Ausgesucht oder reingeschlittert

Doris Hoch 5: Neu eingetroffen im Februar

Regelmäßig stellt euch unsere Belletristik-Referentin Doris eine Auswahl lesenswerter Neuerscheinungen vor: bemerkenswerte Romane, jenseits von Bestsellerlisten und Amazon-Fünf-Sterne-Bewertung, die das Lesen lohnen, weil sie neue Perspektiven eröffnen, unerhörte Geschichten erzählen, Ausnahmen auf dem Buchmarkt darstellen. Für mehr Bibliodiversität und Vielfalt im Regal!

Ein Klick aufs jeweilige Cover führt in unseren Onlinekatalog zum Ausleihen oder Vormerken.

Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki, Zsolnay Verlag, 304 Seiten

Claudia Durastanti: Die Fremde

Claudia Durastani erzählt die Geschichte ihrer Familie: Ihre gehörlosen Eltern sind in den sechziger Jahren nach New York ausgewandert. Claudia kommt in Brooklyn zur Welt und als kleines Mädchen zurück in ein abgelegenes Dorf in Italien. Mit Büchern bringt sie sich selbst die Sprache bei, die ihr die Eltern nicht geben können. Aus allen Facetten dieses Andersseins hat die Autorin einen außergewöhnlichen Roman gemacht. Von den euphorischen Geschichten einer wilden italoamerikanischen Familie in den Sechzigern bis ins gegenwärtige London. Auf der Shortlist für den Premio Strega. „Claudia Durastantis Roman ist eine Rettungsboje in den dunklen Gewässern der Erinnerung.“ (Ocean Vuong)


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Aus dem Spanischen von Svenja Becker, Suhrkamp Verlag, 220 Seiten

Camila Sosa Villada: Im Park der prächtigen Schwestern

Hass verjagt Camila von zu Hause. Sie geht in die Stadt, auf der Suche nach einem Ort, an dem sie feiern kann, was sie ist: trans. Sie trifft ihresgleichen, wird Teil einer Wahlfamilie aus Prostituierten und Marginalisierten. Und gemeinsam feiern sie die Liebe und den Rausch. Im Widerstand gegen eine Gesellschaft, die sie verachtet. Camila Sosa Villada, geboren 1982 in der argentinischen Provinz Córdoba, gehört zu den prominentesten Gesichtern der Trans-Gemeinde in Lateinamerika. „Im Park der prächtigen Schwestern ist ein zärtliches Zeugnis jener konkreten Poesie, die sich am Rande unserer rechtschaffenen Welt mit ihrem Korsett voller Regeln abspielt …“ (Marielle Kreienborg, taz)


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Rowohlt Verlag, 382 Seiten

Ulrike Sterblich: The German Girl

Mona ist jung, hübsch und gerade nach New York gezogen, um Karriere zu machen. Doch die Stadt, die niemals schläft, hat nicht auf sie gewartet. Mit dem aus Berlin vor den Nazis geflohenen „Dr. Feelgood“ Max Jacobson, der die Stadt mit seinen „Vitamin-Spritzen“ versorgt, webt sich ein zweiter Faden in die Geschichte: Ein Patient liegt eines Tages tot in seiner Wohnung. Ein Gerichtsmediziner beginnt zu recherchieren. Ulrike Sterblich lebt in Berlin. „Ihr literarisches Debüt führt nun in das flirrende New York der 60er-Jahre, und das gelingt ihr so mitreißend und überzeugend, dass man beim Lesen ständig versucht ist, die Musik jener Zeit aufzulegen…“ (Felix Müller, Berliner Morgenpost)


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Aus dem Französischen von Thomas Schultz, C.H.Beck Verlag, 333 Seiten

François Garde: Der gefangene König

Murat scheint untauglich für ein zivilisiertes Leben. Als er der Armee beitritt, verhelfen ihm seine Unangepasstheit und sein Übermut jedoch zu einer schnellen Karriere in den französischen Revolutionskriegen. Napoleon selbst wird auf den unermüdlichen Soldaten aufmerksam, schenkt ihm zunehmend Vertrauen und Verantwortung und macht ihn schließlich zum König von Neapel. Doch genauso rasch wie Napoleons Aufstieg vollzieht sich auch sein Fall – und mit ihm der seiner Anhänger: Murat wird zum Tode verurteilt. „Was für ein großartiger Verlierer, was für eine liebenswerte Figur, aus der Francois Garde einen Romanhelden gemacht hat.“ (Livres Hebdo)


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hanserblau Verlag, 255 Seiten

Alem Grabovac: Das achte Kind

Smilja schuftet als Gastarbeiterin in der Schokoladenfabrik, ihr Mann Emir landet später im berüchtigten Gefängnis Goli Otok in Jugoslawien. Nach der Geburt ihres Sohnes Alem trifft Smilja eine folgenschwere Entscheidung: Ihr Baby wächst bei einer strengen deutschen Pflegefamilie mit sieben eigenen Kindern auf. Erst als Erwachsener macht sich Alem auf die Suche nach seinem leiblichen Vater. Der Autor wurde 1974 in Würzburg geboren und lebt mit seiner Familie in Berlin. „Diese Geschichte handelt davon, wie innig die Suche nach Identität, der Wunsch, frei und geborgen zu sein und mitgeschleppte Mentalitäten ineinander verflochten sind. Ein bemerkenswertes Buch.“ (Ulrich Kühn, NDR Kultur)


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