Fluchtmärchen

„Das Mondmädchen“ von Mehrnousch Zaeri-Esfahani

Seit 2010 kaufe ich mir jährlich einen Wandkalender, mit Zeichnungen – poetisch, witzig und heiter und doch ein wenig melancholisch. Sie zählen zu den schönsten, die ich kenne. Mehrdad Zaeri heißt der Künstler.

Als ich gefragt wurde, ob ich eine Rezension zu dem märchenhaften Kinderroman „Das Mondmädchen“ schreiben könnte, war ich zunächst wenig begeistert, da ich eher ungern Kinderromane lese. Doch dann las ich den Namen der Autorin: Mehrnousch Zaeri-Esfahani – die Schwester von Mehrdad Zaeri, dem Künstler!

cover-mondmädchen

Alle Bilder: Mehrdad Zaeri-Esfahani/Knesebeck Verlag

Mehrnousch Zaeri-Esfahani erzählt in ihrem Buch die Geschichte von Mahtab, einem Mädchen, das mit ihren drei Geschwistern wohlbehütet in einem Haus mit Rosengarten in einer großen, alten Stadt aufwächst. Doch die Zeiten sind unruhig, das Land wird von einem Kaiser regiert, mit dem das Volk ganz und gar unzufrieden ist. Mahtab entwickelt ein mystisches Verhältnis zu Katzen und eine sehr lebendige Fantasie. Als sie etwa 10 Jahre alt ist, übernimmt eine Despotin, genannt „die Blutrote“, die Herrschaft über das Land. Mahtabs Familie erträgt die Repressalien nicht länger und begibt sich auf die Flucht über Asoebaichan und Hong Kali nach Yialaman, einem Land in dem „es sogar Ampeln gibt, die auf Wunsch grün werden. Dazu muss man nur auf einen Knopf drücken. Dann halten die Autos an und man kann bequem über die Straße.“

Während dieser gefährlichen Zeit auf Transportern, in der Gewalt von Menschenhändlern, in heruntergekommenen Flüchtlingsheimen, flüchtet sich Mahtab immer wieder in eine Traumwelt, in der Feen, sprechende Schwäne und fliegende Menschen den Ton angeben. Das Buch ist wunderbar aufgelockert durch vielzählige Illustrationen von Mehrdad Zaeri-Esfahani.

Befasst man sich ein wenig mit der Biografie der Autorin, wird schnell klar, dass sie in ihrem Roman „Das Mondmädchen“ die Geschichte ihrer eigenen Kindheit unter dem Schah-Regime im Iran erzählt und die anschließende Flucht vor der Schreckensherrschaft Chomeinis nach Deutschland aus der Sicht eines zehnjährigen Mädchens beschreibt. Ein sehr aktuelles Thema also, kindgerecht aufgearbeitet. Und zudem habe ich nun erfahren, wie der Künstler Mehrdad Zaeri, der mir mit seinen Kalendern seit sechs Jahren das Leben versüßt, seine Kindheit verbracht hat.

„Das Mondmädchen“ wurde 2015 für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis nominiert. Es wird empfohlen für Kinder ab 8 Jahren.

Knesebeck Verlag, 144 Seiten mit 15 schwarz-weiß-Abbildungen, 14,95 Euro

„Das Mondmädchen“ von Mehrnousch Zaeri-Esfahani im Online-Katalog der Münchner Stadtbibliothek

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2 Kommentare zu “Fluchtmärchen

  1. Achtung!
    Für jedes Jahr ein Herz:






    Danke für diesen Artikel!

    • Antje Atikmen on 06/07/2016 at 5:52 pm sagt:

      Lieber Mehrdad,

      ich danke für die sechs Herzen – hat mich wirklich sehr gefreut : )))
      Und: ich bin schon so gespannt auf dein Traumkarussell 2017.

      Grüße,

      Antje.

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