Kanada: Gastland der Frankfurter Buchmesse 2020

Doris hoch 5: Neu eingetroffen im November

Regelmäßig stellt euch unsere Belletristik-Referentin Doris eine Auswahl lesenswerter Neuerscheinungen vor: bemerkenswerte Romane, jenseits von Bestsellerlisten und Amazon-Fünf-Sterne-Bewertung, die das Lesen lohnen, weil sie neue Perspektiven eröffnen, unerhörte Geschichten erzählen, Ausnahmen auf dem Buchmarkt darstellen. Für mehr Bibliodiversität und Vielfalt im Regal!

Verlag Das Kulturelle Gedächtnis, 174 Seiten

Emily Carr: Klee Wyck – die, die lacht

In ihrer kanadischen Heimat wird Emily Carr (1871-1945) verehrt: als Künstlerin, als Schriftstellerin, als Umweltschützerin der ersten Stunde und als Aktivistin, die früh den Reichtum und die Vielfalt der indigenen Kultur in Kanada erkannte. In 21 literarischen Skizzen beschreibt sie mit beeindruckender Detailgenauigkeit das Leben der Ureinwohner. „Emily Carrs Indianerwelt ist keine der Jagd und der großen Reitkünste, des Kampfes großer Krieger. Es ist eine Welt der Kanus, des Regens und der Auflösung. Es ist eine Welt, die kein Mann jemals so zu Gesicht bekommen, geschweige denn beschrieben hat.“ (Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung)


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Blessing Verlag, 288 Seiten

Richard Wagamese: Das weite Herz des Landes

Als der sechzehnjährige Franklin Starlight herbeigerufen wird, um seinen Vater Eldon, den er kaum kennt, zu besuchen, trifft er auf einen dem Tode geweihten Mann. Die beiden machen sich auf den Weg durch das Herzland British Columbias und auf die Suche nach einer letzten Ruhestätte, wo Eldon nach Art der indianischen Krieger beerdigt werden will. Auf der Reise erzählt der Vater dem Sohn seine Lebensgeschichte, und so entdeckt Franklin eine Welt, die er nicht kannte, eine Geschichte, die ihm fremd war, und ein Erbe, das er hüten kann. Richard Wagamese, geboren 1955 im Nordwesten Ontarios, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Kanadas und indigenen Stimmen der First Nations. Er verstarb 2017.


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Verlag Antje Kunstmann,
200 Seiten, auch als E-Book

Tanya Tagaq: Eisfuchs

Tanya Tagaq erzählt in ihrem Debütroman von der Kindheit und Jugend eines Mädchens in der Arktis: von einer übermächtigen Natur, von den allgegenwärtigen Füchsen, den majestätischen Polarbären und den Mythen der Inuit. Die Autorin wurde 1975 in Cambridge Bay im heutigen Nunavut, Kanada, geboren und ist als Performerin, Komponistin und Sängerin international bekannt. „So wie Tagaq westliche, schriftliche literarische Traditionen mit indigenen, oralen verbindet, wirkt ihr gesamter Roman durch Synthesen. Klang und Licht vereinen sich. Mensch, Tier und Natur, alles wird eins. […] Man spürt förmlich den eiskalten Wind auf der eigenen Haut.“ (Zoe Wydra, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)


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Insel Verlag, 253 Seiten,
aus dem Französischen von Sonja Finck und Frank Weigand

Jocelyne Saucier: Was dir bleibt

Gladys ist 76 Jahre alt. Eines Tages besteigt sie ohne jede Ankündigung den Northlander-Zug, um spurlos aus ihrem kanadischen Dorf zu verschwinden. Sie reist über Tausende von Kilometern und in Dutzenden Zügen durch die Weiten Nordkanadas. Sie kehrt zurück an die Orte ihrer Kindheit und spricht auf ihrem Weg mit unzähligen Menschen. Jocelyne Saucier, geboren 1948 in der kanadischen Provinz New Brunswick, arbeitete lange als Journalistin, bevor sie mit dem literarischen Schreiben begann. Sie lebt heute in einem Zehn-Seelen-Ort im Wald, im nördlichen Québec. „Jocelyne Saucier zieht den Leser ins Innerste der Erde und zeigt ihm Betörendes und Wundersames.“ (Le Monde de Livres)


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Diogenes Verlag, 288 Seiten

Brian Moore: Schwarzrock

Père Laforgue kommt als Jesuit in die Neue Welt, um unter Lebensgefahr „Wilde“ zu missionieren. Doch je länger er deren Leben teilt, desto mehr beginnt er sie zu begreifen. Die gemeinsame Fahrt den Fluss hinauf gen Norden, durch Feindesland, dem Winterlager entgegen, wird zur Bewährungsprobe. Mit genau recherchierten Details lässt Brian Moore das frühe 17. Jahrhundert plastisch werden. Ein atemlos spannender Abenteuerroman, basierend auf Augenzeugenberichten. Brian Moore, geboren 1921 in Belfast, wanderte 1948 nach Kanada aus. „„Schwarzrock“ ist eine bestechend schöne Elegie von der Fremdheit der Welt und der Finsternis im Herzen.“ (Christine Kruttschnitt, Stern Hamburg)


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