Frau Frohnatur lässt sich scheiden

Jónína Leósdóttir: Meine Familie und andere Katastrophen (Roman)

Der Roman beginnt mit einer kleinen Katastrophe: An seinem 60. Geburtstag verkündet Ragnar seiner Frau Margaret, dass er sich scheiden lassen will – dumm nur, dass Margaret eine Überraschungsparty geplant hatte, deren Gäste noch in ihren Verstecken sitzen und also alles mithören.

Die darauffolgenden Tage verlangen allen Familienmitgliedern einiges ab. Eyglo, die älteste Tochter, ist im Gegensatz zu ihren Geschwistern in Island und versucht per E-Mail verzweifelt, Bruder und Schwester im Ausland zu überreden, nach Reykjavik zu kommen.

Der peinlichleosdottir_familie_katastrophenste Moment in der Geschichte Islands. Der Alte ist endgültig durchgeknallt, und ich habe Frau Frohnatur noch nie so am Boden zerstört gesehen.

Dabei hat Eyglo ihre eigenen Probleme, denn sie ist schwanger von ihrem Lebensgefährten, der noch nicht einmal wusste, dass sie die Pille abgesetzt hat. Ihre Geschwister weigern sich jedenfalls, ihr dabei zu helfen, die Eltern zu versöhnen.

Margaret verliert zunächst ihren sprichwörtlichen – ihre Kinder nennen sie hinter ihrem Rücken nur „Frau Frohnatur“ – Optimismus. Doch dann geht sie die Trennung auf ihre eigene Art an: Sie verfasst eine Liste mit Plus- und Minuspunkten, die sie an Ragnar festgestellt hat. Zu den Minuspunkten gehört:

Liest nie Bücher und schaut ausschließlich Actionfilme.
Liebt ungesundes Essen und wirft Obst und Gemüse in den Müll, wenn ich nicht aufpasse.
Ist beleidigt, wenn ich ihn zu einem Spaziergang dränge, und tut manchmal so, als humpele er oder habe Kopfschmerzen, um umkehren zu können.
Ist versessen auf große Brüste.

Ragnar genießt derweil im Sommerhaus seine Freiheit und träumt davon, einen Pool in den Garten zu bauen.

Ragnar googelte „private swimming pool design“, und etwa zweihundert Millionen Ergebnisse erschienen, in denen das Wort vorkam. Am besten fing er mit den Bildergebnissen an, um Tipps bezüglich des Aussehens zu bekommen, die technischen Details würde er dann später googeln.

Der erweiterte Familienkreis besteht aus Ragnars Schwester Fifi, seinem besten Freund Svenni und dessen Frau Dora. Diese mischen ebenfalls kräftig bei der Bewältigung dieser Krise mit.

Jonina Leodottir schreibt humorvoll und unterhaltsam. Ihre Figuren könnten schablonenhaft wirken, tun es aber nicht, da sie immer wieder leicht aus der Rolle fallen. Daher ist die Geschichte nicht vorhersehbar und überrascht am Ende. Genau das Richtige für einen faulen Nachmittag auf dem Sofa: einfach weglesen.

Jónína Leósdóttir: Meine Familie und andere Katastrophen. Kiepenheuer & Witsch, 304 Seiten

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Anke

Sachbücher über Geschichte und Gesellschaft gefallen mir. Romane lese ich rasant und in rauen Mengen. Nur Liebesgeschichten lasse ich links liegen.

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