What’s my age again?

“California”  von blink-182 (CD)

Nach über 20 Jahren Bandgeschichte, einer Trennung, einer Wiedervereinigung und einem erneuten Zerwürfnis legt (Pop-)Punkband blink-182 endlich wieder ein Album vor, auf dem sie überwiegend klingen wie in den alten Zeiten – und das sogar mit einem neuen Bandmitglied.

Mein erstes Album der dreiköpfigen Band aus San Diego hieß wie sie selbst, „blink-182“. Das war im Jahr 2003 und das Trio, welches damals noch aus Mark Hoppus (E-Bass und Gesang), Travis Barker (Schlagzeug) und Tom DeLonge (Gitarre und Gesang) bestand, hatte bereits seinen großen Durchbruch gehabt: 1999 erschien „Enema of the state“, das berühmte Songs wie „What’s my age again?“ oder „All the small things“ enthielt und mehrfach Platin-Auszeichnungen bekam. Nachdem sich die Band im Jahr 2005 trennte, versuchte man es ab 2009 nochmals miteinander. So entstand 2011 das textlich eher düstere und grundsätzlich ernst anmutende „Neighborhoods”. Gitarrist und Sänger Tom DeLonge verließ im Anschluss darauf die Band endgültig. Ihn ersetzt auf dem neuen Album „California“ Matt Skiba von der Punkband Alkaline Trio.

Blink182_California_ADA-320x32016 Stücke sind auf dem inzwischen siebten Album zu hören. Beim ersten Anhören, während der Heimfahrt musste ich mir redlich Mühe geben, nicht allzu verwirrt in der U-Bahn dreinzuschauen: Der Gesang zu Beginn von „Cynical“, Lied Nummer Eins, klingt exakt so, als ob der Sänger von Coldplay, Chris Martin, der personelle Neuzugang wäre. Die Verwirrung verfliegt spätestens ab Sekunde 0:36, das schnelle Schlagzeug und die Gitarre haben den typischen blink-Sound, und mein kleines Fanherz füllt sich mit Freude. Bei „Bored To Death“, der ersten Singleauskopplung, ist gesanglich vornehmlich Hoppus zu hören, und mir wird ganz melancholisch zumute.

Dieses Gefühl von leichter Verwirrung, Melancholie und Begeisterung hält sich durch das ganze Album: Ein paar der Lieder klingen wie direkt in den 90ern geschrieben und produziert (mein persönlicher Favorit Rabbit Hole, Kings Of The Weekend oder Bored To Death). Eine eher anrührende Ballade, die an „Adams song“ oder „Missing you“ erinnert (Home Is Such a Lonely Place) ist ebenfalls vertreten, genauso wie das obligatorische Liebeslied (das wunderbare The Only Thing That Matters).

blink-182, denen man nicht zu Unrecht einen gewissen „Klohäuschen-Humor“ (meine freundliche Übersetzung für den englischen Ausdruck „toilet humor“) in einigen ihrer Texten nachsagt, halten sich mit hierfür typischen Liedern auf diesem Album eher zurück (ein wenig ist bei den kurzen Brohemian Rhapsody und Built This Pool zu hören). Lieder wie „San Diego“, „Los Angeles“ oder das titelgebende „California“ fügen sich in das angedeutete Konzept des Albums zwar schön ein, bleiben aber nicht im Gedächtnis. Die Texte sind wie von Blink gewohnt eingängig, handeln von Freundschaft, (unerwiederter) Liebe, Verlust, der Familie, dem anderen Geschlecht und von der Welt im Allgemeinen. Matt Skiba als Neuling fügt sich nicht nahtlos, aber passend in das Tom DeLonge-förmige Loch ein. Der Kontrast seiner Stimme zu der von Mark Hoppus ist zwar geringer als die seines Vorgängers, doch es tut alles andere als weh, den beiden zuzuhören.

Insgesamt ein tolles Album, dem man anmerkt, dass es der Band wohl viel Spaß gemacht hat, es aufzunehmen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob (die neuen) blink-182, die bereits so viel Erfolg hatten, an diesen noch einmal so ähnlich anknüpfen können. An mir soll es jedenfalls nicht liegen.

 

“California” im Online-Katalog der Münchner Stadtiblbiothek

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Eva

Wer meine Texte gelesen hat, weiß, dass ich nach München pendle, keine Horrorfilme und kein Fleisch mag und kurz vor dem Mauerfall geboren wurde. Etwas, dass ich folglich nicht gut kann: mich zurückhalten! 🙂 Wirklich gut hingegen kann ich organisieren und mit Leuten. Abseits von der Arbeit und meinem Lesesofa (egal welches Genre, immer her mit Comics und Graphic novels!), trifft man mich am ehesten noch beim Skaten, auf Konzerten oder im Kino: nach Lesen meine zweitgrößte Leidenschaft.

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