Überleben

The Survivalist – ein Film von Stephen Fingleton

Die Welle der Endzeitszenarien in Buch und Film scheint einfach nicht abzuebben. “The Survivalist” passt vom Setting her in diese Sparte, tatsächlich handelt es sich aber um ein psychologisches Drama.

Die Handlung ist schnell erzählt – in einer Grafik ganz zu Beginn wird angedeutet, dass irgendwann nach dem letzten Jahrtausendwechsel die weltweite Erdölproduktion eingebrochen ist und kurz darauf die Erdbevölkerung auf einen Wert nahe Null schrumpft. In einer Hütte im Wald lebt ein namenloser Einsiedler, der sich mit seinen angebauten Nutzpflanzen mehr schlecht als recht am Überleben hält. Eines Tages tauchen zwei Frauen auf und bitten um Nahrung und Unterkunft. Der Einsiedler, der vom Aussehen und Verhalten her eher an einen Berufssoldaten als an einen Farmer erinnert, akzeptiert die Neuankömmlinge. Im Gegenzug geht die jüngere Frau, Milja, mit ihm ins Bett. Mit der Zeit entwickelt sich nun ein fragiles Zusammenleben zwischen dem Einsiedler, Milja, der Tochter, und Mutter Kathryn. Weil die kleine Farm aber nur zwei Personen ernähren kann, wird bald klar, dass irgendjemand sterben muss.

“The Survivalist” ist kein Abenteuerfilm, kein Science-Fiction-Horrorstreifen und schon gar kein Whodunnit-Thriller. Er ist eine intelligente Studie über das brüchige Miteinander zwischen Menschen, die alle zuerst nur eins wollen: Durchkommen um jeden Preis. Jeder ist sich selbst der Nächste. Faszinierend, wie etwa der Einsiedler in den ersten Tagen alle Bewegungen der Frauen mit geladenem Gewehr verfolgt, weil er so voller Misstrauen gegenüber allen Mitmenschen ist. Sowieso wird kaum gesprochen in “The Survivalist”. Gesten und Blicke ersetzen langatmige Gespräche. Was soll man auch reden in einer Welt, in der die sogenannte Zivilisation nicht mehr existiert und man zurückgeworfen ist auf seine elementaren Bedürfnisse? Im Gedächtnis bleiben auch die Traumbilder des Einsiedlers hängen, und wie Milja versucht, ihr ungeborenes Kind mit Hilfe eines rostigen Drahtes abzutreiben.

Ein Film ohne Fazit oder Moral, aber trotzdem oder gerade deswegen höchst sehenswert.

“The Survivalist” im Online-Katalog der Münchner Stadtbibliothek

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Kai

Weil ich zum einen seit letztem Jahr systematisch meine gelesenen Bücher aufschreibe und zum anderen sehr gerne Bestenlisten von allem und jedem erstelle, kommen hier die fünf Titel, die mir 2016 am besten gefallen haben. Platz 1: Rocko Schamoni, “Tag der geschlossenen Tür”: weil ich meine Türen auch immer am liebsten zumache. Platz 2: Stephen King, “Finderlohn”: weil King hier mal wieder zur Höchstform aufläuft und zeigt, was für ein großartiger Geschichtenerzähler er sein kann. Platz 3: Alexander von Schönburg, “Weltgeschichte to go”: weil ich von Geschichte und ihrer Interpretation einfach nicht genug bekommen kann (siehe meine Rezension des Buchs hier im Blog). Platz 4: John Steinbeck, “Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika”: weil mich die Geschichten und Erlebnisse von Steinbeck so fasziniert haben und das Buch eine schöne Zeitreise in die USA der 60er-Jahre ist. Platz 5: Friedrich Dürrenmatt, “Die Panne: Eine noch mögliche Geschichte”: weil es schlicht und einfach eine total spannende Erzählung ist.

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