#faq, Folge 54

Was haltet ihr von der Wikipedia?

Vor genau 17 Jahren, am 15. Januar 2011, wurde die Wikipedia gegründet, ein „gemeinnütziges Projekt zur Erstellung einer Enzyklopädie in zahlreichen Sprachen mit Hilfe des Wikiprinzips“ (Wikipedia über Wikipedia). Die Idee, ein User Generated Lexikon auf die Beine zu stellen, traf bei vielen Menschen auf Begeisterung, die sich auch gleich ans Mitschreiben machten. Andere sahen die Entwicklung deutlich kritischer und skizzierten die bekannten Gefährdungsszenarien: Wenn da alle mitmachen können, dann … sinkt die Qualität/steht Unsinn drin/fehlen die Belege/öffnen wir Fake News Tür und Tor etcpp. Auch viele Bibliotheken, das soll hier nicht verschwiegen werden, gaben sich anfangs eher distanziert.

Doch das Verhältnis hat sich längst geändert, auch weil wirklich niemand mehr die Augen davor verschließen kann, welch beeindruckende Ergebnisse die Wikipedia-Community vorweisen kann. Die Wikipedia rechtfertigt ihre Existenz ja nicht dadurch, dass sie so viel genutzt wird, sondern vor allem dadurch, dass ein Gutteil ihrer Artikel mittlerweile von hoher Qualität ist (weswegen sie ja so viel genutzt wird …). Nicht selten bietet die Wikipedia mittlerweile den besseren – ausführlicheren, tiefgehenderen, quellenreicheren – Lexikonartikel als andere, und vor allem ist sie aktueller und zeitgenössischer als jede gedruckte Enzyklopädie. Was natürlich nicht heißt, dass alles stimmt, was in der Wikipedia steht, und auch hinsichtlicher der Geschlechtergerechtigkeit gibt es zweifellos noch einiges zu tun – umso lieber laden wir die Wikipedianerinnen und Wikipedianer zu uns ein, damit sie einem interessierten Publikum erklären, wie die Wikipedia funktioniert und wie man sich daran beteiligen kann und wo noch Änderungsbedarf ist.

So illustrierte man Weltwissen bisher. Genügt heute das Logo der Wikipedia? (Foto: Alex Block on Unsplash)

Wie sich das Wissen in der Wikipedia neu oder zumindest anders organisiert, betrachten wir mit Neugier; zugleich sind wir stets darauf bedacht, unsere Nutzerinnen und Nutzer zu einem kritischen Blick anzuregen (wie gegenüber allen anderen Medien natürlich auch). Die Veranstaltungen mit und über die Wikipedia dienen also nicht nur der Teilhabe und der Medienkompetenz, sondern auch dem Abbau von Vorurteilen. Bei Lehrerinnen und Lehrern zum Beispiel – aber nicht nur bei ihnen – beobachten wir oft noch große Skepsis gegenüber der Wikipedia, manchen gilt sie gar als absolutes No-Go, obwohl heutige Schülerinnen und Schüler völlig selbstverständlich damit arbeiten und wir den Umgang damit auch für richtig und notwendig halten. Es kommt, wie gesagt, eben immer darauf an, dass man aufmerksam bleibt für die Gemachtheit des Ganzen und den Blick hinter die Kulissen nicht scheut. Denn auch in Sachen Transparenz setzt die Wikipedia Maßstäbe für Enzyklopädien, schließlich kann man das Entstehen jedes Artikels vom ersten Wort bis zur aktuellen Fassung nachvollziehen. Allein wegen dieser Innovation – den Prozess der Wissensformierung sicht- und einsehbar zu machen – muss man der Wikipedia herzlich gratulieren: Alles Gute also zum 17. Geburtstag!

Beantwortet von Katrin Schuster, Digitale Kommunikation

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