Community-Music ohne Community?

#kulturslammuc – Stadtkultur im Shutdown

Wie geht es den Münchner Bildungs- und Kulturinstitutionen? Wie schaffen es die Akteur*innen der Stadtkultur, für ihre Stadtgesellschaft da zu sein und weiterhin ihren Auftrag zu erfüllen? Diese und weitere Fragen stellt unser BlogSlam „Stadtkultur im Shutdown“. Alle sind herzlich zum Mitmachen eingeladen – mehr dazu gibt es hier.

Heute: Sing ein Lied in Deiner Stadt

von Michael Metzger, Sing ein Lied in Deiner Stadt

Corona nimmt uns bei voller Fahrt den Wind aus den Segeln. Gerade jetzt, wo die Freude an der Musik so hilfreich sein könnte!

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Volle Segel vor Corona

Kleine Rückblende auf den November 2019: „Sing ein Lied in Deiner Stadt“ bekommt den Innovationspreis Volkskultur der Landeshauptstadt München, Ehrung im vollbesetzten Rathaussaal, Urkunde von OB Dieter Reiter, Laudatio vom Kulturreferenten Anton Biebl, Zuspruch vom Ältestenrat der Stadt.

Wow! Einem gerade mal drei Jahre jungen ehrenamtlichen Projekt gibt sowas schon ordentlich warmen Wind in die Segel. Herzlichen Dank an die Abteilung Volkskultur im Münchner Kulturreferat! Unter voller Fahrt und bei bester Laune haben wir zum Jahresanfang 2020 den Kurs deshalb auf etwas Neues und Größeres gesetzt: Nicht nur eines, sondern erstmals zwei unserer Events im Jahr zu spielen. Und vor allem – was noch keiner weiß, hiermit aber verraten sei – für den Herbst plan(t)en wir Größeres.

Totalflaute kurz vor dem Ziel

Dann kam Corona – und jetzt sieht es bei uns an Bord ungefähr so aus: Trotz der großen Flaute versuchen wir, auf Kurs zu bleiben, Sonne an Deck, alle Ohren am Weltempfänger. Ursprünglich war unser nächster Abend für Ende April geplant, es gab tolle Anmeldungen, und der Vorverkauf lief gut. Mit unserem Veranstalter Bellevue di Monaco haben wir für Samstag, den 4. Juli, zum Glück einen Ersatztermin gefunden, aber wird ein Konzert mit über 100 Leuten da schon wieder möglich sein? Und falls nicht, dann könnte man ja auch streamen, oder? Dazu muss man aber wissen: „Sing ein Lied in Deiner Stadt“ lädt 16 bis 18 Münchner*innen ohne Casting und ohne Wettbewerb dazu ein, ihr Lieblingslied nach nur einer Probe auf einer professionellen Bühne zu singen – da stünden dann also Sänger*innen ohne Bühnenerfahrung vor einer Videokamera in einem leeren Raum.

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To stream or not to stream?

Für einen Livestream am 4. Juli spricht, dass wir einfach unser Bestes geben könnten, um trotz Corona unser Musizieren zu den Menschen nach Hause zu bringen. Gegen das Streamen aber spricht: Alles an „Sing ein Lied in Deiner Stadt“ ist auf die Unmittelbarkeit der Begegnung ausgerichtet. Zwischen unseren Teilnehmer*innen untereinander und mit der Band. Aber natürlich auch mit dem Publikum! Das alles löst ja erst diese herrliche Freude aus, die wir bei unseren Konzerten regelmäßig erleben. Nicht zuletzt haben wir genau dafür sogar einen Innovationspreis bekommen. Geht das wirklich auch online?

Ob der Zauber der musikalischen und menschlichen Begegnung mit unseren Laiensänger*innen auch in einem menschenleeren Raum vor einer schnöden Videokamera entstehen kann, wäre mal eine erste Frage. Die meisten unserer Teilnehmer*innen hatten vorher noch nie ein Mikrofon in der Hand. Und wie das über, pardon, schmal klingende Smartphone- oder Computerlautsprecher einem vereinzelten Heimpublikum Herz und Sinne wärmen soll – das wäre dann noch die nächste Frage. Für Erfahrungswerte und Empfehlungen sind wir hier übrigens dankbar – noch haben wir ja ein wenig Zeit.

Social Media auf neuen Wegen

Ein überraschende Bereicherung durch Corona gibt es auch schon: Auf unseren Social-Media-Kanälen kommunizieren wir nicht mehr nur das eigene Projekt, sondern ganz allgemein die positive Wirkung der Musik an sich. Wussten Sie, dass man beim Singen weniger Angst spürt? Dass der Stresshormonlevel von Cortisol sinkt? Und dass dafür das Wohlfühlhormon Oxytocin verstärkt im Gehirn ausgeschüttet wird? Mit solchen Beiträgen versuchen wir, unserem Publikum die wohltuende und sogar angst- und stresslösende Wirkung der Musik in diesen emotional aufreibenden Tagen näher zu bringen.

Größere Pläne für den Herbst

Und dann wäre da noch die Sache mit dem Herbst. Es bereitet uns riesige Vorfreude, mit unserem Schiffchen Ende Oktober erstmals einen etwas größeren Hafen anzusteuern. Aber wird das dann schon wieder erlaubt und möglich sein? Und wie um Himmels Willen wollen wir eigentlich diesen Laden voll bekommen, wenn bis dahin die Windflaute anhält und das Unbehagen vor Konzerten mit deutlich mehr als 100 Leuten noch in allen Knochen steckt?

Zum großen Glück muss niemand von uns mit „Sing ein Lied in Deiner Stadt“ seine Miete bezahlen. Ehrenamt bedeutet ja von Haus aus unbezahlte (und ungezählte) Arbeitsstunden. Wobei auch an dieser Stelle dem Münchner Kulturreferat für Rat und Tat gedankt sei. Natürlich sorgt uns die prekäre und existentiell bedrohliche Situation vieler MusikerInnen, Veranstalter*innen und Clubs! Und natürlich beschäftigt uns auch die Frage, wie wir unser Format dem Ausnahmezustand so anverwandeln können, dass Münchnerinnen und Münchner auch jetzt etwas davon haben. Ist Streamen da wirklich schon die beste Lösung oder können wir noch kreativer werden?

Anmelden bis 4. Juni und das Beste hoffen

Bis auf Weiteres bleiben wir guten Mutes auf unserem Kurs: Für das geplantes Konzert am Samstag, den 4. Juli, im Bellevue di Monaco kann man sich mit seinem Lieblingslied kostenlos bis Donnerstag, 4. Juni, anmelden. Einfach ein Aufnahme mit dem Handy machen und per Mail an singeinliedindeinerstadt@email.de schicken. Ob am Ende dann gestreamt wird oder nicht, entscheidet sich noch.

Alle Infos unter:

www.singeinliedindeinerstadt.de

www.facebook.com/singeinliedindeinerstadt

www.instagram.com/singeinliedindeinerstadt

Fotos: www.winklerbild.de


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