Der Ruhm der Geschlechter

Meg Wolitzer: Die Ehefrau (Roman)

Joan Castleman, eine gut situierte Frau beschließt 11.000m über dem Atlantik, ihren Mann Joseph nach vielen Ehejahren zu verlassen. Mit diesem Paukenschlag eröffnet Meg Wolitzer ihren provokativen und zugleich dank feiner Ironie auch amüsant zu lesenden Roman über eine Ehe und den amerikanischen Literaturbetrieb, der dem europäischen in den aufgezeigten Strukturen ähnlich sein dürfte.

Joseph Castleman soll für sein schriftstellerisches Werk in Helsinki einen renommierten (fiktiven) Literaturpreis entgegen nehmen, der nur knapp unterhalb des Literaturnobelpreises angesiedelt ist. Joan hat ihr reichlich vorhandenes literarisches Talent 40 Jahre lang nicht zu ihrem eigenen Ruhm genutzt.
Warum nur?

wolitzer_ehefrauDieser Frage geht Meg Wolitzer nach und deckt dabei scharfsichtig die Lebenslügen und faulen Kompromisse in Joans auf den ersten Blick so angenehmen Leben auf. Nach diesem schon fesselnden Beginn erfolgt eine Rückblende in die 50er Jahre am Smith College und ins Greenwich Village während der ersten turbulenten Beziehungsphase, in denen Joan scheinbar das Leben führt, das sie immer angestrebt hat. Schließlich verlässt ihr Literaturprofessor Frau und Kind, um seine junge Studentin Joan zu heiraten. Es kommen die gemeinsamen Kinder zur Welt, und man etabliert sich in einem äußerst kultivierten Milieu. Doch wie sieht es in ihrem Inneren aus angesichts der ständigen außerehelichen Eskapaden ihres inzwischen berühmten Mannes und angesichts seines literarischen Ruhms – der eigentlich wem zusteht? „Er war Joseph Castleman, einer jener Männer, denen die Welt gehört. Sie kennen diese Sorte Mann: diese wandelnden Werbebanner für sich selbst,…“

Das Endes des Romans hat es in sich: Joseph stirbt ganz überraschend in Helsinki; das wie und wo ist grandios inszeniert, und es kommt schließlich das gut gehütete Geheimnis des Ehepaares ans Tageslicht. Sie ahnen es bereits?

In den USA ist dieser mitreißende Roman bereits 2003 erschienen und hat rein gar nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Männliches und weibliches Schreiben – wie (unterschiedlich) wird es in der Literaturkritik wahrgenommen und beurteilt? Eine Frage, die der Autorin offensichtlich am Herzen liegt, und der sie zum Glück ohne Missionierungseifer nachgeht.

Meg Wolitzer wurde 1959 in Long Island, New York geboren als Tochter der Autorin Hilma Wolitzer. Sie studierte am Smith College und an der Brown University Kreatives Schreiben. Verheiratet ist sie mit dem Autor Richard Panek.

Meg Wolitzer: Die Ehefrau. DuMont Verlag, 270 Seiten.

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Ute

Lieblingsbücher: amerikanische Gegenwartsliteratur / Freizeit: Laufen, Yoga Schwimmen und natürlich Lesen. Gelegentlich geht's auch mal ins Theater oder Kino / Lieblingsland: Spanien und seine Sprache sowie Kultur / Lieblingstiere: Pferde. Ich würde gerne wieder regelmäßig reiten / Berufswunsch: (früher) Lehrerin oder Bibliothekarin. Nach meinen Erfahrungen bin ich heute sehr froh, als Bibliothekarin arbeiten zu dürfen. Da ich auch die PraktikanInnen und Auszubildenden mitbetreue, kann ich mich trotzdem noch pädagogisch austoben.

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