Was ist eigentlich Glück?

Meg Mitchell Moores Roman “Eine fast perfekte Familie”

Was wollen die Hawthornes eigentlich mehr: Beide verdienen in ihren Jobs richtig gut; Nora als Immobilienmaklerin in der Bay Area von San Francisco und ihr Mann Gabe als Consultant. Tochter Angela steht als Jahrgangsbeste ihrer High School im Frühbewerberverfahren für Harvard, aber zugleich auch unter einem enormen Leistungsdruck. Und dann gerät für Nora ein Achtmillionendeal vollkommen außer Kontrolle; eine scheinbar nur kleine Unaufmerksamkeit der Multi-Tasking-Mutter, allerdings mit weitreichenden Folgen. Gabe wiederum wird von einer Praktikantin regelrecht gestalkt, und sie droht, sein bislang sorgsam gehütetes Geheimnis zu lüften. Mit Konsequenzen für seine Reputation in der Firma und ganz besonders vor Angela und ihrer Konzentration so ausschließlich auf Harvard …

cover_mitchell_familie
Auch die beiden jüngeren Töchter plagen sich mit ihren ganz eigenen Problemen, wobei die Legasthenie des Nesthäkchens noch das am leichtesten zu schulternde ist. Das so scheinbar perfekte Familienleben weist also immer mehr Risse auf, bis letztendlich einschneidende Konsequenzen auf die Hawthornes zukommen. Zunehmend spannend wird die Story aus der Sicht der wichtigsten Protagonisten vorangetrieben, und man bleibt von der Lektüre in der Tat nicht unberührt – bietet doch „Eine fast perfekte Familie“ gerade für LeserInnen mit eigener Familie jede Menge Identifikationsvorlagen bzw. Momente des Wiedererkennens. Zudem ist es ein wirklich aufschlussreicher Roman nicht nur über amerikanisches Familienleben, sondern auch über die dortige Arbeitswelt mit ihren für Europäer so z.T. ganz anderen Gepflogenheiten. In den USA besitzt „pursuit of happiness“, also das Streben nach Glück gar Verfassungsrang, und um diese so elementare Frage geht es Meg Mitchell Moore, was insbesondere das Romanende deutlich macht. Eintauchen ins pralle amerikanische Familienleben – unmittelbarer als mit „Eine fast perfekte Familie“ geht es kaum.

Und um noch einmal auf die Frage nach dem Glück und dem Streben danach zurückzukommen: Findet sich Glück eventuell auch abseits des Luxus-Domizils mit Blick auf die San Francisco Bay? Abseits von Millionendollardeals und einer Universität der Spitzenklasse? Urteilen Sie selbst!

Meg Mitchell Moore lebt heute mit ihrer Familie in Massachusetts. Bevor sie sich ganz auf das Schreiben von Romanen verlegte, arbeitete sie als Journalistin. „Eine fast perfekte Familie“ ist ihr dritter Roman.

Von Ute Gillessen

Meg Mitchell Moores Roman “Eine fast perfekte Familie” im Onlinekatalog der Münchner Stadtbibliothek

The following two tabs change content below.

Ute

Lieblingsbücher: amerikanische Gegenwartsliteratur / Freizeit: Laufen, Yoga Schwimmen und natürlich Lesen. Gelegentlich geht's auch mal ins Theater oder Kino / Lieblingsland: Spanien und seine Sprache sowie Kultur / Lieblingstiere: Pferde. Ich würde gerne wieder regelmäßig reiten / Berufswunsch: (früher) Lehrerin oder Bibliothekarin. Nach meinen Erfahrungen bin ich heute sehr froh, als Bibliothekarin arbeiten zu dürfen. Da ich auch die PraktikanInnen und Auszubildenden mitbetreue, kann ich mich trotzdem noch pädagogisch austoben.

Neueste Artikel von Ute (alle Artikel)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

Post Navigation

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Close