Für jede*n anders, für alle wichtig

Gute Bilderbücher im April

Gute Kinderbücher gibt es viele und jeden Monat kommen neue dazu. Die richtig guten und lesenswerten und am besten auch noch pädagogisch wertvollen Bücher sind in dieser Fülle oft schwer auszumachen. Wenn ihr in der Bibliothek seid, helfen euch die Beschriftungen der Regale mit Themen wie „Miteinander leben“ oder „Für die Kleinsten“ bei der Auswahl. Vor allem aber könnt ihr immer uns Bibliotheksmitarbeiter*innen nach Tipps fragen.

Von Diana, Stadtbibliothek Bogenhausen

Worauf achte ich bei der Sichtung neuer Bilderbücher und bei der persönlichen Auswahl? Ein erster Einstieg ist natürlich das Cover des Buchs: Finde ich es ansprechend, kindgerecht, macht es mich neugierig? Der Hauptanteil bei Bilderbüchern liegt bei den Illustrator*innen. Aber auch der Text ist wichtig und sollte die Bilder gut unterstützen. Doch gerade im Bilderbuchalter kommt es auf die Betrachtung der Bilder an und deswegen sollten diese möglichst aussagekräftig und interessant sein, ja geradezu faszinieren.

Diesen Monat habe ich eine bunte Auswahl an tollen und aus meiner Sicht empfehlenswerten Bilderbüchern für Euch – zum Thema Liebe, Diversität, Natur und Familie.

aus dem Englischen von Tatjana Kröll, Knesebeck Verlag, 32 Seiten,

Jessica Love: Julian feiert die Liebe

Julian und seine Großmutter gehen auf eine Hochzeit, und Julian ist gemeinsam mit Marisol, die auch mit ihrer Oma dort ist, sogar Teil der Zeremonie als Blumenkind. Später spielen die Kinder mit dem Hund der beiden Bräute. Während Julian von einem Baum angezogen wird, der ihn an ein Feenschloss erinnert, tollt Marisol mit dem Hund herum und ist ganz erschrocken, als sie die vielen Flecken auf ihrem hübschen Kleid sieht. Dank Julians Hilfe bekommt sie ein neues „Feen“kleid. Doch als ihre Oma kommt, befürchtet Marisol, dass diese mit ihr schimpfen wird. Aber Marisols Großmutter findet das gar nicht so schlimm und sagt nur: „Ja, Spätzchen, aber dafür hast du jetzt Flügel.“
Jessica Love hat wieder ein besonderes Bilderbuch über Individualität, Diversität und Vielfalt geschrieben und illustriert. Julian ist aus dem Vorgängerbuch „Julian ist eine Meerjungfrau“ bekannt (bereits empfohlen von Euch bei unserer Umfrage zu Diverser Literatur im Juni 2020 und von uns in der Märzfolge 2021 des Podcasts „Lesezeichen Junior).
Es ist wunderschön, wie im zweiten Buch über Julian und seine tolle Großmutter das Thema Liebe zelebriert wird.
Mit wenigen Worten, aber mit großen, ausdrucksstarken und stimmungsvollen Bildern eine absolute Empfehlung für Kinder ab 4 Jahren und für alle Liebhaber*innen und Sammler *innen von tollen Bilderbüchern.


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aus dem Englischen von Sabine Ludwig, Carlsen Verlag, 32 Seiten

Margaret Sturton: Ein Fuchs namens Henry

Der Hase Henry findet Füchse toll. So toll, dass er am Liebsten wie ein Fuchs aussehen möchte. Er bastelt sich Fuchsohren, einen Fuchsschwanz und malt sein Fell rot an. Doch Henrys Mama findet das gar nicht gut und verlangt von Henry, dass er sich wie ein richtiger Hase verhalten soll. Als Mama mal unterwegs ist und er wieder zwei Füchse beim Ballspielen beobachtet, wirft Henry sein Versprechen an Mama über Bord, zieht sich wieder wie ein Fuchs an und hat viel Spaß beim Spielen mit den anderen Füchsen. Genau da kommt Mama wieder zurück und ist zunächst sehr wütend und enttäuscht. Doch als Henry ihr lautstark klar macht, dass er kein richtiger Hase sein KANN, weil er ein FUCHS ist, wird Mama klar, dass das Wichtigste eh ist, dass es Henry gut geht – ob als Hase oder als Fuchs.
Wieder ein tolles Bilderbuch, das zeigt, wie bunt und vielfältig wir sind. Und dass man manchmal in einer Haut steckt, die sich für einen selbst fremd anfühlt, dass man trotzdem so richtig ist, wie man ist, und sich nicht verbiegen sollte.
Die Illustrationen der Autorin Margaret Sturton sind ebenso bunt wie das Leben und das Buch ist ein Plädoyer für mehr Vielfalt und Toleranz. Eine charmante und wichtige Geschichte für Kinder ab 4 Jahren.


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Moritz Verlag, 36 Seiten

Antje Damm: Die Wette

Lilo liebt Pflanzen und besucht jede Woche ihren Freund Hein in seiner Gärtnerei. Doch über das, was Pflanzen brauchen um zu wachsen, sind sie sich uneins. Also schließen sie eine Wette ab: Wessen Pflanze nach vier Wochen besser gewachsen ist, der bekommt vom anderen einen Preis. Lilo meint, dass Pflanzen Liebe brauchen und man sie gut behandeln muss, also spielt sie ihrem Pflänzchen etwas auf der Flöte vor, macht Ausflüge und liest ihm vor.
Hein ist der Meinung, dass Pflanzen nur genug Sonne und Wasser brauchen, um wachsen zu können. Wessen Pflanze da wohl am Ende besser gewachsen ist?
Antje Damm hat eine besondere Technik in ihren Bilderbüchern: Sie baut die Szenenbilder und die Figuren aus Karton, sodass sie wie ein kleines Bilderbuchtheater wirken. Andere Titel wie „Der Besuch“, „Plötzlich war Lysander da“ oder „Füchslein in der Kiste“ möchte ich an dieser Stelle auch erwähnen und sehr empfehlen. Antje Damm schafft es, mit wenigen Worten, aber umso ausdrucksstärkeren Bildern viel zu transportieren.
In diesem Buch zum Thema „Natur“ für Kinder ab 5 Jahren ist ihr das wieder wunderbar gelungen.


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Ravensburger Buchverlag, 32 Seiten

Jakob Hein: Jetzt aber dalli! Nie mehr Hektik am Morgen!

Meine Eltern denken immer, dass ich morgens so schnell aus dem Bett komme wie eine Rakete. Dabei brauche ich dafür manchmal länger.

So beginnt die Erzählung aus dem Leben einer Familie, wie es wahrscheinlich vielen bekannt ist. Die tägliche Herausforderung, dass die Kinder rechtzeitig für Kindergarten und Schule fertig sind und die Eltern zeitig zur Arbeit kommen… Dass das aber für manche (oder viele?) Kinder gar nicht so einfach ist, „Jetzt aber dalli!“ fertig zu werden, beschreibt der Autor und Kinderpsychiater Jakob Hein hier aus Sicht der Kinder. Die Illustrationen von Sabine Büchner geben das Erzählte sehr treffend wieder und lassen die Vergleiche des Kindes („wie eine Rakete“ oder das automatische Badezimmer) auf fantasievolle Weise real werden. So merkt man schnell, dass Kinder einfach ein anderes Tempo haben und es helfen kann, dies bei der morgendlichen Routine mit einzuplanen. Zum Schluss des Buchs gibt der Autor dazu auch einen Praxistipp, wie man die Hektik am Morgen vermeiden kann.
Ein realitätsnahes Thema, das Eltern und Kindern ab 4 Jahren bestimmt gefallen wird.


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Thienemann Verlag, 32 Seiten

Daniel Fehr: früh los

Jon will seinen Opa beim Wandern begleiten. Rauf auf den großen Berg soll es gehen. Ganz früh am Morgen gehen die beiden los. Gemeinsam entdecken sie Waldmäuse, lassen Steine über einen See hüpfen und genießen die Natur. Der junge Jon eilt voraus, Opa geht eher langsam und gemächlich. Immer wieder machen sie Pausen. Doch bevor sie den großen Berg erreichen, werden beide müde und kehren um. Einen schönen Ausflug hatten die beiden trotzdem zusammen.
In diesem Buch werden gleich mehrere Themen miteinander verknüpft: Natur und die Berge, Familie und die Zeit, die wir mit dieser verbringen und das Thema Jungsein und Altwerden.
Die wunderschönen Aquarell- und Buntstiftillustrationen von Lotte Bräuning zeigen diese liebevolle Geschichte über Jon und seinen Opa stimmungsvoll und beeindruckend. Eine Empfehlung für Kinder ab 4 Jahren, gerne zum Anschauen zusammen mit den Großeltern.


3 Kommentare zu “Für jede*n anders, für alle wichtig

  1. Es hat mir Freude gemacht, Ihren Blog zu lesen.

    • Corinna on 06/04/2021 at 7:51 am sagt:

      Danke fürs Feedback! Unsere Kollegin Diana schreibt monatlich hier im Blog – wir freuen uns, wenn Sie dabei bleiben!

  2. Das ist so schön, danke fürs Teilen.

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