Malen mit Robotern

Sieben Fragen an Sebastian Ring (JFF)

Bereits Mitte September startete der Münchner Medienherbst: ein umfangreiches Programm mit etwa 400 Veranstaltungen in der ganzen Stadt. Einer der Höhepunkte: Das dreitägige Interaktiv-Festival, das in unserer Stadtbibliothek Am Gasteig stattfindet und in diesem Jahr unter dem Motto “intelligent vernetzt” steht. Wir haben mit Sebastian Ring, einem der Koordinatoren des Medienherbsts, gesprochen.

Sebastian Ring vom JFF – Institut für Medienpädagogik

Wer bist Du und was machst Du?

Ich heiße Sebastian Ring und bin Medienpädagoge beim Medienzentrum München des JFF (Institut für Medienpädagogik). Dort beschäftige ich mich mit Konzepten und innovativen Projekten zu digitaler Technologie und aktuell am liebsten mit Computerspielen und Virtual Reality. Uns ist sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche die kreativen und kommunikativen Potenziale von Medien für sich nutzen und in die Gesellschaft oder Politik einbringen. Unter www.medienzentrum-muc.de oder www.jff.de/games kann man sich ein Bild von meiner Arbeit machen. Außerdem darf ich einen Teil der Aktivitäten des Netzwerks Interaktiv im Medienherbst koordinieren.

Was ist „Interaktiv“ und was ist der „Medienherbst“?

Interaktiv ist das Münchner Netzwerk Medienkompetenz. Es vernetzt Einrichtungen aus der Kultur, der Bildung, dem Sozialbereich. Gemeinsam ist allen das Interesse an Medien. Interaktiv gibt es schon seit 1995. Angefangen hat alles mit einem Event im damaligen Forum der Technik auf der Museumsinsel. In Vorträgen, Workshops und Kunstaktionen konnte man sich mit den damals recht neuen Technologien, z.B. dem World Wide Web, auseinandersetzen. Das Netzwerk und auch die Aktionen im Herbst sind seitdem ziemlich in die Breite gegangen. Mittlerweile bietet der Medienherbst gut 400 Aktionen und Termine von den verschiedenen Partnerinstitutionen – für alle Altersgruppen und im ganzen Stadtgebiet. www.interaktiv-muc.de zeigt noch umfangreicher, worum es da geht.

Gerade medial ist in den vergangenen 20 Jahren eine Menge passiert. Hat dieser rasante Medienwandel auch das Netzwerk verändert? Sind die anfänglichen Ziele heute noch dieselben?

Im Kern ist eine Frage gleich geblieben: Wie können wir die Gesellschaft und alle jüngeren und älteren Münchner*innen für ein souveränes Leben in dieser Medienwelt stark machen? Einige Fragestellungen sind aber deutlich komplexer geworden, zum Beispiel die starke Kommerzialisierung und Globalisierung von Kommunikation oder auch die Möglichkeiten der Überwachung durch Staaten und Geheimdienste, die Bürgerrechte und Selbstbestimmung bedrohen. Diese politische und gesellschaftliche Dimension unserer Arbeit ist dieselbe geblieben. Schön ist, dass das Netzwerk wächst und immer wieder neue Akteure sich einbringen.

Das diesjährige Motto des Medienherbsts lautet „intelligent vernetzt“ – was darf man sich darunter vorstellen?

Mittlerweile findet Medienkommunikation nicht mehr nur zwischen Menschen statt. Ein Großteil der Kommunikation wird durch Software und Algorithmen strukturiert, z.B. bestimmen diese das Ergebnis von Internetsuchen oder auch, was ich im Social-Media-Dienst angezeigt bekomme. Künstliche Intelligenz gibt es in Games, bei Sprachassistenten auf Smartphones oder bei Chatbots. Es gibt Kinderspielzeug, das mit dem Internet verbunden ist. Autos lernen, selbst zu fahren. Das ist ein weites Feld und die technologischen, kulturellen, sozialen und ethischen Konsequenzen dessen wollen wir mit dem Motto in den Mittelpunkt stellen.

Und wie sieht das in der Praxis aus, also: Was für Veranstaltungen gibt es beim Medienherbst, wie wird „intelligent vernetzt“ in praktisches Programm übersetzt?

Am besten klickt man sich unter www.interaktiv-muc.de/medienherbst2017 durch das Programmheft. Ich empfehle allen, zum Festival vom 25. bis 27. Oktober in die Münchner Stadtbibliothek Am Gasteig zu kommen. Da gibt es jede Menge auszuprobieren, lernen und diskutieren: Man kann mit Robotern malen, mit Microcontrollern basteln, Planeten in der Virtual Reality verschieben und vieles mehr. Hier gibt’s alle Infos dazu: www.interaktiv-festival.de.

Das Programm ist überaus umfangreich. Und da Du es vermutlich in- und auswendig kennst, musst Du uns nun ein paar Tipps geben: Welche Veranstaltungen liegen Dir am meisten am Herzen, welche möchtest Du unbedingt hier empfehlen und warum?

Schwierige Frage! Ich hätte gern viel mehr Zeit, um mir etwas anzuschauen. Im Rahmen der Münchner Wissenschaftstage gibt es viele spannende Vorträge, die PA/SPIELkultur hat in den Ferien Jugendkunstschulkurse. Vom 15. bis 17. November läuft die Mitmachmesse FORSCHA. Am 21. November ist der Medienkünstler Matthias Fritsch zu Gast und spricht über das bekannteste deutsche Meme, den Techno Viking, und was das für ihn für rechtliche Konsequenzen hatte.

Und es lohnt sich auch, im Interaktivraum am Westkreuz vorbei zuschauen. Auch hier ist einiges geboten: www.interaktivraum.wordpress.com

Du als Experte musst natürlich auch ein paar Prognosen wagen: Wohin geht die mediale Entwicklung, welche Trends zeichnen sich ab, wie sieht unsere digitale Zukunft aus?

Wir werden sicher mehr mit intelligenten Maschinen zu tun haben. Hoffentlich sind diese auch wirklich intelligent, humorvoll und auch empathisch. Das wird die Art wie wir leben, lernen und arbeiten ziemlich umkrempeln. Damit das zum Vorteil von möglichst allen wird und nicht Ausgrenzung und Benachteiligung verstärkt, ist soziales und politisches Engagement von uns allen gefragt.

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Katrin

Als Kind wollte ich Bibliothekarin oder Journalistin werden - nach dem Literatur-Studium entschied ich mich zunächst für Letzteres. Um dann doch wieder in einer Bibliothek zu landen: Seit 2015 bin ich in der Münchner Stadtbibliothek verantwortlich für die digitale Kommunikation (und damit auch für dieses Blog hier). Mein großes literarisches Interesse gilt (zumindest aktuell) der postkolonialen Literatur, vor allem vom afrikanischen Kontinent.

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