Römische Reise

Hanni Münzer: Honigtot (Roman)

Der inzwischen recht bekannten Autorin aus Wolfratshausen gelingt mit „Honigtot“ eine perfekte Melange aus Fiktion und Geschichtsfakten, die allerbeste Unterhaltung bietet und wohl kaum jemanden unberührt lässt.

Der Roman beginnt 2002 in Seattle, USA, wo sich die junge Amerikanerin Felicity auf die Suche nach ihrer wie vom Erdboden verschluckten Mutter Martha macht. Schließlich findet sie heraus, dass die Mutter sich, für alle unverständlich, ein Flugticket nach Rom besorgt hat. Felicity entdeckt mit Unterstützung eines katholischen Geistlichen die völlig aufgelöste Martha in einem Hotelzimmer sitzend, das mit unzähligen Papierschnitzeln übersät ist, die zum großen Teil auf Hebräisch beschrieben sind.

muenzer_honigtotWarum nur hat die Mutter diese Reise nach Rom unternommen? Aufschluss darüber können wohl nur die Zeitungsartikel und Papierfetzen geben – handelt es sich doch um Lebenserinnerungen… Der hilfsbereite Pater erstellt eine Übersetzung, und nun beginnt die eigentliche Story: München während der Weimarer Republik; Felicitys Urgroßmutter, die gefeierte Opernsängerin Elisabeth Malpran und ihre Familie erleben die Auswirkungen der nationalsozialistischen Rassenideologie zunächst eher unterschwellig, nach den „Rassegesetzen“ aber mit voller Wucht. So lässt sich Elisabeth schließlich mit dem SS-Sturmbannführer Albrecht Brunnmann ein, in der Hoffnung, ihren jüdischen Mann Dr. Berchinger sowie ihre zwei Kinder Deborah und Wolfgang „Wolferl“ schützen zu können. Doch wie weit kann eine Mutter gehen, um ihre Lieben zu retten, und wie weit die Tochter, um Rache zu nehmen?

Der Zeithintergrund des Nationalsozialismus ist tatsächlich akribisch recherchiert worden, und das merkt man diesem wirklich spannenden und geschickt aufgebauten Roman auch an. In den Nachbemerkungen sowie in einem Video führt Hanni Münzer vor, wie sie im Einzelnen vorgegangen ist, und wie sich Fiktion und Geschichtsfakten mischen. So ist das historische Vorbild für Albrecht Brunnmann Adolf Eichmann, der als „Architekt des Holocaust“ angesehen wird. Die Sängerin Elisabeth Malpran hingegen ist eine fiktive Figur, ebenso wie Marlene, die als Spionin in „Honigtot“ vorkommt und in der Fortsetzung dieses Romans die titelgebende Hauptperson sein wird.

Gerade die Protagonistinnen überzeugen in ihrer differenzierten Charakterzeichnung, sowohl bei Elisabeth als auch bei Deborah zeigen sich durchaus ambivalente Züge, die glaubhaft sind. Daneben die atmosphärische Dichte: Hanni Münzers Beschreibungen z.B. der nationalsozialistischen Architektur, der blutroten Hakenkreuzfahnen werden in ihrer Wirkung auf die Menschen wohl ganz richtig wiedergegeben. Bei diesem Roman ist es nicht verwunderlich, dass eine Verfilmung geplant ist. Die Autorin steht bereits in Vertragsverhandlungen für einen Mehrteiler mit internationaler Besetzung.

Hanni Münzer: Honigtot. 480 Seiten, Piper Verlag

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Kommentar zu “Römische Reise

  1. Dankeschön, liebe Ute, für diese wundervolle Zusammenfassung und Rezension zu „Honigtot“.
    Herzlichst, Deine Hanni M.

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