Hüte dich vor Crimson Peak!

“Crimson Peak” von Guillermo del Toro

Trotz der Warnung ihrer Mutter, die sie aus dem Jenseits heimsucht, landet eine junge Frau blind vor Liebe in „Crimson Peak“ – dem Haus, das den Tod bringt.

Edith Cushing (Mia Wasikowska) lebt mit ihrem Vater (Jim Beaver), einem erfolgreichen Bauunternehmer, um 1900 in Buffalo. Sie verliebt sich in Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston), der auf der Suche nach einem Mäzen zur Finanzierung seiner Erfindungen, gemeinsam mit seiner Schwester Lucille (Jessica Chastain), in die Stadt kommt.

Ganz koscher kommen sie einem da schon nicht vor, die Geschwister Sharpe: Sir Thomas und Lady Lucille Sharpe wirken in Guillermo del Toros Gothic-Romance „Crimson Peak“ wie deplatzierte, düstere Tintenklekse, als sie im betont hell und sonnig inszenierten Buffalo ankommen. Auch Edith ist ungewöhnlich: Als junges Mädchen wird sie vom Geist ihrer Mutter besucht, der sie warnen will: „Hüte dich vor Crimson Peak!“ Als Ediths Vater jedoch überraschend stirbt, will sie Sharpe nach Nordengland auf dessen Familiensitz begleiten – und heiratet ihn.

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Alle Fotos: “Crimson Peak” auf DVD & Blu-ray (Universal Pictures)

Der Familiensitz „Allerdale Hall“ stellt sich jedoch als arg verfallenes Schlösschen heraus, das einst auf einem roten Tonvorkommen erbaut wurde: Da es immer mehr einsinkt, quillt aus Boden und Wänden eine rote Masse, die an Blut erinnert. Sich an ihr gruseliges neues Zuhause zu gewöhnen, fällt Edith nicht leicht; hinzu kommt, dass ihr Mann sie häufig allein lässt, um an seinen Erfindungen zu basteln, und ihre Schwägerin, die ebenfalls das Haus bewohnt, ist ihr gegenüber distanziert bis offen feindselig. Als Folge davon, so meint sie, geht es ihr gesundheitlich immer schlechter. Die Geister, die im Haus spuken, erscheinen ihr beinahe jede Nacht. Es dauert, bis Edith bemerkt, dass sie sie alle vor etwas warnen wollen. Doch vor was?

Als Edith erfährt, dass der Familiensitz der Sharpes von den Einheimischen im nahen Dorf auch Crimson Peak genannt wird, beginnt sie verstört, den Geheimnissen im Haus nachzugehen. Sie entdeckt Unglaubliches – und muss schon bald um ihr Leben kämpfen…

"Crimson Peak" auf DVD & Blu-ray (Universal Pictures)

“Crimson Peak” auf DVD & Blu-ray (Universal Pictures)

Da ich ein großer Fan des Regisseur Guillermo del Toro bin, der auch beim wunderbaren dunklen Fantasydrama „Pans Labyrinth“ Regie führte, wollte ich diesen Film unbedingt sehen! Selbst wenn ich, was Geistergeschichten angeht, nicht die besten Nerven habe. Del Toro war es auch, der erklärte, dass es sich bei „Crimson Peak“ nicht um Horror, sondern eher um einen „gothic romance film“ handeln würde – was ich jetzt nur bestätigen kann: Großartige, düstere Bilder mischen sich mit symbolträchtigen Farben und Szenen, die fast (Grusel-)Märchen-würdig sind; mit der Grenze zum Horrorgenre wird lediglich gespielt.

In den Geistern entfaltet sich die Filmkunst, die man von diesem Regisseur kennt und erwartet: Sie sind rot, eine Farbe, die in diesem Kontext eine sehr verstörende Wirkung hat. Zudem werden sie von echten Schauspielern gespielt, lediglich einige Effekte wurden nachträglich ergänzte. So wirken die Geister zwar übernatürlich, haben jedoch erschreckend menschliche Züge. Der Film kommt trotz der vielen Geister mit wenigen „jump scares“ aus, diesem Stilmittel, dessen sich in Horrofilmen oft bemächtigt wird, um den Zuschauer zu erschrecken – die Kamera wird langsamer, es ist alles still, man bereitet sich auf den Schrecken vor…und erschrickt sich dann doch so schlimm, dass einem das Popcorn quasi um die Ohren fliegt.

Neben der eigentlichen „Hauptperson“, dem beklemmend tödlichen Haus, dem niemand entkommen kann, ist die Golden Globe-Gewinnerin Jessica Chastain als Lady Sharpe ein weiteres Highlight: Während des ganzen Films schafft sie es, den Wahnsinn, der in der Figur tobt, unter der Oberfläche zu lassen, nur um dann gegen Ende das Grauen voll zu entfalten. Sehr gefallen hat mir auch die zarte Liebesgeschichte zwischen Sharpe und Edith. Er verliebt sich in Edith, obwohl er das eigentlich nicht darf – und um dieses Liebe leben zu dürfen, bezahlt er einen hohen Preis.

Ein Film, der einen auch nach Ende lange nicht kalt lässt. Düster, spannend und romantisch: Für Fans von „Pans Labyrinth“ und für alle, denen ein paar Geister nichts ausmachen.

“Crimson Peak” im Onlinekatalog der Münchner Stadtbibliothek

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Eva

Wer meine Texte gelesen hat, weiß, dass ich nach München pendle, keine Horrorfilme und kein Fleisch mag und kurz vor dem Mauerfall geboren wurde. Etwas, dass ich folglich nicht gut kann: mich zurückhalten! 🙂 Wirklich gut hingegen kann ich organisieren und mit Leuten. Abseits von der Arbeit und meinem Lesesofa (egal welches Genre, immer her mit Comics und Graphic novels!), trifft man mich am ehesten noch beim Skaten, auf Konzerten oder im Kino: nach Lesen meine zweitgrößte Leidenschaft.

2 Kommentare zu “Hüte dich vor Crimson Peak!

  1. Wallace on 09/06/2016 at 1:35 pm sagt:

    Der Film klingt sehr interessant, werde ihn wohl einmal anschauen müssen.
    Toller Blogeintrag, weiter so! 🙂

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