Gewitterwolkensommer

„Mein Sommer mit Mucks“ von Stefanie Höfler

Das Kinderbuch „Mein Sommer mit Mucks“ klingt wunderbar nach der in diesem Jahr so vermissten und ersehnten Sommerlaune. Doch schon nach wenigen Seiten zeigt sich, dass dieser Debütroman von Stefanie Höfler längst nicht die sommerleichte Lektüre ist, die der Titel erwarten lässt.

Mein_Sommer_mit_MucksErzählt wird die Geschichte der 12- jährigen Zonja – mit „Z“ – einem Mädchen mit ausgeprägter Neugier und enormen Wissensdurst, die deswegen in ihrer Schulklasse eine Außenseiterin ist und als Spinnerin abgestempelt wird. Um ihre Neugier zu stillen, sammelt sie – durchaus ungewöhnlich für Gleichaltrige –  Fragen, auf die sie jeden Tag eine Antwort finden will. Auf eine dieser Fragen „Was ist der wertvollste Stein der Welt?“ sucht sie bis zum Ende des Buches eine Antwort. Wohlbehütet wächst Zonja in einer liebevollen Familie auf, dem Rückzugsort, der ihr den Halt gibt, den alle Familien stets ihren Kindern geben sollten – eine Familie, die Mucks sich so sehr wünschen würde.

Denn erzählt wird auch die Geschichte von dem 12-jährigen Mucks, den Zonja im Schwimmbad kennenlernt, nachdem sie ihn aus dem Wasser gezogen hat, denn Schwimmen kann der Junge nicht. Also spielen sie im Schwimmbad Scrabble, unterhalten sich, oder schweigen miteinander und dabei wird Mucks ihr erster Freund seit Jahren. Aber etwas stimmt nicht mit dem Jungen und ein Sommer im Schwimmbad vergeht, bis sie weiß, welches Geheimnis Mucks mit sich herum schleppt: seine Mutter und er sind auf der Flucht vor dem gewalttätigen Vater. Als der Junge nach dem Sommer so plötzlich verschwindet, wie er aufgetaucht ist, ist es unglaublich berührend beschrieben, wie Zonja nun Tag für Tag vergebens auf Mucks wartet.

Eine Sache, die ich an meinen Eltern besonders mag, ist, dass sie niemals sagen, dass alles wieder gut wird. Vielleicht habe ich es mir früher mal gewünscht. Aber es stimmt nie, der Satz „Alles wird gut“. Es gibt einfach Dinge, die nie wieder gut werden können. Andere Dinge kommen und werden gut sein. Nur, Mucks bleibt verschwunden. Ich werde ihm nicht mehr das Schwimmen beibringen können, nie mehr.

Häusliche Gewalt ist ein unerträgliches Thema für ein Kinderbuch. Dennoch, und das macht das Buch so außergewöhnlich, wird diese anrührende Freundschaftsgeschichte wunderbar leise und leicht, dabei aber auch äußerst witzig beschrieben. Diese Erzählung ist für Kinder ab 10/11 Jahren geeignet und zu Recht für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 nominiert.

Von Mucks hört Zonja dann doch noch einmal, als er ihr ein Geburtstagspäckchen schickt mit der Antwort auf die Frage, nach der sie so lange suchte:

Der vermutlich wertvollste Stein aller Zeiten ist ein Kieselstein.

“Mein Sommer mit Mucks” von Stefanie Höfler im Onlinekatalog der Münchner Stadtbibliothek

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