Witwe Malone und Gaelic Football

Hannah O’Brien: „Irisches Verhängnis“ und „Irisches Roulette“

Verbrechen sind in Irland keineswegs unbekannt, auch wenn die Krimis der Autorin Hannah O’Brien eher beschaulich daher kommen. Doch gerade das macht ihren Reiz aus.

Im ersten Band der neuen Serie – Titel: „Irisches Verhängnis“ – kehrt Grace O’Malley zurück in ihr Heimatland Irland. Sie hat mehrere Jahre in Dänemark verbracht und übernimmt nun die Leitung des Morddezernats in Galway. In ihrem ersten Fall dreht sich alles um Clans und Familie, auch um ihre eigene.

Familie ist immer irgendwie auch ein Komplott, finde ich. Die drinnen halten zusammen gegen die da draußen.

Zu ihrem Entsetzen muss sie feststellen, dass sie den neuen Job nur bekommen hat, weil ihr Onkel Jim – ein mächtiger Lokalpolitiker – die Finger im Spiel hatte. Zu ihrem Glück steht ihr als Kollege Rory Coyne zur Seite. Er ist eine äußerst liebenswerte Figur – hingebungsvoller Ehemann und Vater von sechs Töchtern. Außerdem besitzt er das zweite Gesicht, diese Gabe hat er “Witwe Malone” getauft.

„Mit Orten kennt sich die Witwe aus“, hatte er schon häufig versichert, „da funktioniert sie wie ein exzellenter, keltischer Profiler.“

irisches_rouletteAls Grace ihren Dienst antritt, geschehen zwei Dinge: Eine junge Frau wird ermordet in der Geisterbahn aufgefunden und Grace Tochter Roisin verschwindet. Roisin wächst bei Graces Bruder in dessen Familie auf. Obwohl Graces Verhältnis zu ihrer Tochter nicht eng ist, macht sie sich große Sorgen. Parallel dazu ermittelt sie in dem Mordfall, der viel mit den Familien- und Clanstrukturen in Irland zu tun hat. Anteil an der Lösung des Falls hat auch der Privatdetektiv Peter Burke, spezialisiert auf Wirtschaftsangelegenheiten.

Im zweiten Fall „Irisches Roulette“ geht es um Wettbetrug. Auch hier findet zunächst ein Mord statt, in den der Zwillingsbruder von Rory Coyne, Graces Kollegen, verwickelt ist. Grace und Rory lernen so einiges über Wechselwetten und Schiebereien im Pferdesport. Völlig unbekannt war mir „Gaelic Football“, eine Sportart, die Elemente von Fußball und Rugby aufweist und ein höchst kompliziertes Regelwerk hat. Ein Paradies für die Wettmafia. Auch bei diesem Fall steht Grace der Privatdetektiv Peter Burke zur Seite, der so einiges über die Geschäfte seiner Mutter erfährt.

Hannah O’Briens Krimis sind wie ein erholsamer Kurztrip nach Irland. Es gibt Landschaftsbeschreibungen, ein bisschen Folklore, interessante Charaktere. Es ist kein Krimi, der einem nachts den Schlaf raubt, aber immerhin so spannend, dass man noch miträtseln kann, wer der Mörder ist und wie alles zusammenhängt. Eine kleine Auszeit auf der Grünen Insel eben.

Hannah O’Brien: Irisches Verhängnis / Irisches Roulette, dtv Verlag, je ca. 400 Seiten, je 9,95 Euro

Hannah O’Brien im Onlinekatalog der Münchner Stadtbibliothek

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Anke

Sachbücher über Geschichte und Gesellschaft gefallen mir. Romane lese ich rasant und in rauen Mengen. Nur Liebesgeschichten lasse ich links liegen.

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