Einladung zum achtsamen Dialog

Der Frühstücksbus im Hasenbergl

Die Initiative „Frühlingserwachen“ hat vom 23. -26. September in München an verschiedenen Orten zu kostenlosem Frühstück und Gesprächen eingeladen. Unser Kollege Klaus hat den Frühstücksbus vor der Bibliothek im Hasenbergl besucht.

Donnerstagmorgen, kurz nach acht Uhr. Auf dem Platz vor der Stadtbibliothek Hasenbergl an der Blodigstraße hat der Wochenmarkt schon angefangen. Es ist grau, aber das Team vom Frühstücksbus ist guter Dinge und unermüdlich freundlich: „Dürfen wir sie auf einen Kaffee einladen?“
Der Frühstücksbus ist vor Ort – und absichtlich parallel zum Wochenmarkt, weil man hier Gespräche anstoßen will. Hier auf dem Wochenmarkt werde ja mehr gesprochen als zum Beispiel in Supermärkten. Über die Frage, ob man eine Rabattkarte habe, gehe es da ja kaum hinaus, bemerkt einer der Freiwilligen vom Frühstücksbus.

Die Initiative „Frühlingserwachen“ aus Friedrichshafen hat sich schon seit einigen Jahren dem „respektvollen Dialog“ verschrieben. Dafür touren sie durch die Lande, längst nicht mehr nur am Bodensee. Sondern auch hier in München. Ziel ist es mit Menschen in der Stadt in Austausch zu gehen. Zu sehen, was sie bewegt, was ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen sind. Dabei dürfen auch kontroverse Meinungen geäußert werden. Es geht nicht primär darum, zu überzeugen, sondern vor allem darum, einen „unkomplizierten zugänglichen Begegnungsraum“ zu schaffen. Durch den gemeinsamen Dialog sollen Vorurteile und Ängste abgebaut werden, denn Demokratie kann es nur geben, wenn Menschen miteinander in Kontakt kommen. Die Gespräche des Frühstücksbusses im Hasenbergl und an weiteren Standorten in der Nähe von Stadtteilbibliotheken laufen in Kooperation mit der Münchner Stadtbibliothek und im Rahmen des Netzwerks DIE VIELEN, dem die Münchner Stadtbibliothek 2019 beigetreten ist.

Einen Bus hat die Initiative „Frühlingserwachen“ in dieser Woche nicht dabei, nur einen kleinen Transporter für die Bierbänke und die transportablen Pavillons. Es gibt außer Kaffee auch Tee oder Mineralwasser und verschiedene Teilchen vom Bäcker. Manche ältere Passantinnen schlagen die Einladung aus, weil sie schon einen Kaffee gehabt haben. Aber andere kommen gerne: eine junge Frau aus Nigeria oder ein mittelalter Mann, der sich nach dem Gespräch mit einem kernigen „mir ham scho‘ g’redt“ verabschiedet. Und auch ein paar seiner Kumpel, die sich oft vom Platz vor der Bibliothek vertrieben fühlen …

Nein, Corona sei an diesem Vormittag nicht ihr Hauptthema, sagt mir eine junge Frau von der Dialog-Initiative. Am Tag vorher in Pasing sei das durchaus anders gewesen. Zwischendurch kommen ein paar Schülerinnen eines Deutschkurses, die ihr Lehrer geschickt hat. Für sie ist es eine einfache Gelegenheit, ihr neu erworbenes Wissen auszuprobieren. Es beeindruckt mich, wie offen alle Beteiligten in diese Unterhaltungen gehen, als wäre es normal, mal eben an einem herbstlichen Morgen mit Fremden über die Dinge zu sprechen, die eine*n gerade bewegen.

Respektvoll miteinander zu reden, auf diese Weise unterschiedliche Ansichten zu kontroversen Themen auszutauschen und vielleicht durch das Gespräch einen gemeinsamen Nenner zu finden, zwischen verschiedenen Kulturen für Verständnis zu werben, diese Grundidee von „Frühlingserwachen“ kann auch hier im Hasenbergl umgesetzt werden – unabhängig davon, ob sich die Interessierten nur einen Kaffee abholen oder tatsächlich in den Dialog gehen. Der einzige, der sich aufregt, ist einer der Händler, weil er den Eindruck hat, ich würde ihn und seinen Kunden fotografieren. Doch ansonsten ist die Atmosphäre entspannt. „Wie geht’s denn?“ oder „Dürfen wir Sie einladen …“, das reicht als Gesprächseinladung.
Als ich gehe, hat auch der Regen aufgehört und die Sonne schaut durch die Wolken. Da kommen sicher noch ein paar gute Gespräche zustande.

Initiative „Die Vielen“ Bayern im Internet: dievielen.de/erklaerungen/bayern/
Initiative Frühlingserwachen im Internet: fruehlingserwachen.org/

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