lernt sie die Geschichte und die Bewohner_innen Israels näher kennen und stellt dabei zielsicher die Fragen, die auch mir bei den Begriffen Golanhöhen, 6-Tage-Krieg und Zwei-Staaten-Lösung immer im Kopf herumschwirrten. Und wie nicht anders zu erwarten: Die eine einfache Antwort auf diese Fragen gibt es nicht.

Lukas / Juristische Bibliothek im Rathaus

Rafik Schami!

Beltz Verlag, 144 Seiten

In Damaskus geboren und bereits 1971 nach Deutschland geflohen, ist Rafik Schami einem großen Lesepublikum durch zahlreiche Bestseller wie „Die geheime Mission des Kardinal“ oder „Sophia oder Der Anfang aller Geschichten“ bekannt. Seine Werke verbinden die arabische Erzähltradition mit dem Blick auf die Fremde, respektive neue Lebenswelt. Hier sind „Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat und andere seltsame Geschichten“, „Gesammelte Olivenkerne. Aus dem Tagebuch der Fremde“ sowie das Kinderbuch „Der geheime Bericht über den Dichter Goethe, der eine Prüfung auf einer arabischen Insel bestand“ hervorzuheben.

Für mich am prägendsten sind seine Kinder- und Jugendbücher. Im arabischen Erzählstil gehalten, fast immer voller Freiheitsdrang und Liebe zur Demokratie und vor allem mit dem tiefen und unzerbrechlichen Glauben an die Macht der Menschlichkeit. Zu den bewegendsten Jugenbüchern zählt meiner Meinung nach „Eine Hand voller Sterne“, zu den beeindruckendsten Kindergeschichten „Fatima und der Traumdieb“.

Tamara / Team eServices

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