#meinOrt: Eine offene Pinnwand zum Mitreden

Zum Luxus meines Arbeitsplatzes gehören nicht nur tausende Bücher, die mir buchstäblich zu Füßen liegen und die ich abends einfach mitnehmen kann, wenn mir danach ist (ich muss sie irgendwann wieder zurückbringen, schon klar). Sondern auch eine nur auf den ersten Blick antiquiert wirkende Einrichtung namens „Poststelle“. „Poststelle“ trifft es freilich schon längst nicht mehr, denn hier im zweiten Untergeschoss schlägt das logistische Herz der Münchner Stadtbibliothek.

Hier kommen alle Bücher vorbei, die von A nach B müssen, hier wünschen sich die Kolleginnen und Kollegen vom Bücherbus einen schönen Feierabend, und hier gibt es ein kleines feines Lager mit Bedarfsartikeln, vom Klopapier bis zum Kugelschreiber. Mir war gar nicht klar, welche Bandbreite sich hinter dem Begriff „Schreibwaren“ verbirgt! Stifte, Kleber, Papierchen, kleine Beamten-Helferlein, vom Heftklammerentferner bis zum Stempelkarrussel etc.pp. Aber was ich eigentlich sagen wollte: In so einer Poststelle wie unserer gibt es eigentlich alles, was es für einen ersten Schritt in Richtung von mehr Partizipation braucht. Nämlich: Stifte und Post-Its. Die großartigen Kolleginnen wiederum, die einen von Anfang an unterstützen, findet man in den restlichen Stockwerken des Hauses. (Danke – in order of appearance – Brigitte, Andrea, Mareike und die unvergleichliche Anna!)

Partizipation (Symbolbild)

Die Aktion #meinOrt entstand bei der Konzeption des Symposiums „Public!“, das bereits zum dritten Mal in der Stadtbibliothek Am Gasteig stattfindet. Die zweitägige Konferenz denkt jedes Mal mit einem anderen Akzent über die Zukunft der Bibliotheken nach. In diesem Jahr geht es um „Öffnung und Demokratie“, und damit war klar, dass wir nicht nur darüber reden, sondern uns auch ganz real ein Stück weiter öffnen wollen. Die Idee ist ganz einfach: #meinOrt besteht aus nichts anderem als einer offenen Pinnwand (und Stiften und Post-Its), und die „Aufgabe“, die wir unseren Nutzer_innen genau wie unseren Mitarbeiter_innen stellen, ist ebenfalls nicht schwer. Es geht um die Vervollständigung eines Satzes:

Die Bibliothek ist mein Ort, weil …

Ihr findet die Pinnwand aktuell auf der Eingangsebene 1.1, aber demnächst wandert sie ein wenig durchs Haus, ist vielleicht mal in unserer Musikbibliothek, ein andermal in der Kinder- und Jugendbibliothek zu Gast. Ende Februar wird sie wieder abgebaut.

Eine leere Wand in einen offenen Raum zu stellen, bedeutet immer ein gewisses Risiko. Weniger wegen möglichen Vandalismus´ als vielmehr wegen der Gefahr, dass die Wand leer bleibt. Doch diese Sorge war völlig unbegründet. Am frühen Nachmittag des 29. Januar waren die Wände installiert, und bei Schließung klebten schon ein Dutzend Kommentare darauf.

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Und damit bin ich dann endlich auch beim eigentlichen Grund dieses Artikels: Partizipation ist etwas Großartiges!

Ich bin jedes Mal nachhaltig irritiert, wenn ich in Workshops, bei Fortbildungen oder anderen Treffen merke, dass einige Kolleginnen und Kollegen arg hadern mit unterschiedlichen Ideen und Konzepten für mehr Beteiligung. Vielfach scheint man der Meinung zu sein, man müsse das halt jetzt machen, weil das irgendwie in sei oder warum auch immer auf der kommunalen Agenda stehe. Wie produktiv und inspirierend es sein kann, die Perspektiven des Gegenübers kennen und verstehen zu lernen, scheint kaum je der Rede wert.

Dabei gibt es für eine Bibliothek kaum etwas Kostbareres als die Sichtweise ihrer Nutzerinnen und Nutzer; man lernt so unglaublich viel, wenn man sich mit anderen Menschen und anderen Sichtweisen in Austausch begibt. Nur dadurch erfährt man, was die Menschen von uns erwarten und was nicht, was sie bei uns suchen (und was nicht), was sie bei uns finden (und was nicht), was wir verbessern können (und was nicht) … Und vor allem ist es schlicht und einfach die Aufgabe einer öffentlichen Institution – mit Betonung auf „öffentlich“ –, von allen für alle zu sein. Deshalb muss und sollte man mit diesen allen ins Gespräch kommen, und das ist eben gar nicht so schwer, wie viele meinen, siehe oben.

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Katrin

Als Kind wollte ich Bibliothekarin oder Journalistin werden - nach dem Literatur-Studium entschied ich mich zunächst für Letzteres. Um dann doch wieder in einer Bibliothek zu landen: Seit 2015 bin ich in der Münchner Stadtbibliothek verantwortlich für die digitale Kommunikation (und damit auch für dieses Blog hier). Mein großes literarisches Interesse gilt (zumindest aktuell) der postkolonialen Literatur, vor allem vom afrikanischen Kontinent.

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