Die Letzten ihrer Art

„Das letzte Nashorn“ von Lodewijk van Oord

Eine Welt ohne Nashörner bei Lodewijk van Oord wird sie Wirklichkeit. Was ist geschehen?

Irgendwann in der nahen Zukunft sind so gut wie alle Nashörner weltweit ausgerottet. Das Horn ist als Potenz- und Heilmittel extrem begehrt, und so haben Wilderer die Tierfamilie bis an den Rand des Aussterbens gebracht. Einige wenige Tiere leben noch in Zoos, aber die Chancen für ihren Fortbestand stehen schlecht.

Für den Amsterdamer Tierpark „Artis“ sollen sie jedoch die Rettung bedeuten. Zoodirektor Edo Morell kämpft mit sinkenden Besucherzahlen und angriffslustigen Investoren. Deshalb muss ein neues Konzept her: weg vom angestaubten Tier-Schaugarten, hin zum Themenpark-Event für die ganze Familie. Zentrum des neuen Zoos soll die Afrika-Welt sein, und deshalb muss Edo Morell bei einigen Tierarten nachrüsten. So wird statt der Asiatischen Elefanten eine Herde Afrikanischer Elefanten angeschafft, die Gehegearchitektur wird ganz neu gestaltet, und als besondere Attraktion will der Direktor einige der letzten lebenden Nashörner organisieren.

Für die fachkundige Betreuung der Afrika-Welt engagiert Edo Morell die südafrikanische Nashorn-Expertin Sariah Malan. Die engagierte Forscherin mit niederländischen und afrikanischen Wurzeln steckt mitten in einer familiären Krise und nutzt die Chance, der Situation zu entkommen. Edo Morell fühlt sich zu ihr hingezogen, und es dauert auch nicht lang, bis sich Chef und Angestellte näherkommen. Nach einiger Zeit beginnt es jedoch zu kriseln zwischen den beiden Sariah will Edos hemmungslos marktorientierte PR-Maßnahmen nicht mehr mittragen. Schon die Ankunft der Nashörner wird als weltweites Medienereignis inszeniert, und als nach einiger Zeit Nashornweibchen Ursula von Wilderern getötet wird, übertreffen die Pläne des Zoodirektors ihre schlimmsten Befürchtungen…

Artenschutz und Zootierhaltung das sind die großen Themen des ersten Romans von Autor Lodewijk van Oord. Zwar sind nicht alle Nashornarten so akut vom Aussterben bedroht, wie es im Buch dargestellt wird, aber viele andere Großsäugetiere stehen vor einem ähnlichen Schicksal. Interessant wird es, wenn Lodewijk van Oord die Frage stellt, was genau denn so schlimm wäre, wenn das letzte Nashorn aussterben würde. Für wen wäre das ein wirkliches Problem? Und wie können Tierschützer, Zoomitarbeiter, Biologen die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren? Manchmal kann sich der Roman nicht ganz entscheiden, was er will Liebesgeschichte und private Schicksale der Protagonisten ufern bisweilen etwas aus. Starke Momente gibt es aber immer dann, wenn die großen Fragen nach Richtig oder Falsch, Gut oder Schlecht gestellt werden. Ein locker geschriebenes und gleichzeitig fachlich fundiertes Buch, empfohlen für alle Tier- und Naturliebhaber!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Post Navigation