Ins Offene

Was Bibliotheken und Barcamps verbindet

Seit 10 Jahren gibt es nun Barcamps in Deutschland, und nicht selten gilt das Barcamp in der öffentlichen Wahrnehmung zuallererst als Gegenentwurf zu traditionellen Konferenzen; daher auch der Begriff „Unkonferenz“. Tatsächlich geht die Legende ein bisschen anders, nämlich mit einem kleinen Umweg. Am Anfang der Historie steht das FooCamp von Tim O´Reilly (seines Zeichens Software-Pionier und u.a. Erfinder des Begriffs „Web 2.0“), das erstmals 2003 stattfand. Ja, das FooCamp war eine Unkonferenz – man kam zusammen, brachte erst vor Ort die eigenen Themen ein und plante gemeinsam die verschiedenen Sessions –, aber auch eine ziemlich elitäre Angelegenheit, denn teilnehmen durfte nur, wer vom Meister eingeladen wurde. Die „Friends of O’Reilly“ eben, daher das Akronym FOO. Schon zwei Jahre später hatte der mehrfache FooCamp-Teilnehmer Tantek Celik eine Idee namens „BarCamp“, die er sogleich mit ein paar Freunden teilte. Einer davon, Chris Messina (der wenig später den Hashtag erfinden sollte), berichtete im August 2015 gleichsam live in seinem Blog von der Organisation des ersten Barcamps:

Indeed, the original concept came to me and my roommate Andy from Tantek Celik, who suggested that there should be an alternative, non-exclusive, „open“ alternative to Foo Camp. […]

… and the more I researched and discussed Foo Camp, the more we believed that O’Reilly’s ad hoc model would work beyond the limited boundaries of Sebastapol [die Heimat von O’Reilly, KS]. And would not only work –  but needed to be freed!

Am Anfang stand also nicht der Gegenentwurf zur Konferenz, sondern der Gegenentwurf zur anfangs elitären Konzeption der Unkonferenz.

Alle Fotos: Eva Jünger/Münchner Stadtbibliothek

Alle Fotos: Eva Jünger/Münchner Stadtbibliothek

Das erste Barcamp fand nur zwei Tage später statt und viele weitere folgten, überall auf der Welt. Dass das Bibcamp – ein Barcamp für Bibliothekarinnen und Bibliothekare (Wikipedia) – zu den ältesten regelmäßigen Barcamps in Deutschland gehört, verwundert wenig, schließlich passt die Idee der offenen Unkonferenz ganz hervorragend zu öffentlichen Bibliotheken, deren Aufgabe eben das ist: Raum und Materialien bereitstellen, um Menschen – egal welchen Alters oder Aussehens, welcher Herkunft oder welcher Religion – das Austauschen und Diskutieren von Ideen und Meinungen, das Partizipieren, das Weiterbilden und Weiterdenken zu ermöglichen.

Und deshalb haben wir natürlich, selbstverständlich und sofort laut JA! gerufen, als die Kulturkonsorten uns gefragt haben, ob die Münchner Stadtbibliothek an einem Abend die Gastgeberin ihres ersten AfterWorkCamps sein möchte, das unter dem bekannten Kulturkonsorten-Motto „digitales weiter denken“ steht. An fünf Abenden, jeweils von 18 Uhr bis 20 Uhr, finden je bis zu sechs Sessions über Kultur und Digitalisierung – mal ganz allgemein gesprochen – statt. Zusätzlich bekam noch jeder Abend ein ‚Tun-Wort‘ als Überschrift: Am Montag geht es ums Erkennen, am Dienstag ums Versuchen, am Mittwoch ums Scheitern, am Donnerstag ums Gestalten, am Freitag ums Bewegen. Wir freuen uns auf alle fünf Tage, am meisten freilich auf den Mittwoch, wenn in der Stadtbibliothek Am Gasteig vom Scheitern die Rede sein wird. Nicht nur, weil wir einfach gerne Gastgeberin für kluge, innovative Formate und ebensolche Menschen sind. Sondern weil die Erfahrung des Scheiterns ja angeblich zu denjenigen Erfahrungen gehört, aus denen man ganz besonders klug wird und ganz besonders viel lernt.

barcamp.org

AfterWorkCamp der Kulturkonsorten: erste Infos und Einladung

AfterWorkCamp der Kulturkonsorten: Anmeldung und Session-Vorschläge

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Katrin

Als Kind wollte ich Bibliothekarin oder Journalistin werden - nach dem Literatur-Studium entschied ich mich zunächst für Letzteres. Um dann doch wieder in einer Bibliothek zu landen: Seit 2015 bin ich in der Münchner Stadtbibliothek verantwortlich für die digitale Kommunikation (und damit auch für dieses Blog hier). Mein großes literarisches Interesse gilt (zumindest aktuell) der postkolonialen Literatur, vor allem vom afrikanischen Kontinent.

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2 Kommentare zu “Ins Offene

  1. Hi, warum kann ich diesen Artikel denn nicht teilen?

    • Katrin on 07/06/2016 at 2:24 pm sagt:

      Ich bin nicht sicher, was gemeint ist: Warum es hier keine Buttons gibt, mit denen man den Text automatisch in dem eigenen Profil auf Facebook o.ä. teilen kann? Das verbieten die Datenschutzvorgaben der Stadt München. Also einfach den Link kopieren und einfügen, wo immer man will 🙂

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