Reading Challenge 2018: Lesen verbindet!

Woher bekommen wir eigentlich unsere Buchtipps? Wer entscheidet darüber, was wir als nächstes lesen? Die einen fragen die beste Freundin, die anderen ihren Lieblingsbibliothekar; die einen schwören auf die Rezensionen in der Süddeutschen Zeitung, die anderen auf die Besprechungen in ihrem Lieblingsblog. Das ist auch alles gut und schön – aber wie soll es uns dann jemals gelingen, jenseits der eigenen Filterblase zu lesen, wenn wir immer nur diejenigen fragen, deren Geschmack wir ohnehin teilen? Unser Vorsatz für 2018 lautet deshalb: ander(e)s lesen.

Weil wir an die verbindende Kraft von Literatur glauben, rufen wir hiermit dazu auf, im neuen Jahr genau jene Bücher zu lesen, die man womöglich nie empfohlen bekommt. Bücher, die vom Leben in fernen Ländern oder anderen Erfahrungswelten erzählen. Bücher, die man vorschnell links liegen lässt oder für die man sich irgendwie nie die Zeit nimmt.

In den USA sind so genannte Reading Challenges sehr beliebt, weil sie genau dazu dienen sollen: um Horizonte zu erweitern, um sich selbst zum Überschreiten von Grenzen – sowohl thematisch als auch quantitativ – zu motivieren und um der eigenen Lektüre eine sinnvolle Struktur zu verleihen (ohne sie gleich bürokratisch verwalten zu müssen).

Die Reading Challenge “Lesen verbindet!” der Münchner Stadtbibliothek umfasst zwölf Punkte – für jeden Monat einen, wobei die Reihenfolge natürlich völlig euch überlassen bleibt. Wir werden jedenfalls in jedem Monat mit einer kleinen Liste hier im Blog dazu beitragen, dass euch der Stoff nicht ausgeht. Auf Pinterest findet ihr alle Reading-Challenge-Empfehlungen auf einen Blick – die Pinnwände füllen sich nach und nach.

Und hier sind die zwölf Aufgaben: Lies …

1 … einen Roman einer afrikanischen Autorin oder eines afrikanischen Autors

Auch heute noch ist unser Bild des afrikanischen Kontinents geprägt von allerlei Klischees: Korruption, Bürgerkrieg, Hungersnöte. Doch was erzählen Afrikanerinnen und Afrikaner eigentlich über ihren Kontinent? Die Literatur ist reichhaltig – also lesen wir sie!

2 … eine ungeliebte Schullektüre

Schiller, Goethe, Grass und wie sie alle heißen: In der Schule war man von den Pflichtlektüren oft gelangweilt. Ganz ohne Grund stehen sie allerdings nicht auf dem Lehrplan – also findet heraus, warum das so ist! Zehn oder zwanzig Jahre später sagen einem diese Bücher oft mehr, als man damals ahnte.

3 … eine Graphic Novel

Lange Zeit galt gezeichnete Literatur als minderwertig; erst in den vergangenen Jahren hat sich der Comic in Gestalt der Graphic Novel ein wenig Ruhm erarbeiten können. Tatsächlich gibt es da Geschichten zu entdecken, die mehr Tiefe und Bedeutung bieten als mancher Roman.

4 … einen Fantasy-Roman

Mystery und Fantasy werden oft als banal belächelt oder als politisch prekär denunziert. Aber stimmt das denn? Lest doch einfach mal selbst!

5 … ein Buch, das von homo- oder transsexueller Identität handelt

Transgender und Homosexualität sind aktuell zentrale Themen des öffentlichen Diskurses – aber was weißt du eigentlich darüber?

6 … ein Zufallsbuch

Geht in die Buchhandlung oder die Bibliothek eures Vertrauens und greift in eurem Lieblingsbereich einfach blind ins Regal: mitnehmen und lesen! Noch mehr Tipps dazu gibt es im Juni hier im Blog 🙂

7 … einen Roman einer asiatischen Autorin oder eines asiatischen Autors

Asien ist einer der großen Unbekannten in der Anstrengung um die Zukunft der Welt. Die Literatur von diesem Kontinent ist spannungsreich und aufregend wie nur wenige.

8 … ein Buch zum Thema Behinderung

Alle reden von Inklusion – aber was heißt das eigentlich? Dass der Aufzug immer funktioniert oder dass man nicht mehr davon spricht, dass Menschen in den Rollstuhl „gefesselt“ seien? Bücher zum Thema gibt es viele – lesen wir sie doch einfach mal!

9 … ein Roman aus einem Kleinverlag

Der Buchmarkt in Deutschland neigt zur Konzentration – umso wichtiger, dass man die Talente und Qualitäten der ÜberzeugungstäterInnen zur Kenntnis nimmt!

10 … einen Gedichtband

Du denkst, Lyrik ist nichts für Dich: zu kompliziert und unverständlich? Wir meinen, dass gerade das Gegenteil stimmt: Kein anderes Genre ist so offen für die Interpretationen seiner Leserinnen und Leser.

11 … einen dystopischen oder utopischen Roman

Welche Fiktionen zeichnen Schriftstellerinnen und Schriftsteller von der Zukunft? Was bleibt, was vergeht? Die Visionen von Künstlerinnen und Künstlern öffnen ungeahnte Perspektiven.

12 … einen Buch über die UreinwohnerInnen der USA

Es dauerte tatsächlich bis ins 21. Jahrhundert, dass die wahre und ganz und gar nicht schöne Geschichte hinter amerikanischen Traditionen wie Thanksgiving bekannt wurde. Die UreinwohnerInnen der USA haben eine andere Geschichte des Kontinents zu erzählen – es wird Zeit, dass wir sie lesen!

Infografik im PDF-Format zum Download

The following two tabs change content below.

Katrin

Als Kind wollte ich Bibliothekarin oder Journalistin werden - nach dem Literatur-Studium entschied ich mich zunächst für Letzteres. Um dann doch wieder in einer Bibliothek zu landen: Seit 2015 bin ich in der Münchner Stadtbibliothek verantwortlich für die digitale Kommunikation (und damit auch für dieses Blog hier). Mein großes literarisches Interesse gilt (zumindest aktuell) der postkolonialen Literatur, vor allem vom afrikanischen Kontinent.

12 Kommentare zu “Reading Challenge 2018: Lesen verbindet!

  1. Christiane on 12/01/2018 at 6:53 pm sagt:

    Eine schöne Idee. Ich bin dabei und stelle mich der Herausforderung.
    Eigentlich wollte ich in 2018, den Lesestapel, der sich bei mir angesammelt hat, schrumpfen. Er wird dann wohl langsamer schrumpfen als gedacht, denn zu den Themen der Readiung Challenge findet sich dort wenig bis nichts. Was ja wiederum der Idee der Reading Challenge entspricht, einfach mal die bekannte Wege zu verlassen.

    • Katrin on 12/01/2018 at 8:27 pm sagt:

      Perfekt, liebe Christiane, ich freu mich sehr, dass du dabei bist! Und darüber, dass der Stapel nochmal höher wird 😉

  2. Das ist eine gute Idee. Ich bin dabei.

  3. j.buff on 16/01/2018 at 11:42 pm sagt:

    ich spiel auch mit 🙂 was muß ich denn da tun – außer lesen???

    • Katrin on 17/01/2018 at 8:56 am sagt:

      Super, dass du dabei bist!
      Außer lesen musst du nichts machen! 🙂
      Es wird bestimmt einige geben, die ihre Punkte abhaken oder Buch führen über die erledigten ‘Aufgaben’ – aber darum geht es uns nicht. Wir wollen nur zum Horizonte-Überschreiten und Filterblasen-Sprengen anregen, und das soll jede/r auf seine/ihre Weise tun 🙂

  4. j.buff on 17/01/2018 at 9:54 am sagt:

    priml – ich weiß wenigstens schon, welches Buch ich in der Schule am meisten gehaßt habe 😎

  5. Anke Buettner on 31/01/2018 at 8:38 pm sagt:

    Ich lese mit. Schummle mich aber erst mal durch den Januar.

  6. Ranjith on 26/02/2018 at 4:19 pm sagt:

    Ich bin interessiert! Gibt es Buchempfehlungen?

  7. Was ist wenn ich die Hälfte der Challenge schon geschafft habe und es ist immer noch Februar?

    • Katrin on 27/02/2018 at 9:25 am sagt:

      Dann nochmal von vorne 😉 Wir haben ja zu jeder Aufgabe recht viele Bücher vorgeschlagen bzw. werden viele vorschlagen – kennst du die alle schon?!

  8. Vanessa Pérez on 29/04/2018 at 9:30 am sagt:

    Sehr gute Idee!

Leave a Reply to Marlene Neumann Cancel reply

Post Navigation

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Close