Riskantes Spiel mit den Synapsen

“Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter” (Game)

Es ist noch keine zwei Jahre her, als mein Allerliebster etwas mit nach Hause brachte, das zwei seiner „Lieblings-“ miteinander verknüpfen sollte: Seine Lieblingsfrau und sein Lieblingshobby, Gaming. Da er ein schlauer Mann ist und sich mein Faible für Sherlock Holmes zunutze machte, ging der Plan auf: Ich war völlig begeistert von „Sherlock Holmes: Crimes & Punishments“. Seit Anfang Juni gibt es einen neuen Teil der Serie, den ich natürlich sofort spielen musste!

Draußen zeigt der Sommer mal wieder, wie regnerisch er sein kann, drinnen habe ich es mir mit „Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter“ für die PlayStation 4 bequem gemacht. „The Devil’s Daughter“ ist der Nachfolger von „Crimes & Punishment“, ein Spiel das ich geliebt habe. Die spannenden Fälle und spektakulären Morde, der trockene Humor der Figuren sowie die liebevoll gemachte Szenerie und Details, machen diese Spielreihe zu etwas ganz Besonderem. Ich habe hohe Erwartungen an „The Devil’s Daughter“ und bin entsprechend gespannt. Das Cover und der tolle Trailer (der allerdings fälschlicherweise vermuten lässt, das Spiel würde sehr ins Übernatürliche abdriften) lassen Gutes hoffen.

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“The Devil’s Daughter” gehört zur Spielreihe “The Adventures of Sherlock Holmes” des Spielentwicklers Frogwares und wurde von Bigben Interactive herausgegeben. Fünf Fälle sind es, die man als Sherlock Holmes im Oneplayer-Modus zu lösen hat. Diese beginnen unterschiedlich – zum Beispiel suchen mich Beteiligte in der Bakerstreet 221 B auf, die ich gemeinsam mit Dr. Watson und Hund Toby bewohne, um mir ihr Leid zu klagen, oder ich werde zum Schauplatz des Verbrechens gerufen. Über eine Übersichtskarte kann ich leicht unterschiedliche Orte in und um das viktorianische London aufsuchen. Gleich wie im Vorgänger ist die Analyse der Figuren geblieben, die ich korrekt abschließen muss, um wichtige Details zu deren Leben zu erhalten und die passenden Fragen bei Gesprächen stellen zu können. An neuen Orten beziehungsweise Tatorten angelangt, muss ich diese untersuchen und mit Verdächtigen sprechen und aufgrund der Hinweise, die ich dort bekomme, Schlussfolgerungen ziehen. Sherlock hat hier einen besonderen Trick, den Detektivblick, der ihm – einmal aktiviert – ermöglicht, wichtige Objekte oder Spuren nicht zu übersehen. Zudem kann er einen besonderen Visualisierungsblick einsetzten, der ihm hilft, Tathergänge zu rekonstruieren. Je nachdem, welche Logik ich anwende, kann ich direkt in Sherlocks Hirn Synapsen entsprechend verknüpfen, sodass er auf ganz neue Ideen kommt und sich das Spiel in unterschiedliche Richtungen entwickelt.

Schon beim Anspielen fällt sofort die verbesserte Grafik auf, die Mimik der Charaktere ist noch besser geworden, die Bilder plastischer. Die Macher haben Holmes und Watson um einiges jünger gemacht – Dr. Watson habe ich erst auf den zweiten Blick erkannt. Die Figuren sind inzwischen auch synchronisiert, zuletzt war nur Englisch mit Untertiteln möglich. Bei der Analyse der Charaktere muss man jetzt noch aufmerksamer sein – man bekommt zum Beispiel die Möglichkeit, auszuwählen, ob ein Junge geweint hat oder nur eine Bindehautentzündung hat. Wer falsch auswählt, kann diese Deutung nicht mehr rückgängig machen, und es entgehen dem Spieler wichtige Hinweise. Durch diese Neuheiten fühlte ich mich im Spiel gleich viel weniger heimisch.

Nicht ganz neu, aber vermehrt treten so genannte „Quick-Time Events“ auf, Minispiele, die absolviert werden müssen. Man kann diese überspringen, erhält dann aber keine Trophäen. Solche Minispiele, die man als Sherlock, aber auch in der Rolle anderer Beteiligter spielt, gab es im Vorgänger auch – allerdings weit weniger als im aktuellen Teil. Auch der Wechsel der Perspektive ist häufiger, so spielt man manchmal auch Dr.Watson, den Straßenjungen Wiggins, der Sherlock ab und an zu Diensten ist, oder Hund Toby, der zum Beispiel Fährten aufnimmt. Das gefällt mir weniger gut, war es doch der “altmodische” Spiele-Charme der mich im Vorgänger so begeistert hat, in der Logik an erster Stelle stand. Diese Actionsequenzen, die vermehrt eingeschoben werden, wirken, als ob man sich zu viele Anleihen aus anderen Spielen geholt hat.

Nach den ersten paar Stunden in Sherlocks Welt begeistert mich das Spiel wieder sehr – die intelligente, witzige Art der Umsetzung entschädigt für diese „Frischzellenkur“ die Erstspielern sowieso nicht auffallen wird. Die Rätsel, die es zu lösen gilt, und die Logik, die man dafür aufwenden muss, machen einfach großen Spaß – es ist doch vieles vom erfolgreichen Vorgänger erhalten geblieben. So beschattet, belauscht, verhört und kombiniert man sich durchs Spiel – in dem auch geschossen und geprügelt wird. Zum Ende der Fälle kann man die entsprechenden Synapsen in Sherlocks Hirn verbinden und einen Schuldigen bestimmen – doch aufgepasst, vor der Endsequenz erfährt man nicht, ob er oder sie es wirklich war. So kann man auch Unschuldige bestrafen oder töten lassen.

Und was den Titel angeht: Sherlock hat eine Adoptivtochter, die es in einem der Fälle vor bösen Mächten zu retten gilt, mehr kann ich aber aus Spoiler-Gründen aber wirklich nicht verraten. Meinen hohen Erwartungen ist “Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter” mehr als gerecht geworden und ist allen Freunden von Abenteuerspielen sehr empfohlen.

“Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter” by Frogwares/BigBen, PlayStation, USK ab 12

“Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter” im Onlinekatalog der Münchner Stadtbibliothek

 

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Eva

Wer meine Texte gelesen hat, weiß, dass ich nach München pendle, keine Horrorfilme und kein Fleisch mag und kurz vor dem Mauerfall geboren wurde. Etwas, dass ich folglich nicht gut kann: mich zurückhalten! 🙂 Wirklich gut hingegen kann ich organisieren und mit Leuten. Abseits von der Arbeit und meinem Lesesofa (egal welches Genre, immer her mit Comics und Graphic novels!), trifft man mich am ehesten noch beim Skaten, auf Konzerten oder im Kino: nach Lesen meine zweitgrößte Leidenschaft.

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