Helene Böhlau: Das Recht der Mutter

Von Christine Hannig / Monacensia im Hildebrandhaus

Vor 80 Jahren, am 26. März 1940, starb in München die Schriftstellerin Helene Böhlau. Hochbetagt blickte sie auf ein abenteuerliches und ungewöhnliches Leben zurück, das 1856 als älteste Tochter des Verlegers Hermann Böhlau in Weimar begann.

Das vorbestimmte Schicksal als höhere Tochter in der steifen Bürgerlichkeit des Elternhauses behagt ihr wenig, und so wird für sie das Schreiben ein Akt der Befreiung von familiärer und gesellschaftlicher Bevormundung.

Sie lernt den wesentlich älteren Privatgelehrten Friedrich Arnd kennen, der bereits verheiratet und Vater von vier Kindern ist. Mit ihm flieht sie nach Konstantinopel. Dort wird der staatenlose Arnd Türke, tritt zum Islam über und nennt sich fortan Omar al Raschid Bey.

Als Moslem kann er sich von seiner Frau trennen, heiratet 1886 Helene Böhlau und geht mit ihr 1890 nach München. Helene sorgt schreibend für den Lebensunterhalt und engagiert sich in der bürgerlichen Frauenbewegung. 15 Romane und 11 Bände mit Novellen und Erzählungen veröffentlicht sie im Laufe ihres langen Schriftstellerinnenlebens, darunter die Aufsehen erregenden emanzipatorischen Romane „Das Recht der Mutter“ und „Halbtier“.

Ihr Werk ist ein wichtiger Beitrag zur deutschen Literatur, und deshalb sollte sie nicht zur großen Schar der Vergessenen und Verkannten gehören. Im Rahmen der Ausstellung „Evas Töchter“, die vor zwei Jahren in der Monacensia gezeigt wurde und in der gleichnamigen Publikation von Ingvild Richardson wird das Leben und Werk dieser ungewöhnlichen Frau wieder entdeckt und gewürdigt.

Der Roman war der Ausdruck des Erstaunens, des Erschrecktseins – Ich hatte mit einem tiefen, bestürzten Blicke gesehen, daß die Frau, die geistig leben und arbeiten will, ganz ohne Traditionen ist, mißachtet und belächelt.

Helene Böhlau, 1913 über ihren Roman „Halbtier“

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