Über Geld, Gerechtigkeit, Prinzessinnen und Zeitungspapier

Astrid Lindgren Memorial Award für Meg Rosoff

Astrid Lindgren wurde von vielen als würdige Kandidatin für den Literatur-Nobelpreis betrachtet. Daraus wurde nichts – immerhin bekam sie als eine der ersten den Hans-Christian-Andersen-Preis, der oft als „Nobelpreis für Kinder- und Jugendliteratur“  bezeichnet wird.

Große Ehre. Null Preisgeld.

Die schwedische Regierung rief 2002 den Astrid Lindgren Memorial Award ins Leben, und der ist mit 5 Millionen Schwedischen Kronen dotiert (570.000 €), und den bekam Meg Rosoff gestern verliehen. Für ein Lebenswerk von herausragender künstlerischer Qualität, das den humanistischen Werten Astrid Lindgrens verpflichtet ist.

Foto: Jean Goldsmith

Foto: Jean Goldsmith

Ehre und Geld und eine Prise Gerechtigkeit im Universum.

Meg Rosoffs erster Roman erschien 2005 auf deutsch und heißt „So lebe ich jetzt“. Auf dem Cover ein unscharfes Foto von einem sehr jungen Mädchen, das sich an einen Hund lehnt, dazu noch ein paar hingetupfte Schmetterlinge. Sehr passend für eine der allerersten Dystopien (da kannten wir das Wort noch gar nicht) mit Krieg und Kampf um Leben und Tod …

Meg Rosoff war 47 Jahre alt, als dieses erste Buch erschien. Sie hatte in New York und in London gelebt. Sie war zigmal gefeuert worden. Sie hatte eine Tochter bekommen. Ihre jüngere Schwester war an Brustkrebs gestorben. Sie bekam selbst Brustkrebs. Sie hatte einiges erlebt, sie hatte einiges zu sagen, und sie tat es mit einer so eigenen und besonderen Stimme, dass alle aufhorchten und staunten und sich bereichert fühlten.

Es ist nicht so sehr der Plot gewesen, der dieses Aufhorchen und die vielen Preise und die Million verkaufter Exemplare ausgelöst hat, sondern diese Stimme, diese Haltung, dieser Stil. Poetisch, aber komplett unsentimental. Lakonisch, wahrhaftig, ohne Ausweichmanöver. Der Plot war jedenfalls gut genug für eine spannende Verfilmung mit der unvergleichlichen Saoirse Ronan („How I live now“, 2013).

cover_rosoff_freiseinRosoff schrieb sechs weitere Jugendromane, und keiner glich auch nur im Entferntesten dem anderen. Mit jedem brach sie auf in eine komplett neue Welt. Nach den ersten Erfolgen ließ das Interesse der Verleger und der Öffentlichkeit von Jahr zu Jahr nach, so dass sie sich mit ihrem aktuellen Buch „Jonathan unleashed“ (noch nicht auf Deutsch erschienen) aus dem Young Adult Segment herauswagte und eine romantische Komödie mit Hunden in New York erzählt – ja, ich höre euch schon seufzen „und das soll eine ernstzunehmende Autorin sein?“

Ist sie und bleibt sie, auch das liest sich super und wird sicher zauberhaft verfilmt. Aber dieser Preis, der der Anlass für diesen Post ist, wird sie vielleicht bewegen, sich doch wieder dem sogenannten Jugendroman zuzuwenden – hat sie gesagt.

Derweil empfehle ich euch mein Lieblingsbuch von ihr: Es heißt „Davon, frei zu sein“ (The Bride’s Farewell). Es ist ebenfalls mittels des Covers so auf romantisch getrimmt, dass ernsthafte Leser es ohne vehemente Empfehlung nicht einmal wahrnehmen würden. Denen, die wegen der blonden Prinzessin auf dem weißen Pferd dazu greifen, wird die harsche Story quer im Hals steckenbleiben.

Holt es euch, wickelt es in Zeitungspapier ein, lest es.

Meg Rosoff im Onlinekatalog der Münchner Stadtbibliothek

2 Kommentare zu “Über Geld, Gerechtigkeit, Prinzessinnen und Zeitungspapier

  1. Anke Buettner on 01/06/2016 at 12:46 am sagt:

    #Ichbinfan von #MegRosoff und von Annes #Coverkritik

  2. Heidi on 02/06/2016 at 9:20 am sagt:

    okay… hört sich super an…

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