besonders sein – gemeinsam handeln

Gute Bilderbücher im Juni

Gute Kinderbücher gibt es viele und jeden Monat kommen neue dazu. Die richtig guten und lesenswerten und am besten auch noch pädagogisch wertvollen Bücher sind in dieser Fülle oft schwer auszumachen. Wenn ihr in der Bibliothek seid, helfen euch die Beschriftungen der Regale mit Themen wie „Familie“ oder „Gefühle“ bei der Auswahl. Vor allem aber könnt ihr immer uns Bibliotheksmitarbeiter*innen nach Tipps fragen.

Von Diana, Stadtbibliothek Bogenhausen

Wenn ich ein Bilderbuch anschaue, entscheidet neben den sehr wichtigen Illustrationen natürlich auch die erzählte Geschichte darüber, ob ich ein Bilderbuch mag und es Euch dann hier empfehle. Eine Geschichte kann dabei deswegen gut sein, weil sie eine tolle Botschaft hat. Oder sie erinnert mich an etwas, was ich selbst erlebt habe. Oder sie greift ein Thema auf, das jedes Kind kennt. Wichtig ist, dass beim Betrachten und Lesen Emotionen hervorgerufen werden – Lachen und Freuen, aber auch Tränen und Rührung.
In diesem Monat haben es folgende fünf Bücher aufgrund ihrer Geschichte und ihrer tollen Bilder geschafft, dass ich sie Euch empfehlen möchte.

Jumbo Verlag, 40 Seiten

Ilan Brenman: Komm, wir wollen spielen!

Paul spielt gerne – am Handy oder mit seiner Spielkonsole. Auch seine Schwester spielt gerne, und zwar dass sie mit Meerestieren tanzt, wenn sie badet. Oder sein Freund Markus, der ein Weltraumabenteuer erlebt. Immer wieder fragen seine Freunde und Familienmitglieder, ob Paul mitspielen will – der aber antwortet jedes Mal: „Ich spiele doch schon.“ Dass er dadurch große Abenteuer verpasst, merkt er gar nicht. Erst als Oma und Opa vorschlagen einen Familienzirkus zu gründen, spielt auch Paul mit und hat einen Riesenspaß dabei…
Smartphone und andere Technologien gehören zum heutigen Alltag vieler Kinder dazu. Dieses Bilderbuch ist ein Plädoyer für einen bewussten Umgang damit. Denn was macht Kinder richtig glücklich? Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, in Fantasiewelten einzutauchen und Abenteuer zu erleben. Die Illustrationen von Rocio Bonilla sind wie in ihren anderen Bilderbüchern wieder farbenfroh, verspielt und fantasievoll. Für Kinder ab 4 Jahren.


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aus dem Englischen von Paul Maar, Friedrich Oetinger Verlag, 40 Seiten, auch im englischen Original sowie in griechischer Sprache

Steve Small: Mit dir ist sogar Regen schön

Es war einmal eine Ente, die mochte kein Wasser.

So beginnt die Geschichte einer besonderen Ente, die am liebsten alleine daheim ist. In einer stürmischen Nacht steht auf einmal ein Frosch vor ihrer Tür, der nicht mehr den Weg nach Hause findet. Die Ente lässt ihn herein und will ihm am nächsten Tag dabei helfen, sein Zuhause zu finden. Doch das ist gar nicht so einfach und der Frosch bleibt mehrere Tage bei der Ente. Als dank des Pelikans doch noch der Weg nach Hause gefunden werden kann, freut sich die Ente für den Frosch. Doch wieder allein ohne ihren neuen Freund, das mag die Ente nun auch nicht mehr sein…
Ein wunderbares und liebevolles Bilderbuch zum Thema Freundschaft. Die Illustrationen des Autors sind bunt, ausdrucksstark und einfach herzig. Übersetzt wurde das Buch von Paul Maar. Eine Empfehlung für Kinder ab 4 Jahren.


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ellermann Verlag, 25 Seiten

Sinem Sasmaz: Und wo sind meine Punkte?

Herr Gepard geht gut gelaunt spazieren, als er auf Frau Zebra trifft. Diese weist ihn arrogant darauf hin, dass ein Gepard doch eigentlich Punkte auf dem Fell haben sollte. Das verunsichert und ärgert den Geparden so sehr, dass er sich auf die Suche nach seinen Punkten macht. Vielleicht haben die Giraffe oder der Pfau diese gestohlen? Wütend stellt er ein Tier nach dem anderen zur Rede. Nach und nach lässt seine Wut nach und er merkt, dass er trotz fehlender Punkte ein richtiger Gepard ist und gut ist, genau so wie er ist.
Es ist egal, was andere von einem denken. Jede*r ist gut, so wie er/sie ist! Diese Botschaft vermittelt das Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren mit einer in Afrika angesiedelten Geschichte über einen Geparden, der durch die Aussage eines anderen in eine Sinnkrise gestürzt wird. Die Gefühle des Geparden sowie die afrikanische Landschaft werden durch die fröhlichen und farbenfrohen Illustrationen von Leonard Erlbruch wunderbar transportiert. Ein tolles Buch mit einer wichtigen Botschaft.


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Hanser Verlag, 24 Seiten

Katja Reider: Bestimmer sein: Wie Elvis die Demokratie erfand

Im Dschungel geht es hoch her: die Tiere streiten und brüllen. Jeder will der Bestimmer sein. Doch so kann es nicht weiter gehen. Das kleine Erdmännchen Elvis hat eine tolle Idee: Es werden Wahlen durchgeführt und so entschieden, wer die anderen Tiere vertritt.
Die Themen Demokratie und Wahlen werden hier kindgerecht und sehr anschaulich schon für Kinder ab 4 Jahren in einer unterhaltsamen Geschichte vermittelt. In Reimform erfährt man hier, was es für Vorteile hat, wenn demokratisch entschieden wird und nicht einfach nur die Größten oder Stärksten unter uns das tun. Die großflächigen bunten Illustrationen von Cornelia Haas haben mich dabei besonders begeistert. Fast sieht man einen kleinen Film ablaufen und meint, dass die Tiere sich wirklich bewegen und Geräusche machen.
Ein prima Buch im Superwahljahr und passend auch zum Tag der offenen Gesellschaft am 19. Juni.


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Simon & Schuster Verlag, 30 Seiten, in englischer Sprache

Tom Percival: The Invisible

Isabel versucht immer das Positive zu sehen. Auch wenn bei ihrer Familie das Geld so knapp ist, dass sie im Winter nicht heizen können. Und erst recht nicht, um ins Kino oder einfach shoppen zu gehen. Doch Isabel weiß, dass sie ihre Familie hat und dass das alles ist, was sie braucht. Als dann aber aufgrund der begrenzten Mittel ein Umzug in eine ziemlich trostlose Gegend nötig wird, verliert Isabel nach und nach ihre Fähigkeit, das Gute zu sehen. Mehr und mehr verschwindet sie in der Menge der Menschen und wird unsichtbar. Doch nun sieht sie auch andere unsichtbare Menschen und beginnt, ihnen zu helfen. Gemeinsam schaffen sie es, aus der trostlosen Wohngegend eine schöne Nachbarschaft zu machen.

And that was how Isabel made something very special. One of the hardest things that anyone can ever make… Isabel had made a difference.

Es passiert nicht allzu oft, dass ich hier englische Bilderbücher empfehle, die es (noch) nicht in deutscher Ausführung gibt. Doch dieses Bilderbuch hat mich so berührt und beeindruckt, dass ich es JEDEM ans Herz legen möchte.
Die Geschichte eines Mädchens, das sich unsichtbar fühlt und trotzdem nicht aufgibt und sogar anderen ihre Lebensfreude zurück gibt, ist sehr besonders. Der britische Autor und Illustrator Tom Percival schreibt im Nachwort, dass die Geschichte auf seiner eigenen Lebensgeschichte basiert. Auch er fühlte sich als Kind oft einsam und unsichtbar. Eines der Dinge, die ihm geholfen haben, war zum Beispiel der Bücherbus, der regelmäßig in seine Nachbarschaft kam und bei dem er sich so viele Bücher kostenlos ausleihen konnte, wie er wollte. Und er schreibt, dass aktuell alleine in Großbritannien vier Millionen Kinder in Armut leben.
Dieses Bilderbuch ist für mich ein Appell, auf die unsichtbaren Kinder und Menschen in unserer Gesellschaft zu achten und jedem/jeder das Gefühl zu geben: Ja, du gehörst dazu! Eine absolute Empfehlung für Kinder ab 3 Jahren und deren Eltern.


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