Kung-Fu-Frosch mit Hypnoseblick

Yakuza Apokalypse: The Great War Of The Underworld (Film)

Ein Yakuzaboss, der sich eine Altmänner-Strickgruppe im Keller hält, Vampire gegen Yakuzas und ein Kung-Fu-Frosch mit Wutausbrüchen: Der neue Film des japanischen Kultregisseurs Takashi Miike ist ein Genre-Mix, der so chaotisch ist, dass man ihn gar nicht mehr zuordnen kann. So unbeschreiblich durchgeknallt, dass man ihn gesehen haben muss, um es ganz zu begreifen.

(c) Koch Media

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Dieser Film wäre wahrscheinlich an mir vorbeigegangen, wenn ich nicht auf die Empfehlung in Ausgabe #56 der Zeitschrift “deadline” gestoßen wäre. Während Fans des japanischen Kinos Takashi Miike durchaus kennen dürften, ist er den meisten hierzulande wohl kaum ein Begriff. Seine Filmographie zeichnet sich durch unberechenbare Genrewechsel, verwirrende Inszenierungen und teils verstörende Gewaltdarstellung aus. Bekannt wurde er bei uns zum Beispiel durch die Titel “13 Assassins”, einem Samuraifilm mit furiosen Martial-Arts-Einlagen, oder “Audition”, einem subtil inszenierten Horrorfilm. Wer seine Filme kennt, dürfte natürlich auf einiges gefasst sein. Aber “Yakuza Apokalypse” ist – was die Gewaltdarstellung betrifft – eher gemäßigt, zumindest für einen Takashi Miike Film; dafür sind Inszenierung und Handlung umso verstörender.

Kamiura ist der Anführer eines örtlichen Yakuzaclans. Er ist streng und fair und scheint bei der Bevölkerung besonders geachtet zu sein, denn er kümmert sich und sorgt für Recht und Ordnung. Doch spätestens als man die in Ketten gehaltene Strickgruppe kennenlernt, die er sich im Keller hält, merkt man, dass hier etwas nicht stimmt. Kamiuras treuester Gefolgsmann Kagayama schaut zu Kamiura auf und ahnt nicht, dass er nach der Enthauptung seines Bosses dessen Nachfolge antreten und damit Ereignisse lostreten wird, die nahezu apokalyptische Ausmaße annehmen.

Ich könnte jetzt detailliert beschreiben, wie der Vampir-Yakuza-Boss, der seine persönliche Strickgruppe im Keller aussaugt, um die Bevölkerung weiter ausbeuten zu können; wie Nachfolger Kagayama sich an den Bürgern vergreift, die alle zu Vampiren werden; wie seltsam die “Exorzistengruppe” um den indonesischen Martial-Arts-Star Yayan Ruhian anmutet, inklusive stinkendem Schnabeltroll und Terror-Frosch, der regelmäßig ausrastet. Aber all das beschreibt nicht im Ansatz diesen schrägen Film. Einzig die – typisch asiatisch – schüchtern angedeutete Liebesgeschichte zwischen Kagayama und einer Krankenhausbekanntschaft zieht sich wie ein roter Faden der Vernunft durch den Film und scheint Kagayama vor dem endgültigen Verfall in den Wahnsinn zu bewahren.

(c) Koch Media

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In all diesem Chaos verbirgt sich allerdings reichlich subtiler Humor und Gesellschaftskritik. Dass die Yakuza all ihre Macht nur durch die Bürger haben und diese sofort verlieren würden, sollten die Bürger sich gegen sie wenden, wird einem schon fast mit dem “Achtung-Botschaft-Schild” über den Kopf gezogen. Aber auch dass die internen Machtkämpfe der Yakuza nie ein Ende nehmen und nur zu immer skrupelloseren Bösewichten führen, ist herauszuhören. Teilweise hat man das Gefühl, dass sich fast hinter jeder Szene eine tiefere Botschaft versteckt. Dies trägt dann auch noch zur ganzen Verwirrung, in all dem Chaos, bei.

Auch wenn der Film in seinen ruhigen Phasen mit einer nahezu poetischen Bildsprache begeistern kann und die Story eine durchaus anspruchsvolle Metaebene zu bieten hat, so ist der Film sicher nicht für jeden etwas. Wer sich aber auf dieses abgedrehte Genre-Chaos einlassen kann, der wird mit einem Filmerlebnis der besonderen Art belohnt, das einen noch für Tage rätseln und schmunzeln lässt.

Yakuza Apocalypse: Blu-Ray / Hayato Ichihara, Yayan Ruhian, Riri Furanki, Yoshiyuki Morishita, Denden, Riko Narumi; 2016 ; FSK: 16

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Marco

Als Serienjunkie und passioniertem Gamer bleibt mir neben der Arbeit nicht all zu viel Zeit für das Lesen. Diese investiere ich dann meistens in Sachbücher zu den Themen Sport und Ernährung. Daneben begeistere ich mich für ausgefallene Filme abseits des Mainstreams und das SciFi-Genre.

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