Krebskanon, Palindromsinfonie und satanische Verse

Kürzlich wurde in einer Unterhaltung über kuriose Feiertage der Rückwärtstag am 31. Januar erwähnt. Und sofort kam die Aussage: Aber das hat mit Musik doch gar nichts zu tun …

Moment mal, Musik rückwärts ? Das gab es in der Musik schon lange, bevor dieser Tag ins Leben gerufen wurde! Schon im 17./18. Jahrhundert bei Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart.

Ein Kanon, der so komponiert ist, dass es harmonisch klingt wenn er beispielsweise von einem Instrumentalisten vorwärts und von einem anderen rückwärts gespielt wird, nennt sich „Krebskanon“. Johann Sebastian Bach hat beispielsweise im „Musikalischen Opfer“ einen sehr berühmten Krebskanon geschrieben – hier findet ihr sein anschaulich animiertes Video des Stücks: http://strangepaths.com/canon-1-a-2/2009/01/18/en/. Und in unserem Onlinekatalog ist es natürlich auch zu finden!

Im zweiten Satz seine Sinfonie Nr.47 – der sogenannten „Palindromsinfonie“ – hat Joseph Haydn ein Menuett geschrieben, das zuerst vorwärts, dann rückwärts gespielt wird, ein musikalisches Palindrom, also von vorne und hinten identisch. Auch das bekommt ihr selbstverständlich bei uns.

Dasselbe Stück verwendet er nochmal in seiner Klaviersonate Nr.26:

Auch Wolfgang Amadeus Mozart komponierte Spiegelkanons für zwei Violinen, punktgespiegelt vorwärts und rückwärts, nach oben und unten. Unter dem Titel „Drei Scherzduette“ (Dokumentennummer 9524172100 ) gibt es in der Musikbibliothek eine Bearbeitung für zwei Gitarren: Die Musiker sitzen einander gegenüber und spielen aus einem Notenblatt – einer spielt oben, einer spielt unten verkehrt herum.

Ein Zeitsprung ein paar Jahrhunderte weiter in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts:

In der Rock- und Popmusik gibt es ein neues Betätigungsfeld für fantasievolle Musiker – versteckte Botschaften auf Schallplatten, rückwärts eingespielte Nachrichten unterschiedlichster Art, die einen (angeblich) unbeabsichtigt, die anderen vollkommen mit Absicht als Gesamtkunstwerk auf Studioalben konzipiert.

Eine kleine Auswahl:

Led Zeppelin: „Stairway to heaven“. Rückwärts abgespielt mit einer skandalumwitterten satanischen Botschaft, die laut Band und Label völlig zufällig und unbeabsichtigt auf das Album kam…

The Beatles: Auf der B-Seite der Single „Paperback Writer“ (1966) unter dem Titel „Rain“ erklingt John Lennons Stimme mit der ersten Rückwärtsbotschaft der Rockgeschichte. Auch bei zwei weiteren Titeln des 1966 erschienenen Albums „Revolver“ erklingt rückwärts eingespielte Musik. Und auch in dem Song „Revolution Number Nine“ auf dem „White Album“ (1968) – es verbreitet sich daraufhin das Gerücht, Paul McCartney sei gestorben und durch einen Doppelgänger ersetzt worden. Die Botschaft lautet: „Turn me on, dead man“.

Iron Maiden: „Still Life“ auf dem Album „Piece of Mind“

Pink Floyd, „Empty Spaces“ auf dem Album „The Wall“: „Congratulations. You have just discovered the secret message“.

 

Von Helga, Musikbibliothek

 

Featured Foto: Immo Wegmann / Unsplash


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