Man lernt nie aus! Oder: Wie ich von weniger mehr hatte

Kennt ihr schon unser neues eLearning-Portal? Seit Anfang Februar können Nutzerinnen und Nutzer der Münchner Stadtbibliothek mit einem gültigen Bibliotheksausweis egal wo und wann kostenlos an zahlreichen Onlinekursen teilnehmen. Wie diese Kurse genau aussehen, aufgebaut und vor allem wie informativ sie sind, das habe ich im Selbsttest ausprobiert.

eLearning-Tutorials waren mir zuletzt aus dem Studium ein Begriff, in dem meine wunderbar geduldige Professorin für Katalogisierung in einem Semester ihre wichtigsten Vorlesungen für uns aufnahm, damit wir weniger begabten Katalogisierungs-Student_innen diese zur Vorbereitung nochmal ansehen konnten und eine bessere Chance in der drohenden Klausur bekamen. Dementsprechend war ich zwar sehr interessiert, aber vorgewarnt: Würden sich diese Kurse etwa wie eine nicht enden wollende Katalogisierungs-Vorlesung anfühlen?

Von überall aus: Wer hier Internetzugang hat, kann sich künftig zB. auch in der Sonne weiterbilden.

Um zum eLearning-Portal zu gelangen, muss man sich zunächst in der Onleihe einloggen, der Zugang erfolgt mit Nutzernummer und Passwort. Neben den Punkten eBooks, eAudio, eVideo und ePaper findet sich oben in der Leiste der Reiter zum eLearning ganz rechts. Aktuell sind dort Kurse von vier Anbietern zu finden: Video2Brain, Lecturio, Lingua TV und „IWDL – Ich will Deutsch lernen“. Die größte Anzahl der Kurse stellen momentan Video2Brain und Lecturio, mit dem interaktivem Sprachportal Lingua TV können Interessierte Sprachen lernen (und bei erfolgreichem Abschluss sogar ein Zertifikat erhalten!), das Volkshochschul-Portal „IWDL“ richtet sich an Deutschlernende unabhängig von deren Vorkenntnissen. Aktuell kann aus knapp 2300 Kursen ausgewählt werden, die alle ein Jahr lang ausgeliehen werden können. Über die einfache Suche links oben und die erweiterte Suche im Menü kann, wenn vorher als Filter eLearning eingestellt wird, auch nach Themen gesucht werden.

So scrolle ich mich durch die Kursliste, und das dauert – hier mal nur eine „kleine“ Auswahl: Es gibt verschiedene Kurse zu allen möglichen Microsoft-Produkten und deren Handhabung, Videos zu Statistik und Analysis, Tutorials zum Erlernen von Sprachen (aktuell vornehmlich Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch, aber an einer Erweiterung des Angebots wird gearbeitet). Es werden Kurse angeboten zu InDesign, Photoshop, Maketing, SQL und Fotografie, und oft nicht nur ein Kurs zum Thema, sondern für Anfänger_innen und auch Fortgeschrittene. Es gibt einen „Sportbereich“ mit Anti-Stress und Fitness-Kursen sowie Videos zum Gitarre- oder Schlagzeug-Lernen. Diese Aufzählung deckt allerdings nur einen Bruchteil ab.

Nach längerem Überlegen entscheide ich mich schlussendlich für folgende Kurse: Interkulturelle Kompetenz, Intensiv-Fitness-Paket, Souveränität lernen, Grundlagen Social Media und meinen ganz persönlichen Favoriten, Das 1×1 des Tischfußballs. Diese Kurse werden alle von Lecturio gestellt. Kurz überlege ich, mich auch für Italienisch „einzuschreiben“ – lasse es aber doch, da es heuer für den Urlaub eher in den Norden gehen wird. Aber auch bei Sprachen gibt es viele Auswahlmöglichkeiten.

Die Kurse sind vom Aufbau ähnlich: Es öffnet sich ein Fenster, in dem sich das Tutorial abspielt, oben links gibt es den Reiter „Alle Vorträge des Kurses“ in der Mitte eine „Kapitelübersicht“. Abgefragt wird man auch, ganz rechts ist, sofern vorhanden, die „Quizübersicht“. Nach jedem Kapitel beantwortet man diverse Multiple-Choice-Fragen. Im unteren Bildbereich kann man, wie man es aus anderen Videoportalen kennt, das Video stoppen oder vorspulen. Die einzelnen Lektionen haben je nach Kurs unterschiedliche Länge, aber in keinem „meiner“ Kurse ging ein Abschnitt länger als 45 Minuten. Einfache Handhabung, freue ich mich. Doch dann wird es kompliziert.

Screenshot Onleihe München

Denn: Durch den hohen Informationsgehalt der eLearning-Tutorials sind diese auf keinen Fall auf die leichte Schulter zu nehmen und schon gar nicht etwas, das man „so nebenbei“ erledigt. In meiner Begeisterung habe ich mir zu viel ausgesucht: Wenn ich nicht nur „`reinschauen“ will in die einzelnen Bereiche, sondern wirklich etwas lernen und mitnehmen will, muss ich etwas abgeben. Nach zwei Wochen, in denen ich versuche, alle meine interessanten Kurse zu machen und nachts einen Stress-Traum träume, den ich das letzte Mal im Studium hatte (ich bringe zur Klausur keine Stifte mit und niemand hat einen über), treffe ich eine Entscheidung und konzentriere mich nur noch auf „Grundlagen Social Media“.

Das liegt neben meinem grundsätzlichen Interesse an dem Thema auch an der Dozentin dieses Kurses, die selbsternannte „webverbesserin“ Mira Giesen. Kompetent und locker führt sie durch die Lektionen, in ihren Tutorials sieht man sie unten links in einem kleinen Bild eingeblendet, während die Folien, über die sie doziert, für mich als Zuschauerin größer zu sehen sind. Die Kapitel haben Inhalte wie zum Beispiel “Kommunizieren im sozialen Netzwerk”, “Wie funktioniert Twitter?”, “Die Fanpage – Grundlagen”, Social Media Guidelines und vieles mehr. Frau Giesen hat eine lockere und nette Art, und ich freue mich richtig auf meine „Vorlesungen“.

Fazit: Unser neues eLearning-Angebot ist auf jeden Fall eine sehr gute Möglichkeit, sich individuell weiterzubilden. Ich habe mir bei jeder Lektion Notizen gemacht und fand auch die Quizze am Ende der Kapitel eine gute Möglichkeit, das eben Gehörte noch einmal zu wiederholen. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass die Kurse, die Einblicke in ein technisches Thema, wie zum Beispiel in Computer- oder Fotoprogramme, den Anwender/die Anwenderin wirklich befähigt, sein Wissen praktisch umzusetzen.

Weniger nach meinem Geschmack war allerdings das Intensiv-Fitness-Paket – nicht wegen des Sports an sich oder der drei sehr sympathischen Trainer Kevin, Alex und Andre, sondern weil es mir einfach nichts gibt, alleine vor einem Bildschirm Yoga zu machen, während im Hintergrund Alex in sein Mikro flüstert und Meeresrauschen und Möwenschreie zu hören sind. Aber, das ist wohl eine Geschmacksfrage…

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Eva

Wer meine Texte gelesen hat, weiß, dass ich nach München pendle, keine Horrorfilme und kein Fleisch mag und kurz vor dem Mauerfall geboren wurde. Etwas, dass ich folglich nicht gut kann: mich zurückhalten! 🙂 Wirklich gut hingegen kann ich organisieren und mit Leuten. Abseits von der Arbeit und meinem Lesesofa (egal welches Genre, immer her mit Comics und Graphic novels!), trifft man mich am ehesten noch beim Skaten, auf Konzerten oder im Kino: nach Lesen meine zweitgrößte Leidenschaft.

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