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Stadtkultur im Shutdown: das NS-Dokuzentrum

Wie geht es den Münchner Bildungs- und Kulturinstitutionen? Wie schaffen es die Akteur*innen der Stadtkultur, für ihre Stadtgesellschaft da zu sein und weiterhin ihren Auftrag zu erfüllen? Diese und weitere Fragen stellt unser BlogSlam „Stadtkultur im Shutdown“. Alle sind herzlich zum Mitmachen eingeladen – mehr dazu gibt es hier.

Heute schreibt Dr. Miriam Zadoff, Direktorin des NS-Dokuzentrums München.

von Dr. Miriam Zadoff

Eigenartig still ist es momentan in den Räumen des NS-Dokumentationszentrums. Die Videoinstallationen der aktuellen Wechselausstellung „Tell me about yesterday tomorrow“ sind ausgeschaltet, die Kunstwerke zu ihrem Schutz mit schwarzem Stoff verhängt; auch die Dauerausstellung wurde heruntergefahren. Seit Mitte März ist das Haus wie alle städtischen Museen geschlossen.

In den Wochen davor herrschte rege Betriebsamkeit in den sechs über- und unterirdischen Geschossen des Hauses. „Tell me about yesterday tomorrow“ zog mit 46 zum Teil neuen Arbeiten internationaler Künstler*innen ein vielfältiges Publikum an – über 35.000 Menschen besuchten unser Haus in den ersten zweieinhalb Monaten des Jahres. Für unser kleines Team war die Ausstellung ein enormer Kraftakt gewesen, und wir befanden uns mitten in der Entwicklung einer Vielzahl von Vermittlungsformaten.

Aus der Ausstellung „Tell me about yesterday tomorrow“: Lawrence Abu Hamdan, Once Removed, 2019, Filmstill
Courtesy the artist

Doch dann plötzlich: Stille, Homeoffice, Zoomkonferenzen, und dazwischen bei vielen von uns Kinderbetreuung, Mahlzeiten zubereiten und Homeschooling.

Nach dem ersten Schock begann in der einen oder anderen Ecke des geschlossenen Hauses am Max-Mannheimer-Platzeine neue, rege Betriebsamkeit. Was schon seit längerem geplant war, konnte und musste plötzlich passieren: ein großer Sprung in Richtung Digitalisierung der Ausstellungen und des pädagogischen Angebots. Ilona Holzheimer, unsere Spezialistin für die Online-Kommunikation, wurde zum Mittelpunkt vieler neuer Aktivitäten im digitalen Bereich.

Innerhalb kurzer Zeit sind eine Reihe von digitalen Angeboten entstanden: etwa Filmclips, die Einblick geben in die Dauerausstellung (und eine Möglichkeit bieten, einige unserer freien Guides zu beschäftigen, solange keine Rundgänge mit Gruppen stattfinden können), ein Twitterwalk durch Wechsel- und Dauerausstellung, ein Rundgang durch unsere Ausstellung und die historische Umgebung anlässlich des 75. Jahrestags des Kriegsendes in München, eine virtuelle Gedenkveranstaltung gemeinsam mit dem Israelischen Generalkonsulat und der Berliner „Alfred Landecker Foundation“, bei der es um die aktuelle Situation von Zeitzeug*innen in der Corona-Krise ging, oder schließlich ein Panel für das Dok.fest.

Das leere Lernforum im NS-Dokuzentrum (Foto: Jens Weber)

Momentan bereiten wir schon die Wiedereröffnung des Hauses vor – mit einem an die neuen Bedingungen angepassten Betriebskonzept – wir hoffen auf Mitte Mai oder spätestens Ende des Monats. Was wir uns dafür wünschen? Dass sich unsere Besucher*innen bei uns, wie früher, wohl und sicher fühlen und wir ihnen dafür ein durchdachtes Hygiene – und Sicherheitskonzept bieten können. Auch werden wir dann viele digitale Begegnungsformate offerieren – die virtuelle Eröffnung der Ausstellung zu Harald Pickerts Arbeiten aus dem und über das KZ Dachau im benachbarten Zentralinstitut für Kunstgeschichte, die zur digitalen Podcastreihe umgestaltete Assembly – und hoffentlich auch bald wieder die Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch bei uns im Haus.

Denn unsere Themen sind gerade jetzt, in der aktuellen Situation, von großer Relevanz: Die Corona-Krise hat in vielen Ländern zu einer Krise der Demokratie geführt, sie stellt gesellschaftliche Solidarität auf die Probe und öffnet Diskussionen über den Wert des Lebens.

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