Pflaumensaft, Killerbärinnen und andere Gefahren des Erwachsenwerdens

Ryan Gebhart: Bärenschwur. Gelesen von Sebastian Rudolph

Wann wird ein Mann ein Mann? Diese Frage stellt sich in jeder Generation, jedem Kulturkreis immer wieder neu. Übergangsrituale und Möglichkeiten der Bewährung helfen, und erfahrene Erwachsene – auf keinen Fall die eigenen Eltern.

Eigentlich ist Brighton Tyson’s bester Freund, aber seit Brighton nur noch Fußball im Kopf hat, übernimmt eher Grandpa Gene diese Rolle – der im besten Sinne verrückte und im besten Sinne coole Gramps, der seinen verbeulten Cowboyhut auch in der Kirche nicht absetzt und mit jeder Frau in der Rodeo Tavern tanzt. Zu seinem dreizehnten Geburtstag hat sich Tyson einen Jagdausflug mit Gramps gewünscht, um mit ihm seinen ersten Wapiti zu schießen und vielleicht sogar einem Grizzly zu begegnen.

baerenschwur--hoerbuchDas vorbereitende Reinigungsritual – jeder kippt so viel Pflaumensaft wie er schafft und dann Wettrennen zum Klo – hat bereits stattgefunden, das Ende der Jagdsaison steht bevor, es sollte jetzt also mal losgehen. Doch der unzerstörbare Gramps wird von seinen Nieren im Stich gelassen und muss plötzlich umziehen in ein Seniorenheim mit Dialysegerät. Der Plan, die Jagdwaffen in der Sporttasche dort einzuschmuggeln und dann mit dem verbeulten Pickup einfach abzuhauen, scheitert relativ weit im Vorfeld, der Jagdausflug scheint in weite Ferne gerückt.

Der sogenannte beste Freund Brighton hängt nicht nur mit lauter neuen Freunden ab, sondern blamiert Tyson auch vor denen und vor dem Mädchen, das Tyson im Stillen gut findet.
Nicht aus Versehen, sondern geplant.
Verrat auf der ganzen Linie.

Dann tut sich überraschend doch eine Möglichkeit auf, wie Gramps und Tyson ihren Traum wahrmachen können – Gramps guter Draht zu den Frauen spielt hier eine entscheidende Rolle …

Tyson schießt seinen ersten Wapiti, bricht ihn selbst auf und wird von der sagenumwobenen Killerbärin Sandy verletzt. So wird ein Mann ein Mann!

Und er erfährt, dass Frauenheld Gramps mit 18 das erste Mal geküsst hat.
Es ist also noch Zeit.

Das Hörbuch wird von Sebastian Rudolph gelesen, einem erwachsenen Schauspieler. Das könnte ein Problem geben mit der Ich-Perspektive des Textes, tut es aber nicht. Er bringt die Unsicherheiten, Stimmungs­schwankungen und heimlichen Gedanken des 13jährigen Tyson überzeugend rüber und stellt sich ganz in den Dienst der Story.

Bärenschwur im Onlinekatalog der Münchner Stadtbibliothek

Debattenreihe Kontrovers der Münchner Stadtbibliothek am 26. April: Wilde Kerle, sanfte Helden – : Was Jungs lesen wollen und was sie zu lesen bekommen

5 Fragen an Ryan Gebhart (Aladin Verlag)

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Anne

Am liebsten bin ich draußen. Am zweitliebsten bin ich draußen. Am drittliebsten lese ich Bücher über draußen (Hörbücher sind auch ok). Einsiedlerin ist kein Beruf, also bin ich Bibliothekarin geworden – damit ist Nachschub für Platz 3 gewährleistet. Platz 4 belegt seit einem Jahr Sauerteigbrotbacken. Faszinierend! Platz 5 wechselt mehrmals täglich. P.S. meine Mutter war Bibliothekarin P.P.S. meine Großmutter war Bibliothekarin (da hieß es noch “Bücherfräulein”) P.P.P.S. mein Vorbild ist Knolle Murphy 🙂

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