#faq, Folge 52

Wer sucht denn hier die Bücher aus?

Im umfangreichen Medienangebot der Münchner Stadtbibliothek finden sich – zumindest hoffen wir, dass dies so ist! – alle wichtigen und gefragten Neuerscheinungen, und zwar zeitnah zum Erscheinungstermin und in einer zur Nachfrage passenden Stückzahl. Manche Titel werden andererseits bewusst nicht ins Sortiment aufgenommen, wobei es hierfür die unterschiedlichsten Gründe geben kann. Wer aber ist nun dafür verantwortlich, welche Bücher (und natürlich auch alle anderen Medienarten wie Filme, CDs, Games, eBooks und vieles mehr) gekauft werden und welche nicht?

Dafür gibt es bei der Münchner Stadtbibliothek ein zentrales Lektorat, das derzeit aus 13 Spezialist_innen besteht, die jeweils für genau festgelegte Sachbereiche zuständig sind und neben einer bibliothekarischen Fachausbildung in der Regel über langjährige praktische Erfahrungen in der Bestandsarbeit von Bibliotheken verfügen.

Diese Fachlektor_innen sichten permanent alle Neuerscheinungen, und zwar nicht erst nach dem Erscheinen, sondern so früh wie möglich, das heißt im Normalfall weit vor dem geplanten Erscheinungstermin, in der Regel sobald der Verlag einen Titel in seinem Programm ankündigt. Dazu gibt es die unterschiedlichsten Hilfsmittel, meist elektronischer Art, aber auch Verlagsprospekte, Fachzeitschriften und ähnliches mehr. Gelegentlich stößt man aber auch erst nach Erscheinen auf eine Rezension, einen Zeitungsartikel oder andere Informationen zu einem aktuellen Titel oder einem älteren, der plötzlich in den öffentlichen Fokus gerät.

Auch Spiele werden von Referent_innen ausgewählt und erworben. Foto: Eva Jünger/Münchner Stadtbibliothek

Allein im Buchbereich erscheinen etwa 80.000 Titel jährlich neu, während im gleichen Zeitraum durchschnittlich 30.000 Titel aller Art tatsächlich in den Bestand der Münchner Stadtbibliothek kommen. Ursache für diese Beschränkung ist natürlich vor allem, dass der jährliche Etat für Medien endlich ist. Das zeigt, dass in vielerlei Hinsicht gefiltert werden muss. Erfahrungsgemäß lässt sich oft auch ohne ein konkret vorliegendes Buch anhand der Verlagsinformationen feststellen, ob ein Titel zu speziell, zu teuer, nicht für die Bibliotheksausleihe tauglich, für Münchner_innen nicht interessant ist oder es schlicht und einfach an der notwendigen Qualität mangelt, um in den Bestand aufgenommen zu werden. Und immer gilt es, das jeweilige Ausleihpotenzial abzuschätzen. Nicht zuletzt helfen den Lektor_innen hier auch einschlägige Kenntnisse und Erfahrungen zu Autor_innen oder dem Profil von Verlagen.

Kommt ein Titel grundsätzlich für den Bestand in Frage, gibt es mehrere Möglichkeiten wie weiter verfahren wird. Die Lektor_innen steuern den weiteren Fortgang der Erwerbung und entscheiden, ob ein Titel z.B. erst mal in einem Exemplar im Buchhandel zur Ansicht bestellt wird, um nach inhaltlicher Prüfung zu entscheiden, ob eine Anschaffung überhaupt bzw. in größerer Stückzahl sinnvoll ist. Wenn es keinen Zweifel an berechtigter Nachfrage zu einem Titel gibt, wird er gleich flächendeckend und in hoher Stückzahl (bei Bestsellern können das schnell mal 70-80 Exemplare stadtweit sein) gekauft.

In bestimmten Bereichen erstellt das Lektorat zusätzlich Vorschlagslisten für die Zweigstellen, die dann vor Ort den lokalen Bedarf abklären und eigenständig entscheiden können, welche Titel im Rahmen des vorgegebenen Etats für das Stadtviertel angeschafft werden. Das Lektorat arbeitet eng mit den einzelnen Teilen des Bibliothekssystems (von der zentralen Stadtbibliothek Am Gasteig über die Stadtteilbibliotheken und Bücherbusse bis hin zu den Sonderabteilungen) zusammen, nimmt von allen Seiten Anregungen auf und gibt diese auch an die internen Abnehmer weiter.

Nicht zuletzt können auch Benutzer_innen Einfluss auf die Zusammenstellung des Sortiments nehmen. Wird ein Titel von uns tatsächlich einmal übersehen oder nicht als zwingend notwendig angesehen, besteht die Möglichkeit auf Bestandslücken hinzuweisen und Titel über http://www.muenchner-stadtbibliothek.de/info-service/medientipps/titelwuensche/ konkret zum Kauf vorzuschlagen.

beantwortet von Ernst Zimmermann, Cheflektor

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