Eine Reise durch ein Jahrhundert
Am 12. Oktober 1925 öffnete die Volksbibliothek Schwabing erstmals ihre Türen – und wurde schnell zu einem lebendigen Treffpunkt für Literatur, Bildung und Kultur. Heute, 100 Jahre später, blicken wir zurück auf eine bewegte Zeit, die von Krisen, Neubeginn und stetigem Wandel geprägt war.
Ein Anfang voller Aufbruchstimmung
„Schmucke, in lebensfrohen Farben gehaltene Räumlichkeiten bergen reiche Schätze aus der Literatur und Geisteswelt.“
Münchener Post vom 13. Oktober 1925
So begrüßte die Münchner Presse die Eröffnung der Stadtbibliothek Schwabing am Montag, den 12. Oktober 1925, in der Winzererstraße – der heutige Standort des Stadtarchivs. Die Bibliothek war der erste Standort der Münchner Stadtbibliothek außerhalb der Altstadt – und entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Ort des Wissens.
1929: Umzug in die Hohenzollernstraße
Den damaligen Münchner*innen erschien der Standort in der Winzererstraße schnell zu abgelegen. 1929 zog die Bibliothek deshalb in die Hohenzollernstraße 16, wo sie bis heute zu Hause ist. Ein Jahr später wurde dort auch eine Jugendbibliothek eröffnet. Die Münchner Presse war begeistert vom Umzug: Besonders war damals, dass sie die erste Stadtbibliothek mit einem Zeitungslesesaal war.
„Die neue Bibliothek zählt nunmehr über 20.000 Bände.“
Bayerische Staatszeitung vom 23. August 1929
„Die breiten Massen finden hier fast kostenlos alles Rüstzeug, mit dem sie sich für alle möglichen Aufgaben wappnen können. (…) In den Lesesälen liegen ca. 130 Zeitungen und 100 Zeitschriften auf.“
Münchener Post vom 23. August 1929



Zwischen Zensur, Krieg und Wiederaufbau
Während der NS-Zeit musste die Stadtbibliothek Schwabing schwierige Jahre durchstehen: Bücher wurden verbrannt, Medien verbannt und der damalige Direktor der Münchner Stadtbibliothek, Hans Ludwig Held, wurde mit sofortiger Wirkung entlassen. Trotz des ideologischen Drucks konnte die Bibliothek nach dem Krieg wieder öffnen, um sich als Ort der Bildung und des kulturellen Austauschs neu zu definieren.



Eine Liste aus dem Jahr 1933 mit allen Büchern, die nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten „(…) aus der Bibliothek ausgeschieden (…)“ werden mussten.
Die Nachkriegszeit: Ein neuer Alltag
In den darauffolgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Bibliothek von einer Volksbibliothek zu einem modernen Wissenszentrum. Der Lesesaal, die Jugendbibliothek sowie vielfältige Angebote machten sie zu einem zentralen Treffpunkt im Viertel.
„Erich Stedlmayer, Leiter der Bücherei, berichtet, in Schwabing gebe es die anspruchsvollste (…) Leserschar.“
Süddeutsche Zeitung vom 7. April 1959
„Die Buben und Mädchen werden hier wie Erwachsene behandelt. Sie lieben es meist gar nicht, bei ihrem Besuch von den Eltern begleitet oder gar bevormundet zu werden.“
Süddeutsche Zeitung vom 7. April 1959


Vom Umbau zur Moderne
Umbauten, Renovierungen und technische Innovationen prägten die folgenden Jahrzehnte. Vom Multimedia-PC in den 1990er Jahren bis hin zu digitalen Angeboten heute: Die Stadtbibliothek Schwabing hat sich kontinuierlich weiterentwickelt.
Ein Beispiel für ihre Beliebtheit: Nach einem Umbau 1971 wurden am ersten Tag der Wiedereröffnung fast 3.000 Bücher von den Kund*innen ausgeliehen.
„Als die Bücherei kurz vor Weihnachten nach sechswöchiger Umbauzeit wieder eröffnet wurde, zeigte sich besonders deutlich, was sie den Schwabingern bedeutet: 2.859 Bücher konnten gleich am ersten Tag ausgeliehen werden.“
Süddeutsche Zeitung vom 30. Dezember 1971

Die Stadtbibliothek Schwabing heute
Heute steht den rund 10.000 aktiven Nutzer*innen eine Fläche von 620 Quadratmetern mit über 37.000 Medieneinheiten zur Verfügung. Im Jahr 2024 verzeichnete die Bibliothek 151.619 Besucher*innen und insgesamt 440.066 Ausleihen.
In den letzten Jahren investierte die Bibliothek gezielt in ein modernes Umfeld: Ein 24/7-Rückgabeautomat oder ein Studio für Veranstaltungen sowie zahlreiche Kooperationen mit Schulen und Kultureinrichtungen zeigen, wie sehr sie sich als Ort der Teilhabe versteht.


100 Jahre Lesefreude in Schwabing
Von den „lebensfrohen Räumlichkeiten“ der 1920er über die Herausforderungen der NS-Zeit und der Wiedereröffnung bis hin zum digitalen Zeitalter: Die Stadtbibliothek Schwabing ist seit 100 Jahren ein fester Bestandteil des Viertels – und wird es auch in Zukunft bleiben.

100 Jahre Stadtbibliothek Schwabing
Großes Jubiläumsprogramm
Von 6. Oktober bis 24. November
Stadtbibliothek Schwabing


Erstmal Gratulation zu 100 Jahre Bibliotheksarbeit in Schwabing!
Das Bild, das die Außenfassade im Jahr 1974 zeigen soll, ist später entstanden, nach dem nächsten Umbau Anfang der 80er Jahre. Bei diesem Umbau wurde im Schaufenster diese im Bild zu sehende, ziemlich massive Holzkonstruktion eingebaut.
Vielen Dank für die Glückwünsche und für den Hinweis! Tatsächlich haben wir bei unserer Recherche hier wohl ein falsches Jahr angegeben. Wir haben die Bildunterschrift im Beitrag korrigiert. Danke und viele Grüße, Ihre Münchner Stadtbibliothek